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Nordkorea-Krise Der Kollaps der Diplomatie

US-Präsident Donald Trump droht Nordkorea offen mit Krieg. Die eigenen Diplomaten straft er mit Verachtung.

Donald Trump und Mike Pence
Diplomatie? Papperlapapp. Donald Trump, flankiert von Vize Mike Pence, braucht so etwas nicht. Foto: rtr

Gut ist die Stimmung im Washingtoner State Department schon lange nicht mehr. „Früher liebte ich meinen Job. Heute fühlt es sich an wie ein Krankenhausbesuch bei einem sterbenden Angehörigen“, zitierte das Magazin „The Atlantic“ vor ein paar Wochen einen Mitarbeiter des US-Außenministeriums.

Der sinkende Einfluss, die massiven Kürzungen und der eigenartige Führungsstil des öffentlichkeitsscheuen Ministers Rex Tillerson drücken den Diplomaten aufs Gemüt.

Nun aber hat Präsident Donald Trump seinen Auslandsexperten endgültig gezeigt, was er von ihnen hält. „Ich begrüße das wirklich sehr“, kommentierte er in seinem Urlaubsort Bedminster die Ausweisung zahlreicher Mitarbeiter der US-Botschaft in Moskau.

Diplomaten von Trump schikaniert 

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte als Revanche für neue Sanktionen gefordert, dass die Vertretung ihr Personal bis September um 755 Männer und Frauen reduzieren muss. Statt zu protestieren, sagte Trump nun: „Ich möchte ihm danken. Wir werden eine Menge Geld sparen.“

Erfahrene Mitarbeiter des Auswärtigen Dienstes trauten ihren Ohren nicht. „Das ist beschämend“, protestierte etwa Nicholas Burns, der unter George W. Bush als Außen-Staatsekretär arbeitete, gegen die „Respektlosigkeit, mit der Diplomaten vom Präsidenten behandelt werden“. Hinter vorgehaltener Hand wurden auch aktive Beamte deutlich. „Ungeheuerlich“ sei die Bemerkung, sagte einer von ihnen dem Magazin „Politico“. Ein anderer wetterte: „Ich habe keine druckfähigen Worte, um meine Reaktion zu beschreiben.“

Tatsächlich drückt Trumps Bemerkung seine ganze Verachtung für das Geschäft des wohlüberlegten Verhandelns aus. In der aktuellen Nordkorea-Krise sind die Diplomaten völlig an den Rand gedrückt. Trump schoss seine apokalyptische „Feuer-und-Wut“-Rede gerade zu dem Zeitpunkt ab, als UN-Botschafterin Nikki Haley mit einem einstimmigen Sanktionsbeschluss des Sicherheitsrats einen großen diplomatischen Erfolg errungen hatte und Außenminister Tillerson in Asien schwierige Gespräche über eine möglichst friedliche Eindämmung des Konflikts führte.

Bei einer kurzen Presseunterrichtung auf dem Heimflug wirkte Tillerson, als befände er sich im falschen Film. Ausdrücklich wiederholte er seine Einschätzung, dass vom nordkoreanischen Regime derzeit keine akute Bedrohung ausgehe, und erklärte: „Die Amerikaner sollten nachts gut schlafen.“

Am nächsten Tag musste sich der Außenminister von Sebastian Gorka, einem Berater von Trump, demütigen lassen: „Sie sollten auf den Präsidenten hören“, riet der Hardliner aus dem Weißen Haus einem Journalisten: „Es ist einfach unsinnig, dass Außenminister Tillerson militärische Fragen diskutiert.“

Zwar konterte Tillersons Sprecherin Heather Nauert beleidigt: „Er ist ein Kabinettsmitglied. Er ist der viertwichtigste Minister“ und setzte unter Anspielung auf eine auf Präsident Theodore Roosevelt zurückgehende Umschreibung für eine machtvolle Außenpolitik hinzu: „Er trägt einen großen Knüppel.“ Tatsächlich schrumpft der diplomatische Prügel aber gerade zu einem Stöckchen.

Im Etat-Entwurf von Präsident Trump muss das State Department mit seinen weltweit 70 000 Beschäftigten besonders stark bluten. Fünf der sieben Staatssekretärsposten im Washingtoner Bezirk Foggy Bottom sind derzeit verwaist. Rund um den Globus sind immer noch 60 Botschafterposten vakant – darunter die in Kanada, Deutschland und Südkorea. Trump hat es mit den Neubesetzungen offensichtlich nicht eilig.

Donald Trump twittert wieder

Unter diesen Umständen ist der diplomatische Apparat der USA nur noch bedingt geschäftsfähig. Das dürfte erst recht für die Botschaft in Moskau gelten, wo rund 1200 Menschen vom Gesandten bis zu mindestens 26 Geheimdienstleuten arbeiten. Nur gut ein Viertel der Angestellten sind Amerikaner, der Rest hat lokale Verträge.

Noch ist unklar, wie sich die 755 abzubauenden Stellen verteilen. Während die US-Abgesandten anderswo auf der Welt weiterbeschäftigt würden, könnte Trump die Ortskräfte tatsächlich mit einer Abfindung von der Gehaltsliste streichen.

Die damit verbundene demonstrative Missachtung der diplomatischen Arbeit stört den Präsidenten nicht. Er setzt ohnehin auf verbales Säbelrasseln statt diskreter Verhandlungen. Das zeigt sich extrem in der Nordkorea-Krise. Stolz behauptet man in Trumps Umfeld, dessen martialische Sprache werde vom Herrscher Kim Jong Un verstanden.

Entsprechend legte der Präsident am Freitagmorgen noch einmal nach. „Militärische Lösungen sind komplett vorbereitet und einsatzbereit sollte Nordkorea unklug handeln“, drohte er kurz nach dem Aufstehen per Twitter offen mit einem Militärschlag.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Nordkorea

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