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Oettinger und Petry Scheidung auf italienisch

EU-Kommissar Günther Oettinger würde sich eher erschießen, bevor er die Vorsitzende der AfD, Frauke Petry, heiratet. Scheinbar ist Oettinger zu alt für die modernen Lösungen von Beziehungskonflikten.

Günther Oettinger mag Frauke Petry nicht. Foto: REUTERS

EU-Kommissar Günther Oettinger soll auf einer Microsoft-Veranstaltung in Berlin erklärt haben: „Wenn die komische Petry meine Frau wäre, würde ich mich heute Nacht noch erschießen.“ Gemeint ist die AfD-Chefin Frauke Petry. Die Meldung des Deutschlandfunks stützt sich auf Twittermeldungen von Journalisten, die bei der Veranstaltung waren. Freilich kann einem niemand Näheres zu dem Zusammenhang sagen, in dem Oettingers Äußerung fiel. Im Netz gibt es große Aufregung darüber. Es handele sich dabei um eine Beleidigung von Frau Petry. Weil er in seinem Gedankenspiel davon ausgeht, dass sie irgendwann einmal seinen Heiratsantrag angenommen hat?

Paarung und Entpaarung

Ich finde einen anderen Punkt sehr viel interessanter: Oettinger ist geschieden. Er weiß also durchaus, wie man auch noch den verzweifeltsten Positionen im Ehekrieg entkommt. Offenbar hat er diesen Ausweg aber so sehr verdrängt, dass er ihm, als er auf Frau Petry zu sprechen kam, nicht einfiel. Dass der EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft nicht auf eine Twitterbotschaft, nicht einmal auf eine Mail kommt, lässt uns doch sehr daran zweifeln, dass er auf der Zivilisationsstufe angekommen ist, auf der sich heutzutage Paarung und Entpaarung abspielen. Es wäre deutlich cooler gewesen, er hätte die hypothetische Twittermeldung zitiert, mit der er sich von seiner hypothetischen Ehefrau Frauke Petry getrennt hätte. Zum Beispiel: „Liebe Frauke, schreibe mir in Zukunft bitte über meinen Anwalt Dr. Filbinger. Ich habe die Scheidung eingereicht.“

So macht man das heute. Aber der im Oktober 1953 in Stuttgart geborene Oetinger lebt noch im vorigen Jahrhundert. Wenn es zu einem Konflikt kommt, dann will er Blut sehen. Die politische Korrektheit verlangt den Verzicht auf das Blut des Gegners. Darum muss es das eigene sein. Oder geht es um etwas viel Prinzipielleres? Um schwäbischen Pietismus, der lieber sich selbst umbringt als den Feind? Es gibt allerdings auch Kenner der Welt der großen Politik, die mutmaßen, Oettinger haben an jenem Abend zu viel Trollinger zu sich genommen. Wie 1991, als der Politiker wegen Fahrens mit 1,4 Promille Alkohol im Blut seinen Führerschein abgeben musste.

Oettinger ist zu alt für die modernen Lösungen von Beziehungskonflikten. Er greift zur Schusswaffe. Hypothetisch. Ich weiß nicht, ob Oettinger eine Waffe hat oder auch nur einen Waffenschein: Hat er beides nicht, dann bekommen wir eine Ahnung davon, welchen Gewaltfantasien er anhängt, wenn es um politische Gegner geht. Je nachdem, wie lange die Pause zwischen „noch“ und „erschießen“ ist, verändert der Satz seinen Sinn. Wenn die Pause sehr lange ist, dann steht das „erschießen“ gewissermaßen für sich. Er hat es dann aus dem grammatischen Zusammenhang gelöst. Dann geht es nur noch ums erschießen. Dass er sich erschießen möchte, ist dann nichts als eine Verbeugung vor dem inzwischen erreichten Stand der Zivilisation. Während dass es ums erschießen geht, lustvoll an sehr viel frühere Scheidungsmethoden erinnert.

1961 kam ein italienischer Spielfilm heraus mit dem schönen Titel „Scheidung auf italienisch“. In Italien wurde damals heftig um die Einführung der Möglichkeit der Ehescheidung gestritten. Die kam erst zehn Jahre später. Der Film zeigte einen Marcello Mastroianni, der nur eine Möglichkeit sah, sich von seiner Frau zu trennen: ihre Ermordung. Also seien wir nicht ungerecht. Im Vergleich zu Günther Oettinger, der es herrlich weit geschafft hat in der Weiterentwicklung unserer abendländischen Werte, ist Marcello Mastroianni ein Gorilla.

Anm.der Redaktion: Das Thema scheint uns inzwischen ausdiskutiert, deshalb haben wir die Leserkommentare geschlossen.

 

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