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Organspende Ärzte verordnen sich Transparenz

Auch die Krankenkassen und die Krankenhäuser wollen die Eigenkontrolle bei Organspende verbessern. Doch Patientenschützer zeigen sich enttäuscht über das Ergebnis des Krisentreffens.

Vertretern von Ärzten, Kassen und Krankenhäusern luden zum Organspende-Krisengipfel. Patientenvertreter sind enttäuscht. Foto: dapd/Adam Berry

Schärfere Kontrollen, die Offenlegung von bislang geheimen Prüfberichten und die Einführung des Mehraugenprinzips sollen Manipulationen bei der Vergabe von Spenderorganen künftig erschweren. „Wir haben uns darauf verständigt, dass wir künftig mehr Transparenz für nötig halten“, sagte Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery am Donnerstag nach einem Krisentreffen mit Vertretern von Krankenkassen und Kliniken in Berlin.

Das Vier-Augen-Prinzip bei der Anmeldung von Wartelistenpatienten in den Transplantationszentren könne bereits im Herbst in den Richtlinien zur Organtransplantation verankert werden, sagte er. Erwogen wird auch, Labormediziner prüfen zu lassen, ob die an Eurotransplant übermittelten Daten mit dem bisherigen Krankheitsverlauf übereinstimmen. In Regensburg und Göttingen hatte der zuständige Arzt Eurotransplant falsche Laborwerte angegeben und seine Patienten damit kränker gemacht. Dadurch rückten sie auf den Wartelisten nach oben.

Bei einem solchen schweren ärztlichen Fehlverhalten soll einem Arzt künftig die Approbation entzogen werden können, fordern Ärztekammer, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung. Das liegt aber in der Hoheit der Länder, die Ärztekammern können den Entzug nur empfehlen.

Drastische Sanktionen

Auch den Transplantationszentren drohen künftig bei Fehlverhalten drastische Sanktionen: Sie sollen geschlossen werden können. Sämtliche Vorhaben sind Grundlage für ein Spitzengespräch mit Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) am 27.August.

Montgomery will den umstrittenen Anstieg der Vergabe von minderwertigen Organen im Rahmen des beschleunigten Verfahrens kritisch analysieren lassen. Der Sonderfall dürfe nicht zum Regelfall werden. Er verteidigte das Verfahren, für das es medizinische und rechtliche Gründe gebe, aber ausdrücklich.

Die Ständige Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer hat nach Angaben ihres Vorsitzenden Hans Lilie seit 2000 insgesamt 119 Vorfälle bearbeitet, davon wurden 20 an Behörden gemeldet. „In der Regel waren das aber alles nur Verstöße gegen Richtlinien“, sagte Lilie. Ein Skandalfall wie in Göttingen sei nicht darunter gewesen.

Patientenschützer zeigten sich enttäuscht über das Ergebnis des Treffens. Damit werde es nicht gelingen, mehr Transparenz herzustellen, kritisierte der Geschäftsführende Vorstand der Deutschen Hospiz Stifung, Eugen Brysch. „Vier Augen sehen auch nicht mehr als zwei, wenn sie aus demselben Krankenhaus kommen“, erklärte er.

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