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Ostukraine Mord überschattet Friedensgespräche

In der Ostukraine stirbt der berüchtigte Rebellenkommandeur „Motorola“. Auch deshalb stehen die Vorzeichen für mögliche Fortschritte des Friedensprozesses schlecht.

Von einer Bombe zerfetzt: Rebellenkommandeur Arseni Pawlow alias „Motorola“, hier bei der Siegesparade am 9. Mai 2016. Foto: rtr

Am Sonntagabend ist in Donezk der Rebellenkommandeur Arseni Pawlow mit dem Spitznamen „Motorola“ getötet worden. Eine Bombe im Lift seines Hauses zerriss ihn. In Kiew herrscht Freude, in Donezk aber Wut. „Das heißt, Pjotr Poroschenko hat uns den Krieg erklärt“, schimpfte Alexander Sachartschenko, Chef der separatistischen Donezker Volksrepublik (DNR) und drohte den Offizieren ukrainischer Sicherheitsdienste und ihren Familien: „Wenn wir zu Euch nach Hause kommen, wird es keine Gnade geben.“

Morgen wollen sich in Berlin Angela Merkel, François Hollande, Wladimir Putin und Petro Poroschenko treffen, um über die weitere Umsetzung der Minsker Friedensvereinbarung zu beraten. Aber die Vorzeichen für mögliche Fortschritte des Friedensprozesses stehen schlecht. Nicht nur wegen „Motorolas’“ Tod.

Der Autoschlosser aus der nordrussischen Republik Komi hatte sich den Rebellen im Donbass angeschlossen, es bis zum Kommandeur des Bataillons „Sparta“ gebracht. Er war ein Draufgänger, er prahlte damit, am Donezker Flughafen 15 ukrainische Gefangene getötet zu haben. Am Montag nun bekannten sich per Youtube vermummte Männer, die vor einer Fahne der ukrainischen rechtsextremen „Misanthropic Division“ mit Hitler-Gruß posierten, der „Liquidierung des allseits bekannten Terroristen Motorola“. In Donezk wird aber auch spekuliert, ob nicht der russische Geheimdienst hinter Motorolas Tod steckt.

Zuvor blieben auch die Morde an drei eigenwilligen Feldkommandeuren in der Lugansker Rebellenrepublik unaufgeklärt. „Der punktgenau explodierende Sprengsatz im Liftschacht war entweder das Werk hochprofessioneller Spezialisten aus Russland oder aus der Ukraine“, sagte ein Donezker Publizist der FR.

Schon seit Wochen melden beide Seiten im Kriegsgebiet feindlichen Beschuss. Bei der Stadt Solotoje in der Region Luhansk gerieten am Sonntag OSZE-Beobachter und ukrainische Offiziere unter Beschuss. Solotoje gehört zu den drei Modellzonen, in denen die OSZE versucht, eine Truppenentflechtung durchzusetzen.

Russlands Präsident Wladimir Putin forderte am Sonntag, die Sicherheitsprobleme „parallel“ zu der Verabschiedung neuer ukrainischer Gesetze zu lösen, die die Autonomie der Rebellenrepubliken garantieren sollen. Sein ukrainischer Kollege Poroschenko beharrt darauf, zuerst müsse die Sicherheit der ukrainischen politischen Akteure im Donbass garantiert werden.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Ukraine

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