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Odenwaldschule Missbrauchsopfer klagen an

Die Odenwaldschule vertagt die Entschädigung nach sexueller Gewalt auf unbestimmte Zeit. Seit einem Jahr warten die Betroffenen auf die Zahlungen. Sie sind empört und fühlen sich düpiert.

21.02.2011 19:31
Jörg Schindler
Die Opfer des Missbrauchsskandals an der Odenwaldschule sind enttäuscht. Foto: dapd

Die einstige Vorzeigeschule der Reformpädagogik, an der bis in die 1990er Jahre mutmaßlich mehrere hundert Kinder von etlichen Lehrern missbraucht wurden, hatte im Dezember angekündigt, spätestens Ende Februar einen ersten Entschädigungsbetrag auszuzahlen.

Am Wochenende beschloss der Trägerverein der hessischen Schule jedoch nur, eine „Stiftung zugunsten von Betroffenen des sexuellen Missbrauchs“ mit „bis zu 100000 Euro“ zu finanzieren. Weitere 50000 Euro will der Altschülerverein zuschießen. Auf Anfrage der Frankfurter Rundschau bestätigte die Schule, dass damit noch keine Entscheidung über eine Entschädigungssumme gefallen sei. Dies werde „mittelfristig“ geschehen. Den Opfern selbst gab der Trägerverein in einer schriftlichen Erklärung eine Mitschuld an der Verzögerung: Diese hätten zuletzt durch „ungerechtfertigte Anwürfe und Anfeindungen“ eine Lösung erheblich erschwert.

„Betroffenen-Verdummung“

„Das ist unglaublich“, sagte ein Betroffener der FR. „Die signalisieren uns damit: Ihr seid lästig, ihr stört uns nur.“ Opfer-Anwalt Thorsten Kahl nannte die OSO-Erklärung „Betroffenen-Verdummung“. Seit einem Jahr würden die Opfer von der Schule ignoriert und vertröstet. Offenbar gehe es der ums Überleben kämpfenden Schule vor allem darum, „die Landkreise milde zu stimmen, damit sie wieder Kinder auf die OSO schicken“. Über die Jugendhilfe hatten früher mehrere Kreise Kinder an die Schule überwiesen und das Schulgeld übernommen.

Der Vorsitzende des Betroffenen-Vereins „Glasbrechen“, Adrian Koerfer, warf der Schule Arroganz und Schönfärberei vor und ließ offen, ob er am 4. März einer Gesprächseinladung folgen werde. „Wenn die Schule weiter derartig heiße Luft bläst, ist die große Frage, ob wir noch mir ihr kooperieren können.“

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