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Nordkorea Das Testament des Tyrannen

Nordkorea beruft den größten Parteikongress seit 30 Jahren ein. Der jüngste Sohn von Diktator Kim Jong Il wird dabei zum General ernannt und so in Stellung für die Machtübernahme gebracht.

Nationalversammlung in Pjöngjang im August. Foto: dpa

Angaben über Nordkorea sind immer ohne Gewähr. Auf jede richtige Meldung kommen mindestens zwei falsche, heißt es unter Experten. Doch die internationalen Beobachter glauben nun mal wieder einen Treffer gelandet zu haben: Diktator Kim Jong Il will seinen jüngsten Sohn Kim Jong Un zum Machterben küren, heißt es übereinstimmend. Diktator Kim Jong Il hat sich von der Arbeiterpartei am heutigen Dienstag - der größten Versammlung seit 30 Jahren - zwar noch einmal als Generalsekretär und damit als Machthaber bestätigen lassen. Doch er ernannte sowohl seinen Sohn Kim Jong Un als auch seine 64-jährige Schwester Kim Kyong Hui zu Generälen. Eine Nachfolgeregelung für den Tyrannen gilt als überfällig, und beim letzten vergleichbaren Parteikongress im Jahr 1980 war Kim Jong Il selbst von seinem Vater Kim Il Sung als künftiger Regent installiert worden.

Ursprünglich war das Parteikonklave für die erste Septemberhälfte angesetzt gewesen. Noch Ende August hatte Kim Jong Il den Termin gegenüber Chinas Präsident Hu Jintao bestätigt. Nordkoreas Parteipropaganda stimmte das Volk bereits auf ein bevorstehendes Großereignis ein – bis die Nordkoreaner den naheliegenden Termin, das 62. Gründungsjubiläum der Demokratischen Volksrepublik am 9. September, verstreichen ließen.

Über den Grund für die Verspätung gibt es diverse Spekulationen. Japanische Medien wollen erfahren haben, dass Parteichef Kim Jong Il zu krank gewesen sei, um der Tagung vorzusitzen. Der 68-Jährige soll im August 2008 einen Schlaganfall erlitten haben. Andere Quellen glauben, dass politische Grabenkämpfe die Einhaltung des Termins unmöglich gemacht hätten. Demnach soll Kims Schwester Kim Kyong Hui selbst Machtansprüche angemeldet haben. Sie hatte in der Vergangenheit hohe Parteiämter inne und galt bisher gemeinsam mit ihrem Mann Chang Song Taek als Vertraute des „Geliebten Führers“. Viele Beobachter gehen dennoch davon aus, dass Chang, der in der Nationalen Verteidigungskommission Kim Jong Ils Stellvertreter ist, dem jungen Kim als politischer Mentor dienen soll.

Die Terminverschiebung könnte auch praktische Gründe haben. So wurde Nordkorea Ende August von verheerenden Überschwemmungen heimgesucht, deren Bewältigung wochenlang die Kräfte der Verwaltung gebunden haben dürfte. Grundsätzliche Zweifel am Zweck des Parteikongresses brachte kürzlich Chinas Regierungschef Wen Jiabao auf, als er in einem Treffen mit dem ehemaligen US-Präsidenten Jimmy Carter sagte, bei den Nachfolgespekulationen handle es sich um „Gerüchte aus dem Westen“. Dies habe Kim Jong Il gegenüber engen Verbündeten in Peking erklärt. Dabei galt bisher die Annahme, Kims überraschende Chinareise Ende August habe die Absicht gehabt, Chinas Zustimmung zur Nachfolgeregelung einzuholen.

Bereits im Vorfeld des Kongresses wurde das Kabinett umgebildet. Der erste stellvertretende Außenminister Kang Sok Ju, 71, der Nordkoreas provokativen Kurs gegenüber dem Ausland maßgeblich gesteuert haben soll, wurde zum Stellvertretenden Ministerpräsidenten befördert, berichtete die offizielle Nachrichtenagentur KCNA. Kangs bisherigen Posten übernimmt Atom-Chefunterhändler Kim Kye Gwan. Gegenüber dem Ausland sendete Nordkorea weiterhin gemischte Signale. Einerseits bemüht sich Pjöngjang offenbar um eine Annäherung an Südkorea. So soll es in den kommenden Monaten wieder Zusammenführungen von Familien geben, die durch den Koreakrieg vor 60 Jahren getrennt wurden. Außerdem hat der Norden Seoul um Hilfslieferungen für Flutopfer gebeten, nachdem er sich zuvor trotz brenzliger Versorgungslage über ein Jahr lang geweigert hatte, südkoreanische Unterstützung anzunehmen.

Andererseits plant Nordkorea angeblich Maßnahmen, um den reibungslosen Ablauf des G20-Treffens im November in Seoul zu verhindern. Der US-amerikanische Sender Radio Free Asia berichtete unter Berufung auf nordkoreanische Flüchtlingsorganisationen, Pjöngjang sehe den Gipfel als Konferenz feindlicher Finanzmächte, die Nordkorea isolieren und unter Druck setzen wollten. Die USA und Südkorea wollen ihrerseits keinen Zweifel daran aufkommen lassen, dass sie sich von Pjöngjangs Drohungen nicht beeindrucken lassen. Am Montag begannen sie im Gelben Meer ein gemeinsames Seemanöver, an dem rund zehn Schiffe und 1700 Soldaten teilnehmen. Die Übungen sind eine Reaktion auf den Untergang der südkoreanischen Korvette „Cheonan“, die im März offenbar von einem nordkoreanischen Torpedo abgeschossen worden war.

Doch während das Ausland sich gegen die Attacken der Kims wehren kann, sind die Nordkoreaner ihnen schutzlos ausgeliefert. Darauf machte US-Präsident Barack Obama vergangene Woche in seiner Rede vor den Vereinten Nationen aufmerksam: Er warf dem nordkoreanischen Regime vor, sein Volk zu „versklaven“.

NordkoreaLandkarte von StepMap StepMap Nordkorea
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