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NS-Entschädigungszahlungen Millionenbetrug aus deutschem Holocaust-Fonds

In den USA ist ein Fonds für Holocaust-Opfer selbst zum Opfer geworden. Über Jahre hinweg wurden offenbar Tausende Entschädigungsanträge gefälscht. Die Staatsanwaltschaft geht von einem über 42 Millionen Dollar Schaden aus. Das Geld stammt aus Fonds der Bundesregierung.

Angebliche Holocaust-Opfer sollen durch «gefälschte Ausweise, getürkte Behörden-Unterlagen und gute Kenntnisse des Holocausts» die Entschädigungen erschlichen haben (Archivbild- und Symbolbild).

Über einen Zeitraum von fast zehn Jahren haben Mitarbeiter einer Organisation für Entschädigungszahlungen Gelder für Opfer des NS-Regimes veruntreut. Insgesamt seien rund 42,5 Millionen Dollar veruntreut worden, teilte die Staatsanwalt des zuständigen Bezirksgerichts am Dienstag in New York mit.

Gegen 17 Personen wurde Anklage erhoben. Sie hatten über Jahre hinweg Gelder an Personen ausgezahlt, die sich nicht für das Programm qualifizierten. Dazu hatten die angeklagten Mitarbeiter unter anderem die Lebensläufe der Bewerber gefälscht. So hatten auch Personen Gelder aus dem Fonds erhalten, die erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges geboren wurden oder nicht jüdischer Abstammung waren. Im Gegenzug hatten die Mitarbeiter einen Teil der Zahlungen selbst behalten. Insgesamt handelt es sich um Betrug in mindestens 5.615 Fällen. Einige der Vorfälle gehen bis ins Jahr 1993 zurück.

Unter den Angeklagten sind auch sechs direkte Angestellte der Conference on Jewish Material Claims Against Germany sowie andere Personen, die im Auftrag der Mitarbeiter Dokumente gefälscht hatten. Die Claims Conference war für die Verteilung der Gelder an Holocaust-Überlebende in den USA zuständig.

"Wenn es einen Ort gibt, von dem man annehmen sollte, dass er frei von Gier und Betrug sei, dann die Claims Conference", sagte Preet Bharara, der zuständige Bezirksstaatsanwalt. "Leider ist der Opfer-Fonds offensichtlich selbst zum Opfer geworden." Die Gelder stammten aus zwei Fonds, die die Bundesregierung 1951 eingerichtet hatte, um Opfer des Holocaust finanziell zu unterstützen.

Mitarbeiter der Organisation hatten die Betrugsfälle im Dezember 2009 zum ersten Mal bemerkt und die Behörden informiert. Den Angeklagten drohen Freiheitsstrafen bis zu 20 Jahren und Geldstrafen bis zu 500.000 Dollar.

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