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NSU Terror Neonazis NSU-Terroristen spendeten an Neonazi-Blatt

Die Terrorgruppe NSU spendete Geld an ein Neonazi-Blatt. Obwohl der Verfassungsschutz von dem Geldfluss wusste, wurde die Spur zu den Absendern nicht weiter verfolgt.

20.06.2012 19:46
Von Andreas Förster

Die mutmaßliche Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) hat in der Vergangenheit Gesinnungsgenossen finanziell unterstützt. Ermittler hatten das schon länger vermutet, jetzt ist aber ein erstes Dokument aufgetaucht, das diese Annahme stützt. Das Papier stammt vom Verfassungsschutz – und blamiert den Geheimdienst einmal mehr, weil er die Brisanz dieser Information offenbar jahrelang nicht erkannte. Das Dokument, das der FR vorliegt, ist ein Quellenbericht des Schweriner Landesamtes für Verfassungsschutz (LfV) vom 9. April 2002.

Ein V-Mann des Dienstes berichtet darin von Skinhead-Konzerten in Nordostdeutschland und Publikationen, die in der rechtsextremen Szene kursieren. In einem Absatz des Berichts heißt es: „Bei der Zeitschrift ’Weißer Wolf’ aus Neustrelitz soll eine anonyme Spende in Höhe von 2500 Euro eingegangen sein. Dieser Spende sei ein Brief gefolgt mit sinngemäß folgendem Wortlaut: ’Macht weiter so, das Geld ist bei Euch gut aufgehoben!’“

"Vielen Dank an den NSU"

Tatsächlich tauchte in der wenig später erschienenen Neonazi-Postille „Der Weiße Wolf“, die damals überwiegend in der rechten Szene in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg kursierte, auf der Seite 2 eine Notiz für den Spender auf: „Vielen Dank an den NSU, es hat Früchte getragen. Der Kampf geht weiter ...“, heißt es dort.

Die kurze Dankesnotiz hatte das linke Pressearchiv Apabiz vor drei Monaten öffentlich gemacht. Sie gilt als die erste bekannte öffentliche Erwähnung des NSU. Dass aber tatsächlich Geld geflossen ist, war bis jetzt nicht bekannt.

Mecklenburgs Innenminister Lorenz Caffier (CDU) musste vor drei Monaten einräumen, dass sein LfV zwar die Publikation archiviert, der Dankesnotiz an den NSU aber keine große Bedeutung beigemessen hatte. Vor dem Hintergrund des jetzt aufgetauchten Quellenberichts wird das Versagen der Verfassungsschützer aber noch deutlicher: Obwohl dem Geheimdienst schon frühzeitig die Geldspende bekannt war, gingen die Beamten nicht der Spur zum Absender nach, die sie zum NSU geführt hätte.

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