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Pakistan Erstmal schnell die Korruption abschaffen

Imran Khan, der neue Premierminister von Pakistan, macht vollmundige Versprechungen.

Pakistan
Imran Khan, hier in Überlebensgröße auf einem Transparent, gewann 1992 als Kapitän des pakistanischen Kricket-Teams den WM-Titel. Foto: rtr

Lange hatte Imran Khan, Chef der von ihm gegründeten Partei PTI, auf diesen Moment warten müssen. Nun, nach 22 Jahren, wurde der ehemalige Kricket-Star bei der dritten zivilen Regierungsübergabe in der 70-jährigen Geschichte Pakistans endlich Premierminister. Am Samstag legte er im Präsidentenpalast in Islamabad den Amtseid ab. Seine Partei Tehreek-e-Insaf (PTI) hatte bei der Wahl vier Millionen Stimmen mehr erhalten als die bisherige Regierungspartei „Pakistan Muslim League“ (PMLN) unter Führung des wegen Korruption verurteilten Nawaz Sharif. 

Das von Imran Khan verkündete „Neue Pakistan“ verkörpert das Ende jahrzehntelanger Herrschaft durch die einander an der Regierung abwechselnden Parteien Muslimliga-Nawaz (PML-N) und Pakistanische Volkspartei (PPP), immer wieder unterbrochen durch Perioden, in denen das Militär an der Macht war.

„Unter mir wird strikte Rechenschaftspflicht gelten“, sagte Khan bei seiner Antrittsrede. „Jeder, der dieses Land geplündert hat, wird zur Verantwortung gezogen.“ Binnen drei Monaten, so hatte er es im Wahlkampf behauptet, werde er die Korruption ausrotten. Das sind vollmundige Sprüche eines Mannes, der keine Regierungserfahrung besitzt. 

Und die Aufgaben, die ihn erwarten, sind nicht leicht: Als erstes wird er eine wirtschaftliche Krise bewältigen müssen. Pakistan besitzt Währungsreserven von neun Milliarden US-Dollar – gerade genug für die Importe von zwei Monaten. Experten gehen davon aus, dass Khan bald einen Handel mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) über einen Kredit von zwölf Milliarden US-Dollar aushandeln muss. 

Allerdings droht die US-Regierung in Washington, ihr Veto gegen jede IWF-Vereinbarung einzulegen, die Pakistans neuen großen Freund und Geldgeber China bevorteilen würde. Damit fällt sogar Imran Khans Finanzlage in den Bereich regionaler Machtpolitik im atomaren Feuerherd der drei Nuklearmächte China, Indien und Pakistan, in dem Islamabads Generäle das letzte Wort beanspruchen. Die vorherrschenden Gegensätze sind freilich nicht in Stein gemeißelt. Denn bei den Nato-Partnern der USA von Kanada bis nach Berlin, die vor allem das Problem Afghanistan umtreibt, reift angesichts des Debakels am Hindukusch seit 2001 die Erkenntnis, dass Milliarden von Hilfsgeldern für Kabul verschwendet waren. 
„Wir hätten Pakistans strategische Interessen in Afghanistan stärker berücksichtigen müssen“, sagt ein europäischer Diplomat, „dann wäre das Problem Taliban wahrscheinlich langst unter Kontrolle.“ Nun hoffen Diplomaten, das mit Imran Khan und Generalstabschef Qamar Javed Bajwa ein Neuanfang unter dieser Prämisse möglich sein könnte. 

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