Lade Inhalte...

Organmangel in Deutschland Wer darf wann und wie spenden?

Deutschland hat immer weniger Spenderorgane. Ist damit die Zusammenarbeit im Eurotransplant-System bedroht?

Organspende
Im vergangenen Jahr konnten deutlich weniger Organe entnommen werden als noch 2008. Foto: dpa

Das Organspenderland Deutschland schwächelt bedrohlich: 2017 konnten nur noch 769 Verstorbenen Organe entnommen werden. Das sind fast 400 weniger als 2008 – macht eine Quote von nur noch neun Organspendern pro einer Million Einwohner. Aber wie funktioniert Organspende überhaupt?

Wer spenden darf: In Deutschland kann im Todesfall nur spenden, wer zu Lebzeiten seine Zustimmung zur Organentnahme erklärt hat oder dessen Angehörige das für ihn tun. Im Organspendeausweis kann man die Spendebereitschaft allgemein erklären oder auf bestimmte Organe und Gewebespenden beschränken. Man sollte ihn immer bei sich tragen, da die Eintragungen nirgends erfasst werden. Transplantierbar sind Niere, Leber, Herz, Lunge, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm sowie viele Gewebearten: Augenhornhaut, Weichteilgewebe, Haut, Herzklappen, Blutgefäße.

Grundsätzlich gibt es keine Altersgrenze für Organspenden. Bei Kindern entscheiden die Eltern; bei alten Menschen ihr Gesundheitszustand und die Verfassung der Organe. Bei schweren Krankheiten wie akutem Krebs oder positivem HIV-Befund werden keine Organe entnommen. Eurotransplant (ET) hat auch ein spezielles Programm, in dem Organe Älterer bevorzugt an ältere Empfänger verteilt werden.

Lebendspenden sind in Deutschland bei Niere und Leber erlaubt. Entgegen den Experten-Erwartungen vor einigen Jahren sind die Zahlen leicht rückläufig. Über Gründe wird gerätselt.

Patientenverfügungen: Nicht selten kommt es vor, dass jemand sein Ja zur Spende erklärt hat, aber auch eine Patientenverfügung ausgefüllt hat, die lebensverlängernde Maßnahmen im Sterbeprozess ausschließt. Damit solche Widersprüche seltener werden, haben Bundesärztekammer und Kirchen einen Textvorschlag für Verfügungen gemacht: „Grundsätzlich bin ich zur Spende meiner Organe/Gewebe bereit. Es ist mir bewusst, dass Organe nur nach Feststellung des unumkehrbaren Ausfalls der Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms bei aufrechterhaltenem Kreislauf entnommen werden können. Deshalb gestatte ich ausnahmsweise für den Fall, dass bei mir eine Organspende medizinisch in Frage kommt, die kurzfristige (Stunden bis höchstens wenige Tage umfassende) Durchführung intensivmedizinischer Maßnahmen zur Bestimmung des Todes nach den Richtlinien der Bundesärztekammer und zur anschließenden Entnahme der Organe.“

Hirntod: Bedingung für eine Organentnahme ist, dass zwei Fachärzte unabhängig voneinander den Hirntod eines Spendewilligen festgestellt haben, also den unumkehrbaren Ausfall aller Hirnfunktionen. Diese Todesart ist viel seltener als der Herztod, der Ausfall des Herz-Kreislauf-Systems, der meist dem Hirntod vorausgeht. Viele Staaten Europas lassen deshalb auch den Herztod als Kriterium bei Organspenden zu.

Eurotransplant: Deutschland organisiert die Organverteilung im Eurotransplant-Verbund gemeinsam mit Belgien, Luxemburg, den Niederlanden, Österreich, Slowenien, Kroatien und Ungarn. Eine gemeinsame Warteliste und ein gemeinsames Spender-Meldesystem soll allen dienen: Je größer der Pool potenzieller Spender (136 Millionen Menschen leben im ET-Gebiet), desto größer die Chance, für Kranke ein passendes Organ zu finden. Doch jetzt droht eine Schieflage: Deutschland hat zu wenig Spender und braucht mehr Organe aus dem Ausland als es abgibt. Kann das so noch funktionieren? Droht uns der Rauswurf?

Noch nicht. Denn aus Deutschland kommt mit gut 2800 noch fast die Hälfte der 6600 im ET-Gebiet transplantierten Organe. Kleinere Staaten sind darauf angewiesen. Slowenien etwa, mit 2017 nur 39 Spendern: Braucht ein Patient dort, etwa bei akutem Leberversagen, ganz schnell ein für ihn passendes Organ, so hätte er kaum eine Überlebenschance, wenn er auf den kleinen Spenderpool seines Landes angewiesen wäre. Das gleiche gilt für Kranke, die seltene Blutgruppen und Gewebetypen haben.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum