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Nordkorea-Gipfel Die Two-Men-Show von Trump und Kim

Sie schütteln Hände, gehen spazieren, bewundern Blumen: Donald Trump und Kim Jong Un inszenieren ihr Treffen als etwas Großes und sonnen sich in ihrem eigenen Glanz.

Trump und Kim
Im Garten des Capella Hotels in Singapur demonstrieren Trump (l.) und Kim ihre neue Harmonie. Was von dem Treffen bleibt, wird sich noch zeigen. Foto: rtr

US-Präsident Donald Trump interessierte sich plötzlich für die Blumenstauden im Garten des luxuriösen Capella Hotels auf der kleinen Insel Sentosa von Singapur. Kim Yong Un, der aus der Eigenisolierung in Nordkorea ausgebrochene Diktator, macht das Spiel mit und gerierte sich folgsam als Blumenfreund.

Interessiert inspizierte er die immergrünen Stauden im tropischen Garten der Anlage. Der gelassene Verdauungsspaziergang der beiden Männer, die sich vor einem halben Jahr noch mit unflätigen Schimpfnamen bedacht hatten, führte die beiden Männer nach dreistündigen Gesprächen und einem knapp einstündigen Arbeitsessen dann noch zum „Biest“. Trump erlaubte Kim einen kurzen Blick in das Innere des tonnenschweren, gepanzerten Dienstwagens, den er bei Ausflüge in den USA und im Ausland nutzt und dessen Ausstattung streng geheim gehalten wird.

Es war ein bemerkenswerter Wandel vom Beginn des ersten persönlichen Treffens zwischen einem US-Präsidenten und einem Staatschef aus Nordkorea – zwei Ländern, die sich seit 1953 theoretisch im Kriegszustand befinden. Kim wirkte angespannt, als er kurz nach neun Uhr morgens Ortszeit vor einer Phalanx aus rot-weiß-blauen Flaggen – farblich passen die Banner der USA und Nordkoreas blendend zueinander – dem Mann die Hand schüttelte, den er vor sechs Monaten noch als „senilen alten Kerl“ heruntergeputzt hatte.

Trump: „Wir werden ein bombiges Verhältnis haben“

Der an Schlafmangel leidende Trump – „Ich habe seit 25 Stunden nicht geschlafen“ – hob beim ersten verbalen Austausch etwas oberlehrerhaft den Zeigefinger. Immer wieder dirigierte der Mann aus Washington mit weit ausholendem Arm den zwei Köpfe kleineren Diktator aus Nordkorea durch die Hallen des Capella-Hotels. „Ich habe Kim als sehr talentierten Mann kennengelernt, der sein Land sehr liebt“, schwärmte Trump gegen Ende der Begegnung. Ganz so, wie die Atmosphäre sich verbessert hatte, bemühten sich Kim und Trump zum Schluss ihres historischen Treffens um den Eindruck, die Welt habe sich während des „epochalen Ereignisses“ – so der Text der gemeinsamen Erklärung – grundsätzlich geändert. „Die Welt wird ab sofort anders sein“, sagte Kim.

Bei der Begrüßung hatte er noch sehr viel abwartender agiert. „Der Weg, der uns an diesen Platz führte, war voller Hindernisse“, sagte der Diktator, als er sich mit ineinander verschränkten Händen und vorgebeugtem Oberkörper zu einem kurzen Fototermin auf die Vorderkante eines Sessels niederließ. Dann verblüffte er den US-Präsidenten mit dem überraschenden Satz: „Viele Leute werden jetzt glauben, sie würden in einem Science-Fiction-Film sitzen.“

„Wir werden ein bombiges Verhältnis haben“, antwortete der US-Präsident dennoch und faltete seine Hände zur Merkel-Raute. Trump schien sich förmlich an dem von ihm empfundenen außenpolitischen Erfolg zu berauschen. Er redete acht Minuten und antwortete anschließend 58 Minuten lang auf Fragen.

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