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Nordkorea-Krise „Den Schlüssel zur Lösung hat China“

Politikwissenschaftlerin Alexandra Sakaki über die Rolle des Reichs der Mitte im USA-Nordkorea-Konflikt.

Nordkorea
An der koreanischen Grenze haben Menschen ihre Friedens- und Wiedervereinigungsbotschaften in bunten Bändchen an den Stacheldrahtzaun gehängt. Foto: afp

Frau Sakaki, wird sich die nordkoreanische Führung von dem kriegerischen Getöse Donald Trumps provozieren lassen, einen Militärschlag gegen die USA zu führen? Oder wirken die markigen Worte abschreckend?
Ich glaube, die nordkoreanische Führung ist sich sehr bewusst, dass ihr Land den USA militärisch im Grunde völlig unterlegen ist. Das Regime in Pjöngjang dürfte daher vor Provokationen zurückschrecken, die die USA zu einem militärischen Gegenschlag veranlassen würden. Trumps Getöse wird in Pjöngjang zur Kenntnis genommen. Die Abschreckungswirkung dürfte aber eher gering sein. Auch unter Trumps Vorgängern, die sich maßvoller geäußert haben, ist es schließlich immer wieder zu Provokationen gegen die USA und auch Südkorea gekommen.

Wer kann die Eskalation stoppen?
Den Schlüssel zur Lösung des Konflikts hat China in der Hand. Solange China die internationalen Sanktionen gegen Nordkorea nicht strikt umsetzt, kann sich Kim Jong-un noch in relativer Sicherheit wiegen.

Was hindert die Chinesen daran, die Sanktionen gegen Nordkorea so umzusetzen, dass es dem Regime weh tut?
China steht vor einem Dilemma. Peking ist einerseits ganz und gar nicht erfreut über die andauernden Provokationen aus Nordkorea, weil das die Stabilität auf der koreanischen Halbinsel und damit in der Region Ostasien in Gefahr bringt. Andererseits wollen die Chinesen aber auch einen Kollaps des nordkoreanischen Regimes verhindern. Deswegen schrecken sie weiter davor zurück, Sanktionen hart durchzusetzen. Wenn Kims Regime kollabiert, würden Südkorea und damit auch die USA womöglich ihren Einflussbereich bis an die Grenze Chinas ausdehnen. US-Truppen an der Grenze zu China – das ist nicht in chinesischem Interesse. Peking betrachtet Nordkorea als wichtigen Pufferstaat.

Spielt es eine Rolle, dass ein potenzieller Kollaps des Regimes in Pjöngjang wahrscheinlich große Flüchtlingsbewegungen in Richtung China auslösen könnte?
Das wäre sicher eine Entwicklung, die China auch mit großer Sorge verfolgen würde. In den vergangenen Jahren haben die Chinesen versucht, die Grenze zu Nordkorea möglichst gut abzusichern. An erster Stelle steht für Peking, die USA nicht allzu nah an sich heranrücken zu lassen.

Sehen Sie Chancen, dass Peking seine bislang zögerliche Haltung zur Umsetzung der UN-Sanktionen jetzt verändern wird?
Immerhin hat China vor einer Woche einen Sanktionsbeschluss des UN-Sicherheitsrates mitgetragen und sich nicht enthalten.

Reichen die jetzt beschlossenen Sanktionen aus, um die nuklearen Muskelspiele Nordkoreas zu beenden?
Wenn China und auch Russland mitmachen, dann würde das ziemlichen Druck auf das Regime in Nordkorea machen und vielleicht auch dessen Bereitschaft erhöhen, sich an den Verhandlungstisch zu setzen. Aber noch ist nicht klar, ob die Chinesen die Sanktionen umsetzen oder ob in China die Sorge vor einem Kollaps des Regimes in Nordkorea überwiegt.

Wie wahrscheinlich ist ein nuklearer Erstschlag Nordkoreas auf Guam?
Ich glaube fest daran, dass das nordkoreanische Regierung zumindest nach außen hin rational handelt. Es ist sich seiner militärischen Grenzen deutlich bewusst. Ich glaube deshalb nicht, dass es zu einem Angriff mit Atomwaffen kommen wird.

Aber die Gefahr eines konventionellen Krieges ist doch real?
Ich glaube, sowohl Nordkorea auf der einen Seite als auch Südkorea und die USA auf der anderen Seite sind sich bewusst, dass eine konventionelle Auseinandersetzung sich schnell zu einem unbeherrschbaren Konflikt mit Hunderttausenden von Toten auswachsen kann. Das ändert aber nichts daran, dass es immer wieder zu konventionellen Scharmützeln gekommen ist und wahrscheinlich auch wieder kommen wird. Ich will nur daran erinnern, dass die Nordkoreaner im Jahr 2010 eine südkoreanische Fregatte versenkt haben.

Verbal zumindest hat US-Präsident Trump den Eindruck erweckt, als sitze bei ihm der Colt locker. Ist das ein Problem?
Das erhöht die Unsicherheit zusätzlich, könnte aber dazu führen, dass auch China das Sanktionsregime mitträgt, wenn es den Eindruck hat, dass es die Amerikaner ernst meinen. Allerdings kann auch das Gegenteil eintreten.

Was kann die Bundesregierung tun, um den Konflikt einzudämmen?
Deutschland kommt sicher keine Schlüsselrolle zu. Sollte es aber zu Verhandlungen kommen, dann wäre Berlin ein guter Ort dafür. Deutschland hat aufgrund der guten Verbindungen der ehemaligen DDR zu Nordkorea immer noch eine Sonderstellung.

Das Interview führte Damir Fras.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Nordkorea

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