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Ökumene Papst äußert sich zum Kommunionstreit

Die Zulassung nicht-katholischer Ehepartner zur Kommunion soll von Bischöfen individuell entschieden werden.

Papst Franziskus
Franziskus hat sich aus dem Flugzeug zu Wort gemeldet. Foto: kna

Ups, er hat es wieder getan! In einer seiner berühmt-berüchtigten Flug-Pressekonferenzen hat Papst Franziskus diesmal die Linie gezogen, an der entlang die deutschen Bischöfe ihren Kommunionstreit lösen können. Die Handreichung, die evangelischen Ehepartnern die Teilnahme an der Kommunion ermöglichen soll, bezeichnete Franziskus auf der Rückreise von seinem Besuch beim Weltkirchenrat in Genf als inhaltlich „gut gemacht“.

Damit stärkt er die Mehrheit der Bischöfe, die hinter dem Dokument stehen, sich aber von einer Siebenergruppe unter Führung des Kölner Kardinals Rainer Woelki nicht zuletzt in ihrer theologischen Kompetenz infrage gestellt sahen. Die Minderheit hatte sich mit ihren Bedenken gegen die Handreichung an Rom gewandt und dort nach einigem Hin und Her – der Papst spricht von „klärenden Gesprächen“ – durch den Chef der Glaubenskongregation, den designierten Kardinal Luis Ladaria, Recht bekommen. Die geplante Handreichung sei nicht veröffentlichungsfähig, schrieb Ladaria dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx.

Der intervenierte sofort in Rom – und scheint das Ohr des Papstes erreicht zu haben. Denn nun betont Franziskus, das Dokument der Deutschen sei vom Charakter „restriktiver“ als das Kirchenrecht und jedenfalls keine Öffnung der Kommunion für alle – was die Minderheit als schleichende Folge der Handreichung befürchtet.

Diskussion in Berlin erwartet

Als entscheidend charakterisiert der Papst die Regelungskompetenz des einzelnen Bischofs, die er über eine Zuständigkeit der Bischofskonferenz stellt. „Wenn eine Bischofskonferenz etwas approbiert“, so Franziskus, „wird es sofort universal. Und das ist die Schwierigkeit in der Diskussion, nicht so sehr der Inhalt.“ Damit könne nun, so der Papst weiter, jeder Bischof in seinem Bistum „regeln, was das Kirchenrecht schon jetzt erlaubt“ und nicht-katholische Ehepartner ausnahmsweise zur Kommunion zulassen. „Ich glaube, es wird ein Dokument zur Orientierung geben.“ Leider habe es zuvor in den richtigen Momenten nicht die richtigen Informationen gegeben. Das könnte ein Hinweis auf die zuletzt intensive, aber unkoordinierte Lobbyarbeit von Befürwortern und Gegnern der Handreichung in Rom sein.

Schon Anfang der Woche bietet sich den 27 Ortsbischöfen nun Gelegenheit, im Sinne des Papstes ans Werk zu gehen: In Berlin treffen sie zu ihrem Ständigen Rat zusammen. Glaubt man einem der Teilnehmer, wurde schon seit Tagen so intensiv wie selten telefoniert, um einen Ausweg aus der verfahrenen Lage zu finden, in der sich die Kardinäle Marx und Woelki als Antipoden gegenüberstehen, auch wenn beide von einem Zweierkonflikt nichts wissen wollen.

Manche Hierarchen sprechen überdies von einem Kommunikationsdesaster auch für den Papst. Denn die Blockade der Handreichung hat seine Sympathiebekundungen für dezentrale Entscheidungen und regionale Problemlösungen infrage gestellt.

Verwirrende Botschaften

Nicht zuletzt deshalb reagiert der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller verwundert auf die fliegenden Botschaften des Papstes. Sie seien „vieldeutig und teilweise kryptisch“, sagte er der FR. Dass jeder Beschluss einer Bischofskonferenz „sofort universal“ werde, sei nicht nur kirchenrechtlich falsch, sondern widerspreche der Intention des Papstes, Kompetenzen auf die nationale Ebene zu verlagern. „Aber offensichtlich will Franziskus den Streit der deutschen Bischöfe dadurch befrieden, dass er es jetzt eben jeden so machen lässt, wie er will. Inhaltlich bleibt da für die liberaler Gesinnten viel Spielraum, denen der Papst ja attestiert, sie hätten ihre Sache ‚gut gemacht‘.“

Käme es nun tatsächlich zu Einzelfalllösungen von Bistum zu Bistum, entstünde in Deutschland nach Schüllers Einschätzung „ein pastoraler Flickenteppich – eine absurde Situation, weil die ökumenische Ausgangslage mit den gemischt-konfessionellen Ehen doch überall sehr ähnlich ist“. Dass der Papst und seine Behörden für solch ein Ergebnis einen derartigen „Scherbenhaufen angerichtet“ hätten, darüber könne er nur den Kopf schütteln.

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