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Osman Kavala Der „rote Soros“

1. Update Der türkische Millionär Osman Kavala wurde in Gaziantep verhaftet. Der Mäzen finanziert den Menschenrechts-Workshop, dessen Teilnehmer bald vor Gericht stehen.

Osman Kavala
Osman Kavala war Sponsor des Menschenrechtsworkshops, dessen Teilnehmer bereits inhaftiert sind. Foto: dpa

Das Vorgehen war dramatisch. Kaum war das Flugzeug aus der südostanatolischen Stadt Gaziantep in der Nacht zu Donnerstag auf dem Istanbuler Atatürk-Flughafen gelandet, betraten Antiterrorpolizisten die Kabine und nahmen vor den Augen der Mitreisenden einen Mann fest, der in der Türkei eine stille Berühmtheit genießt: Osman Kavala, ein Multimillionär, der sein Geld dazu verwendet, die Künste zu fördern, internationale Beziehungen und die Zivilgesellschaft zu stärken.

Der Geschäftsmann war auf dem Rückweg von einer Inlandsreise mit Mitarbeitern des deutschen Goethe-Instituts. Der Haftgrund wird geheim gehalten, regierungstreue Medien bringen den 60-Jährigen aber mit dem Putschversuch vom vergangenen Jahr und dem Prozess gegen den Deutschen Peter Steudtner und zehn weitere Menschenrechtler in Istanbul in Verbindung, der am kommenden Mittwoch in Istanbul beginnt.

Osman Kavala war Sponsor des Workshops der Menschenrechtsorganisation Amnesty International vor drei Monaten, dessen Teilnehmern die Staatsanwaltschaft vorwirft, einen Umsturz in der Türkei geplant zu haben. „Seit ihrer Verhaftung rechnete Osman täglich damit, auch festgenommen zu werden“, sagt am Telefon Sevan Nisanyan, ein armenisch-türkischer Buchautor und langjähriger Projektpartner Kavalas, der kürzlich aus der Türkei nach Griechenland flüchtete. Nisanyan glaubt, dass Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan damit dem gleichzeitig stattfindenden EU-Gipfel in Brüssel signalisieren wolle, dass ihm internationale Proteste über die desolate Menschenrechtslage in der Türkei egal seien. „Er fordert die internationale Gemeinschaft offen heraus. Es ist ein sehr schlechtes Vorzeichen für den Prozess.“

Kooperation mit Soros

Während die Oppositionszeitung „Cumhuriyet“ von einer „geheimen Ermittlung“ gegen Kavala schreibt, bei der es um Treffen vor dem Putschversuch gegangen sie, berichteten regierungsnahe Medien am Freitag auf den Titelseiten über Kavala und stellten ihn mit dem Workshop auf Büyükada in einen Zusammenhang. Die Zeitung „Günes“ nannte den Unternehmer „Agenten des Westens“, das islamistische Blatt „Yeni Safak“ eine „Schlüsselfigur eines Terrorfonds“.

„Yeni Safak“ beschuldigt ihn, er habe eine Hauptrolle beim Geldverkehr für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK und andere „verdeckte Operationen“ in der Türkei gespielt und in Gaziantep Hilfsmaßnahmen für den PKK-Ableger PYD in Syrien besprochen. Übereinstimmend bezeichnen die Erdogan-treuen Medien Kavala als „roten George Soros“ oder „roten Milliardär“, womit sie auf seine linke politische Haltung anspielen und auf seine Rolle als Mäzen zahlreicher Bürgerinitiativen und -projekte. „Osman Kavala war bei praktisch jeder wichtigen Aktion der Zivilgesellschaft in der Türkei beteiligt“, sagt Sevan Nisanyan.

Der mit einer Professorin verheiratete, hochgewachsene, eher scheu wirkende Unternehmer spielt in der Türkei eine Schlüsselrolle als wichtigster Mäzen der Zivilgesellschaft und ähnelt darin durchaus dem US-Milliardär und Philantropen George Soros. Weil Kavala tatsächlich eng mit Soros und deutschen Stiftungen kooperiert, wird ihm von vielen Seiten seit Langem unterstellt, gegen die Einheit der Türkei zu konspirieren – und auch seine Herkunft lässt ihn der herrschenden islamistisch-antolischen Elite um Erdogan suspekt erscheinen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Türkei

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