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NRW-Wahl Die FDP steckt im Dilemma

Die Liberalen können mit ihrem Ergebnis bei der NRW-Wahl mehr als zufrieden sein. Eine schwarz-gelbe Koalition ist in greifbare Nähe gerückt - aber will Parteichef Christian Lindner das überhaupt?

Christian Lindner
Christian Lindner hat die FDP wieder aus der Bedeutungslosigkeit herausgeholt. Foto: epa

So sehen Sieger aus. Christian Lindner trägt einen gepflegten Dreitagebart und einen perfekt geschnittenen Anzug, als er am Montag in Berlin vor die Hauptstadtpresse tritt, an den Schatten unter den Augen lässt sich die Anstrengung der letzten Wochen ablesen. Sie hat sich gelohnt. Lindner, die Botschaft ist klar, ist sehr zufrieden, er hat die Liberalen in Nordrhein-Westfalen in ungeahnte Höhen geführt. 12,6 Prozent holte die FDP am Sonntag mit ihm als Spitzenkandidaten, so viel wie nie zuvor. Das Unerwartbare ist damit in greifbare Nähe gerückt, eine schwarz-gelbe Koalition.

Aber will Lindner das? Schon am Wahlabend hat er Hoffnungen gedämpft, dass es gleichsam per Naturgesetz in Düsseldorf dazu kommen wird. Kühl wünschte er dem überraschend starken Wahlsieger Armin Laschet von der CDU eine gute Hand bei der Regierungsbildung. Viel mehr Herzlichkeit ist auch am nächsten Tag nicht zu spüren. „Das Ergebnis ist so gut, dass es jetzt nicht ganz leicht ist, mit ihm richtig umzugehen“, sagt Lindner und beschreibt präzise das Dilemma, in dem seine Partei nun steckt.

Christian Lindner, seit 2013 Parteichef der Liberalen, beherrscht viele Rollen, er gilt als eines der größten Talente im deutschen Politikbetrieb. Und er hat sich sehr viel vorgenommen, er will, er muss die FDP aus der Krise führen, muss sie profilieren. Es wäre aber unklug, jetzt zu viel Lust an der Macht zu zeigen. Nur im Falle eines „echten Politikwechsels“ werde seine Partei in eine Koalition mit Laschets CDU eintreten, sagt Lindner; der habe ja schließlich auch Wahlkampf gegen die FPD gemacht. „Das zeigt, dass die FDP ganz eigenständig ist und dass die Wähler uns haben wollten, nicht irgendeinen Koalitionspartner.“

Selbstverständlich sei man aber bereit, Regierungsverantwortung in Nordrhein-Westfalen zu übernehmen. Lindner will sich alle Optionen offenhalten, auch für die neuen bunten Bündnisse, die Jamaika heißen oder Ampel. Vielleicht will da ja einer auch schlicht den Preis nach oben treiben.

Wie auch immer die Sache in Düsseldorf ausgeht, für Lindner ist das Ziel klar. Ja, er will sich erneut als Fraktionschef in Düsseldorf bewerben, und ja, er will mögliche Koalitionsverhandlungen maßgeblich mitführen. Aber er will die FDP im September auch zurück in den Bundestag bringen – und dann in Berlin bleiben, möglicherweise als Juniorpartner von Angela Merkel.

Christian Lindner sitzt also in vielen Funktionen hier in Berlin, ganz allein. Dabei ist unverkennbar, wie sehr er auch diesen Auftritt genießt, dass er von sich selbst spricht, wenn er die FDP in NRW als Tempomacher beschreibt. Man darf davon ausgehen, dass der Begriff bewusst gewählt ist; jahrzehntelang galt die FDP schließlich als Königsmacher der Bundespolitik. Es läuft gerade alles gut für den 38-Jährigen, vor einer Woche schnitt die FDP in Schleswig-Holstein so stark ab, dass sie auch in Kiel darauf hoffen darf, in der Regierung zu sitzen.

Als Tempomacher sieht Lindner sich auch im Bundestagswahlkampf. Die Schmach von  2013, als die FDP zum ersten Mal in der Nachkriegsgeschichte an der Fünfprozenthürde scheiterte, will er wiedergutmachen. Vier Jahre hat er Kärrnerarbeit geleistet, hat die FDP darauf eingeschworen, sich weniger besserwisserisch und optimistischer zu präsentieren. Jetzt kommt sie jung, smart, selbstbewusst daher, und Lindner ist die Personifizierung dieses Wandels. Sie trifft damit, davon ist er überzeugt, das Lebensgefühl vieler Menschen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Landtagswahl Nordrhein-Westfalen

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