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NS-Gedenktag „Auschwitz darf sich nicht wiederholen“

Bundespolitik diskutiert Konzepte zur Bekämpfung von Antisemitismus.

Opfer des Nationalsozialismus
Thüringen erinnert an Opfer des Nationalsozialismus. Foto: dpa

Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz, allein dort hatten die Nationalsozialisten mehr als eine Million Menschen ermordet. An diesem Samstag wird auf der ganzen Welt der Toten des Holocaust gedacht, auch in Deutschland ist der 27. Januar  seit 1996 ein Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Das Gedenken wird überschattet von der Sorge um eine neue Welle von Antisemitismus. „In einer Zeit, in der antisemitische und antiisraelische Hetze in den Sozialen Medien, auf der Straße und in rechtspopulistischen Parteien zunehmen, ist die Aufklärung über den Nationalsozialismus nötiger denn je“, sagt die Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU).

Nach den jüngsten Ausschreitungen bei Demonstrationen wird auch intensiv diskutiert, wie Antisemitismus besser bekämpft werden kann. Der Bundestag beschloss in der vergangenen Woche in einem gemeinsamen Antrag von Union, SPD, FDP und den Grünen unter anderem, das Amt eines Antisemitismusbeauftragten zu schaffen.  Auch die Frage, ob Besuche in KZ-Gedenkstätten für Schüler verpflichtend sein sollen, sorgt für Debatten – die Berliner SPD-Politikerin und Staatssekretärin Sawsan Chebli hatte gefordert, dass jeder in Deutschland Lebende mindestens einmal in seinem Leben eine solche Gedenkstätte besuchen müsse, gerade auch muslimische Zuwanderer. Derzeit ist das nur in den Lehrplänen in Bayern und Sachsen vorgeschrieben.

„Jede Schule sollte den Besuch einer Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus in ihr Programm aufnehmen, dies sollte auch Teil der Lehrpläne der Bundesländer sein“, glaubt auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese. „Das muss eine Selbstverständlichkeit in einem guten Geschichtsunterricht sein“, sagte sie dieser Zeitung. Die Historikerin rät aber von einem „Zwang“ oder einer „Pflicht“ ab, weil man so das Bewusstsein junger Menschen nicht erreichen könne. Griese fordert vielmehr mehr finanzielle Förderung für außerschulische Träger, Gedenkstätten und die Jugendarbeit. Da Deutschland längst eine Einwanderungsgesellschaft sei und viele Schülerinnen und Schüler muslimischen Glaubens seien, stehe die Geschichtsdidaktik vor besonderen Aufgaben. „Jeder, der hier lebt, muss sich mit der Geschichte unseres Landes beschäftigen“, so Griese weiter.

Auch die Linken-Innenexpertin Ulla Jelpke würde es begrüßen, wenn in den Lehrplänen der Besuch in einer KZ-Gedenkstätte vorgesehen wäre. Die Bundestagsabgeordnete hält es aber für kontraproduktiv, speziell muslimische Zuwanderer „ins Visier zu nehmen“. „Damit reproduziert man ja geradezu vorhandene Ressentiments“, so Jelpke gegenüber dieser Zeitung. „Jeder der hier lebt, sollte wissen, welche Geschichte dieses Land hat. Das geht natürlich nicht per polizeilicher Pflicht – keiner kann wollen, dass jemand von der Polizei in eine KZ-Gedenkstätte verfrachtet wird.“ Für sie gehe es vielmehr darum, im gesellschaftliche und politischen Leben immer wieder Signale zu setzen: „Besucht Gedenkstätten, setzt Euch mit dieser Vergangenheit auseinander, es ist wichtig!“

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