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NRW-Wahl Aus der Enthaltung zur CDU

Die Union zieht vor allem Nichtwähler an und punktet mit Sachfragen. Junge Wähler entscheiden sich vor allem für die SPD.

Laschet und Merkel
Zwei im Glück: CDU-Spitzenkandidat Laschet holt sich am Montag das Lob von Bundeskanzlerin Merkel ab. Foto: dpa

Wäre allein die junge Bevölkerungsgruppe stimmberechtigt gewesen, hätte das Wahlergebnis vom Sonntag anders ausgesehen, vor allem: Die SPD hätte sich gegen die CDU behauptet. Denn die Erstwähler machten ihr Kreuz laut Infratest dimap mit 26 Prozent mehrheitlich bei der SPD und nur mit 22 Prozent bei der CDU.

Gerade mit Blick auf die Lehren für den Bundestagswahlkampf lohnt sich die Auswertung der Nachwahlbefragungen: Woran lag es genau, dass sich die Wähler mehrheitlich von der Regierung abwendeten? Welche Themen waren wahlentscheidend? Was gab CDU und FDP den starken Auftrieb? Wie sieht die Parteienwanderung aus? Erste Analysen von Infratest und der Forschergruppe Wahlen schlüsseln die Aspekte auf.

Die Wählerstruktur: Die Zusammensetzung der Wählerschaft nach Partei entspricht den Erwartungen: Ältere Bevölkerungsgruppen haben sich häufiger für die konservative CDU entschieden als jüngere. In der Altersgruppe 70 plus wurde die CDU mit 46 Prozent überproportional häufig gewählt.

Jedoch nahmen die Stimmenanteile der Union im Vergleich zur vorherigen Landtagswahl 2012 in allen Altersgruppen zu. Auch die SPD bekam die meisten Stimmen von älteren Wählern, wobei dies im Vergleich zur CDU deutlich weniger waren. Mehr Arbeiter haben ihr Kreuz bei der SPD gemacht als bei der CDU, und die FDP hat einen Großteil ihrer Stimmen von Selbstständigen bekommen.

Wahlentscheidende Themen: Auch wenn die SPD-Spitzenkandidatin und bisherige Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ein höheres Ansehen verbuchen konnte, trafen die Wähler die Entscheidung mehrheitlich in Bezug auf Sachfragen. CDU-Kandidat Armin Laschet stand bei der Beliebtheit sogar erst an dritter Stelle nach Kraft (SPD) und Christian Lindner (FDP). Doch bei den drängenden Themen Bildung, Verkehr, Flüchtlinge, Arbeitsmarkt oder Kriminalität trauen die Wähler der CDU mehr Kompetenz zu als der bislang regierenden SPD.

Mit der Schulpolitik stand bei der Wahlentscheidung für 29 Prozent der Wähler ein Landesthema deutlich an erster Stelle, allerdings gefolgt vom sorgenvollen Blick auf die instabile Weltlage sowie von der Sicherheitspolitik. Gerade bei diesen Themen waren die Wähler mit der Politik der bisherigen Landesregierung mehrheitlich nicht zufrieden. Zwar wurde beim Aspekt soziale Gerechtigkeit – mit dem auch Kanzlerkandidat Martin Schulz auf Bundesebene für die Sozialdemokraten Wahlkampf macht –, der SPD die höchste Kompetenz zugeschrieben, in allen anderen Sachfragen aber der CDU.

Wählerwanderung: Für die CDU entschieden sich auch die meisten ehemaligen Nichtwähler, insgesamt rund 430 000. Zwar gingen mit 170 000 Stimmen auch eine ganze Reihe ehemaliger Nichtwähler an die SPD. Zugleich wandten sich die meisten SPD-Anhänger, die nicht mehr sozialdemokatisch wählten, der CDU zu. Aber auch an FDP, Linke und die AfD verloren die Sozialdemokraten Stimmen. Die AfD bekam Zuspruch von Wählern aus dem gesamten Parteienspektrum, die meisten übergelaufenen Stimmen erhielt sie von „sonstigen“ Kleinparteien, gefolgt von Nichtwählern und dann der SPD. Am verheerendsten traf es bei der Wählerwanderung die Grünen. Netto liefen von keiner Partei mehrheitlich Wähler zu den Grünen über, die Verluste waren überall größer als die Gewinne.

Wahlbeteiligung: Wie schon bei den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und im Saarland stieg auch die Wahlbeteiligung in NRW im Vergleich zu den vergangenen Jahren. Mit rund 65 Prozent war sie so hoch wie seit mehr als 20 Jahren nicht mehr. Das lag zum großen Teil auch an ehemaligen Nichtwählern.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Landtagswahl Nordrhein-Westfalen

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