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Orthodoxe Kirchen Kampf um Rom des Ostens

Die russisch-orthodoxe Kirche will die Vormachtstellung in Konstantinopel.

Gottesdienst im Kiewer Höhlenkloster
Gottesdienst im Kiewer Höhlenkloster, um dessen Verwaltung jetzt gerungen wird. Foto: afp

Liturgisch herrscht jetzt Krieg. Die Russisch-orthodoxe Kirche (kurz RPZ) hat gestern alle Kontakte zum Ökumenischen Patriarchat in Konstantinopel abgebrochen. Und sie hat ihren Priestern verboten, künftig gemeinsam mit deren Geistlichen Gottesdienst zu feiern. Auch einfache Gläubige dürfen nicht mehr in den Kirchen der Gegenseite beten.

Nach einer Sitzung in Minsk unterstellte die Heilige Synode der RPZ in einer Erklärung dem Patriarchat in Konstantinopel einen „Übergriff auf das kanonische Gebiet der RPZ“. Die Russen unter ihrem Moskauer Patriarchen Kyrill laufen Sturm gegen die Entscheidung Konstantinopels vom vergangenen Donnerstag, die ukrainischen Orthodoxen des Kiewer Patriarchats als eigenständige Kirche anzuerkennen. Sie hatten sich schon 1992, nach dem Zerfall der Sowjetunion, von der ukrainischen orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats abgespaltet, Moskau betrachtet sie seitdem als Sektierer. Um Glaubensfragen geht es bei dem Konflikt zwischen Moskau und Istanbul nicht. Die RPZ verweist auf eine Entscheidung Konstantinopels aus dem Jahr 1686, die den Kiewer Metropoliten unter die kirchliche Hoheit des Moskauer Patriarchen gestellt hatte. Allerdings streiten sich jetzt die Kirchengeschichtler über den Anspruch der RPZ, damit sei die Ukraine territorial und endgültig in ihren kanonischen Besitz übergangen.

„Wir isolieren uns selbst“

Dahinter tobt purer Machtkampf: Während die anderen orthodoxen Landeskirchen das Patriarchat von Konstantinopel als ihre höchste ökumenische Instanz anerkennen, bestreitet die RPZ diese Vormachtstellung vehement: „Bei seiner Entscheidung, die Führer der Spaltung zu rechtfertigen und ihre Hierarchie zu ‚legalisieren‘, beruft sich die Heilige Synode der Kirche von Konstantinopel auf nicht existierende ‚kanonische Privilegien‘“, heißt es in der Minsker Erklärung. Die RPZ, mit 150 Millionen nomineller Gläubiger die größte orthodoxe Kirche der Welt, will Istanbul endgültig als das Rom des Ostens ablösen. Und das Moskauer Patriarchat hat alle anderen orthodoxen Kirchen zur Stellungnahme aufgerufen. Seine weißrussischen und ukrainischen Ableger stehen hinter ihm. Auch Kremlsprecher Dmitri Peskow äußerte die Hoffnung, dass die Weisheit siegt, und dass die Interessen der RPZ berücksichtigt werden. Beobachter schließen nicht aus, dass Russlands Staatsmacht die Versuche des Moskauer Patriarchats unterstützen wird, andere orthodoxe Kirchen, etwa die Serben, auf seine Seite zu bringen. „Es könnte diplomatische Bemühungen geben, über andere Patriarchen Druck auf Konstantinopel auszuüben“, sagt der kritische orthodoxe Theologe und Erzdiakon Andrei Kurajew der FR. Aber niemand werde wie Russland Konstantinopel alle kirchliche Gemeinsamkeiten kündigen.

Der Moskauer Patriarch Kyrill sei mit seiner Entscheidung förmlich aus dem Hochhausfenster gesprungen, das mache keine andere Kirche nach. „Sie beten weiter gemeinsam mit Konstantinopel, nach unserer Logik sind dann auch sie Sektierer, unsere Feinde, wir isolieren uns selbst.“

Andere russische Geistliche aber befürchten jetzt, dass die orthodoxen Gemeinden des Moskauer Patriarchats in der Ukraine verstärkt unter Druck geraten. Die Ukrainer dagegen feiern die Rückgewinnung ihrer religiösen Eigenständigkeit. „Die RPZ war schon zu Sowjetzeiten völlig unter staatlicher Kontrolle, damals waren viele Priester KGB-Spitzel, jetzt werden sie vom FSB befehligt“, sagt der Kiewer Politologe Oleksandr Solontai. Aber der ukrainische Staat werde alle Gläubigen schützen, die es vorziehen, weiter Kirchen des Moskauer Patriarchats zu besuchen. Der Krieg gegen die von Russland unterstützten Rebellen in der Ostukraine seit 2014 brachte viele Rechtgläubige gegen Russland auf. Nach verschiedenen Angaben wechselten allein 2015 und 2016 40 bis 70 Gemeinden zum Kiewer Patriarchat.

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