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Nordkorea Pjöngjang zu Gesprächen bereit

Es gibt eine Annäherung zwischen Nord- und Südkorea. Allerdings funkt US-Präsident Donald Trump dazwischen.

Neujahrsansprache von Kim Jong Un
Nordkorea kann nach den Worten von Machthaber Kim Jong Un die gesamten USA mit seinen Atomwaffen erreichen. Das sei keine bloße Drohung, sondern Realität, sagte Kim laut südkoreanischen Sendern in seiner Neujahrsansprache. Foto: dpa

Die verfeindeten Staaten auf der koreanischen Halbinsel haben angekündigt, ihre Gesprächskanäle wieder zu öffnen. Nordkorea hat bereits die einzige Telefonleitung über die Grenze wieder in Betrieb genommen, berichtet die Nachrichtenagentur Yonhap. Beamte beider Seiten haben das Telefon am Mittwochnachmittag getestet. Die Leitung war seit Ausbruch von Spannungen und Kriegsdrohungen zwei Jahre abgeschaltet gewesen. Machthaber Kim Jong-un hatte am Neujahrstag angeboten, über die Teilnahme einer Mannschaft seines Landes an den olympischen Winterspielen in Südkorea im Februar zu sprechen.

Die südkoreanische Regierung hat das Angebot von Gesprächen sofort angenommen und im Gegenzug einen Dialog auf hoher Regierungsebene vorgeschlagen. Präsident Moon Jae-jin war vor einem Jahr auch für das Versprechen einer Annäherungspolitik gewählt worden. Kim hatte ihm jedoch bisher dazu keine Chance gegeben – er hat stattdessen immer wieder Raketen und Atombomben testen lassen. Nun hofft Moon, dass die Koordination einer Olympia-Teilnahme die Tür für Abrüstungsverhandlungen öffnet. Zumindest vermindert die Existenz einer Telefonleitung die Gefahr eines versehentlichen Krieges.

Die amerikanische Regierung sieht das anders und mahnt Seoul, sich nicht von Kim blenden zu lassen. „Wir bezweifeln die Aufrichtigkeit des Gesprächsangebots“, sagte eine Sprecherin des US-Außenministeriums. Sie warnte Südkorea davor, von dem aus Washington vorgegebenen Konfrontationskurs auszuscheren. Präsident Donald Trump selbst twitterte erneut Macho-hafte Drohungen in Richtung Kims. Die USA werden weiterhin „maximalen Druck“ auf Nordkorea ausüben, sagte eine Sprecherin des Weißen Hauses. Die Botschafterin der USA bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, betonte, dass sich durch die versöhnlichen Töne aus Pjöngjang nichts geändert habe. „Wir sehen ein verantwortungsloses Regime, mit dem wir uns nicht hinsetzen und lächelnd ein Foto schießen.“

Charmeoffensive aus dem Norden

Der Norden jedoch unverdrossen die überraschende Charmeoffensive fort. „Wir hoffen sehr, dass die Winterspiele in Pyeonchang ein Erfolg werden“, sagte Ri Son-gwon, der Vorsitzende des Komitees für Wiedervereinigungsangelegenheiten des Nordens im Staatsfernsehen. „Wir werden mit Südkorea in ernsthafter und aufrichtiger Weise in Kontakt treten.“ Schon der Ton dieser Äußerungen ist bemerkenswert. Es ist bisher kaum vorgekommen, dass Vertreter des Nordens Südkorea überhaupt beim Namen genannt haben. Nun sagte Ri sogar, dass die Sportgespräche der erste Schritt für eine Verbesserung der innerkoreanischen Beziehungen sei.

In der militärischen Siedlung Panmunjeom an der Grenze zwischen den Koreas testeten Techniker zunächst das Telefon und dann auch das Fax, das an den einzigen Draht angeschlossen ist, der über die Grenze reicht. Das völlige Fehlen einer Kommunikationsleitung zwischen zwei Ländern ist im Zeitalter des allgegenwärtigen Austauschs von Nachrichten nur schwer vorstellbar – doch hier war es Realität. Viele Monate lang haben sich Kim und Trump durch Tweets und feurige Reden beharkt, ohne dass Diplomaten beider Seite eine Chance für Klarstellungen hatten.

In Panmunjeom gibt es auch Baracken mit schlichten Konferenzräumen, die immer wieder als Ort für Gespräche von Beamten beider Seiten gedient haben. Seit 2010 hat kein nordkoreanischer Führer mehr das Land zu persönlichen Gesprächen auf internationaler Ebene verlassen. Experten haben das Fehlen von Gesprächskanälen als mögliche Quelle von katastrophalen Missverständnissen ausgemacht. Was, wenn eine von Kims Testraketen versehentlich in Japan einschlägt? „Das Risiko eines irrtümlich ausgelösten Kriegs ist zuletzt deutlich gestiegen“, sagt Regionalexperte Narushige Michishita vom National Graduate Institute for Policy Studies (Grips) in Tokio. Es sei auf jeden Fall besser, wenn überhaupt Gespräche stattfinden, um die akuten Spannungen zu entschärfen. (mit afp)

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Nordkorea

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