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Nowitschok Der Fall Skripal erscheint in neuem Licht

Neben dem deutschen BND sollen noch mindestens fünf andere westliche Staaten in den Besitz der Nervengift-Formel gelangt sein. Politiker sind schockiert.

Fall Skripal
Was hat es mit dem Giftanschlag auf Sergei Skripal auf sich? Foto: afp

Nach den jüngsten Enthüllungen über den Erwerb des Nervengifts Nowitschok durch den Bundesnachrichtendienst beurteilt der SPD-Innenpolitiker Burkhard Lischka den Fall Skripal neu. Das „erschüttert schon ein Stück weit die Argumentationskette, nur die Russen hätten einen derartigen Anschlag mit Nowitschok verüben können“, sagte der innenpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion der FR. „Insofern ist es sinnvoll, dass dieser Vorgang sorgfältig aufgeklärt wird – und nicht vorschnelle Vorverurteilungen stattfinden. Man sieht nämlich jetzt, wie man dann angesichts einer neuen Faktenlage in Erklärungsnöte gerät.“

Linksfraktionsvize André Hahn pflichtete dem bei: „Die Aussage der Bundesregierung, es gebe keine andere nachvollziehbare Erklärung, ist vom Tisch.“

Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz sagte: „Es wäre gut gewesen, wenn vorher kommuniziert worden wäre, dass westliche Nachrichtendienste über eine Probe und die entsprechende Formel verfügen.“ Er fügte allerdings hinzu, aus seiner Sicht ändere sich durch den jetzt bekannt gewordenen Umstand an der Sachlage nichts. „Der Tatverdacht, der im Raum steht, ist weitgehend schlüssig“, so von Notz. „Es gibt Plausibilitäten. Und diese Plausibilitäten weisen nach Russland.“

Ohne Beweise Moskau beschuldigt

Der in Russland entwickelte Kampfstoff Nowitschok wurde mutmaßlich im März benutzt, um in Salisbury den ehemaligen russisch-britischen Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter zu vergiften. Die Tat führte zu einer diplomatischen Krise zwischen Moskau und dem Westen. Ohne Beweise vorzulegen, hatte die britische Regierung Moskau für die Attacke verantwortlich gemacht. 15 EU-Staaten wiesen Diplomaten aus. Moskau hatte die Vorwürfe bestritten und Beweise eingefordert.

Nun berichteten „SZ“, NDR und WDR sowie „Die Zeit“, ein russischer Überläufer habe dem BND in den 1990er Jahren eine Probe des Stoffes beschafft. Diese sei dann in einem Labor in Schweden analysiert worden. Zwar sei ungewiss, was aus der Probe geworden sei, heißt es. Zweifelsfrei seien neben Deutschland indes noch mindestens fünf andere westliche Staaten in den Besitz der Formel gelangt. Das wiederum bedeutet, dass zumindest das Know-how über die Herstellung von Nowitschok seither weiter verbreitet ist, als bisher angenommen wurde. Somit könnte auch der Kreis der potenziell Tatverdächtigen im Fall Skripal größer sein.

Nach FR-Informationen soll die Angelegenheit in der nächsten Sitzung des Parlamentarischen Kontrollgremiums des Bundestags behandelt werden. Der BND schweigt bislang.

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