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Odenwaldschule Missbrauchsopfer müssen warten

Die Odenwaldschule tut sich schwer mit der Entschädigung von Ex-Schülern. Aber noch im Laufe diese Jahres soll es Hilfen für 50 Ehemalige in Höhe von 100.000 Euro geben.

Spielender Schüler auf dem OSO-Gelände in Südhessen. Foto: ddp

Die versprochene Entschädigung der Missbrauchsopfer des Reform-Internats Odenwaldschule (OSO) in Heppenheim läuft nur sehr zäh an. Der Vorstand der Schule kündigte am Montag an, es werde „noch im Laufe dieses Jahres“ Hilfen für die betroffenen rund 50 Ex-Schüler geben. Man denke an mindestens 100.000 Euro, die einem jüngst von Missbrauchsopfern gegründeten Verein zur Verfügung gestellt werden sollen. „Da wird konkret etwas passieren“, versprach der Vorstandsvorsitzende, der Rechtsanwalt Michael Frenzel aus dem osthessischen Langenselbold, der Frankfurter Rundschau.

Der Opferanwalt Thorsten Kahl hatte die Schule zuvor heftig kritisiert: „Es hat sich trotz der Ankündigungen nichts getan“, sagte er der Rundschau. Dies sei „absolut respektlos gegenüber den Opfern“. Ein Brief an Frenzel sei vier Wochen lang nicht beantwortet worden, monierte Kahl.

Verein „Glasbrechen“


Darin kritisierte der Anwalt, der nach eigenen Angaben sieben Opfer vertritt: An Geldknappheit könne die Verzögerung bei der Entschädigung nicht liegen, „da ja immerhin Gelder für die Renovierung der Schule zur Verfügung stehen“. Der Schulvorstand hatte bereits im Juli die Einrichtung eines Entschädigungsfonds angekündigt. Anfang September hatten Ex-Schüler in Frankfurt den Verein „Glasbrechen“ gegründet, der für die Betroffenen einen materiellen Ausgleich und auch immaterielle Unterstützung organisieren soll. Auch zu Vorkehrungen gegen weitere sexuelle Übergriffe wollen die ehemaligen Schüler nach eigenen Angaben Vorschläge erarbeiten.

Frenzel sagte, „Glasbrechen“ werde künftig der Ansprechpartner für die OSO sein. Die Opfer sollten selbst entscheiden können, wie die Geldmittel am besten zu verwenden seien. Die Summe solle aber auf jeden Fall sechsstellig sein. Als Geldquellen hofft der Vorstand auf Spenden von anderen Altschülern. Aber auch die OSO selbst müsse etwas dazu tun. „Das wird der Schule wehtun“, sagte Frenzel, sei aber unumgänglich. Das Internat müsse seinen guten Ruf wiederherstellen.

Noch ungeklärte Fälle


Am Montag besuchte die frühere Bundesfamilienministerin Rita Süssmuth (CDU) die OSO. Sie unterstützt die Schule bei der Neuorientierung und brach eine Lanze für das pädagogische Konzept des Internats, wo die Schüler unterschiedliche Abschlüsse und parallel eine Berufsausbildung machen können. „Wir brauchen mehr OSO in unseren Regelschulen“, sagte sie. Die von der Schule nun betriebene Aufklärung bewertet sie positiv. Sie wolle aber auch dafür arbeiten, dass die OSO „wieder eine Chance bekommt“ und „den Ruf, den sie verdient“.

Der OSO-Skandal kam im März durch Berichte der Rundschau neu an die Öffentlichkeit, nachdem die Aufarbeitung der bereits Ende der 1990er Jahre bekanntgewordenen Vorfälle verschleppt worden war. Inzwischen hat die Odenwaldschule einen neuen Vorstand. In dem Internat waren zwischen den 60er und Anfang der 90er Jahre mehr als 50 Kinder von Lehrern missbraucht worden. Es gibt offenbar noch weitere ungeklärte Fälle, die nun aufgearbeitet werden. Im Mittelpunkt des Skandals stand der inzwischen verstorbene Ex-Schulleiter Gerold Becker. Er allein soll 17 Jungen missbraucht haben.

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