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Öffentlich-rechtlicher Rundfunk Journalisten von ARD und ZDF wehren sich

Journalisten von ARD, ZDF und Deutschlandradio setzen sich gegen Dauerkritik einiger Printmedien an den öffentlich-rechtlichen Sendern zur Wehr.

03.11.2017 06:31
ZDF
Journalisten von ARD und ZDF haben sich mit einem Offenen Brief gegen Vorwürfe gewehrt. Foto: epd-bild/Kristina Schaefer

„Wir fühlen uns diskreditiert, wenn Sie uns als Staatsfunk bezeichnen und uns damit unterstellen, dass wir uns politisch steuern lassen“, heißt es in der veröffentlichten „Frankfurter Erklärung“ der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Redakteursausschüsse. Das sei „komplett abwegig“. Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) wies den Vorwurf, dass Rundfunkjournalisten von den Zeitungen „diskriminiert“ würden, zurück.

„Wir fragen uns, warum Sie mit solchen Äußerungen unsere Arbeit verunglimpfen und sich damit selbst in die Nähe von Rechtspopulisten stellen“, so die Journalisten von ARD, ZDF und Deutschlandradio. Es gebe eine „seit Monaten laufende Kampagne“ einiger Zeitungen und Zeitschriften. Damit bedienten die Printmedien ein Klima, das Journalisten der öffentlich-rechtlichen Medien an den Pranger stellen solle.

„Können Sie uns mal erklären, warum wir als verantwortungsvolle JournalistInnen in diesen Zeiten nicht zusammenhalten gegen Fake News und populistische Parolen?“, so die Unterzeichner. Weiter fragen sie, wer denn die Brücken bauen solle zwischen auseinanderfallenden Teilen der Gesellschaft, wenn nicht die Journalisten in Presse und Rundfunk. Mit der Kampagne werde auch der Journalismus insgesamt beschädigt.

Döpfner spricht von Missverständnis

BDZV-Präsident Mathias Döpfner erklärte am Donnerstag in Berlin, es handle sich um ein „Missverständnis“. Immer wieder betonten die Verleger öffentlich, welch wichtige Rolle das öffentlich-rechtliche Fernsehen für den Qualitätsjournalismus in Deutschland spiele, wie sehr sie das duale System bejahten und wie groß der Respekt vor den Leistungen der Journalisten von ARD und ZDF sei, schrieb er in einem Offenen Brief an die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Redakteursausschüsse.

Die Zeitungsverlage leisteten aber ebenso einen wichtigen Beitrag zur journalistischen Vielfalt und Qualität. Für sie sei es unverzichtbar, neben Werbeerlösen auch Erlöse aus digitalen Abonnements zu erzielen. Wenn aber kein erfolgreiches digitales Geschäftsmodell etabliert werden könne, wäre bei weiter rückläufigem Printgeschäft ein Verlagssterben die Folge. „Wenn dann irgendwann quasi nur noch öffentlich-rechtliche Online-Zeitungsangebote zur Verfügung stünden, dann und nur dann würde eine Art 'Staatspresse' entstehen, ein Monopol, das von zentral erhobenen Gebühren lebte und unter der Aufsicht von Politikern aller Parteien stünde“, erklärte Döpfner.

„Dieses Konjunktiv-Szenario als Vorwurf misszuverstehen, die Journalisten der ARD seien 'Staatspresse', ist böswillig. Gemeint war es so nie“, versicherte der BDZV-Präsident und Vorstandschef des Hauses Springer. Er bot an, den Dialog mit den Autoren der „Frankfurter Erklärung“ persönlich und öffentlich fortzusetzen.

Döpfner hatte auf dem jüngsten BZDV-Jahreskongress von einer „gebührenfinanzierten Staats-Presse“ gesprochen, die den Verlagen das Leben schwermache. Damit hatte er sich auf die digitalen Auftritte der Sender bezogen. Auch Autoren der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ schreiben über „staatlichen Rundfunk“. Von „Staatsfernsehen“ und „Staatsfunk“ sprechen zudem Vertreter der AfD, um auf eine angebliche Nähe der Öffentlich-Rechtlichen zur Regierungspolitik hinzuweisen.

Pörksen sieht ideologische Grabenkämpfe

Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen beklagte unterdessen einen „Polarisierungsschub“ in der Mediendebatte. Die Diskussionen über ARD und ZDF sowie den Journalismus würden zunehmend zu „ideologischen Grabenkämpfen und zum Spielfeld für populistische Forderungen“, schrieb Pörksen in einem Beitrag für „Die Zeit“ (online). Dies sei nicht nur am äußerst rechten oder linken Rand, sondern in der Mitte der Gesellschaft zu beobachten. Als Indiz die Ausbreitung „pauschaler Medienskepsis“ und einen „Stimmungswandel in Richtung des großen Verdachts“ bezeichnete der Tübinger Professor für Medienwissenschaft, dass Schmähvokabeln wie „Staatsfunk“ inzwischen auch von Journalisten verwendet würden. (epd)

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