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Nikolaus Meyer-Landrut Mehr als der Onkel von Lena

Er gilt als bestens vernetzt und war in den letzten 18 Jahren ununterbrochen mit EU-Themen beschäftigt: Nun soll Nikolaus Meyer-Landrut im Kanzleramt Angela Merkels erster Mann für Europa werden.

10.02.2011 09:37
Michael Bergius
Nikolaus Meyer-Landrut Foto: Europäischer Konvent

Lena ist ihm nie begegnet, er ihr auch nicht. Damit wäre schon die Frage beantwortet, die zwangsläufig aufkommt, wenn der Name Meyer-Landrut fällt. Sie steht seit ihrem Sensationssieg beim Euro-Grand-Prix im vergangenen Jahr im Rampenlicht, auch wenn die Quoten derzeit etwas mau ausfallen. Ihr Onkel zweiten Grades beschäftigt sich auch mit Europa; weniger schrill – dafür aber im Auftrag der Kanzlerin.

Nikolaus Meyer-Landrut wird eine weitere Karrierestufe nehmen und zu Angela Merkels erstem Mann für alles werden, was mit der Europäischen Union zu tun hat. Die Beförderung sei durch, heißt es in Berlin; irgendwann nach Ostern dürfte er offiziell zum Leiter der einflussreichen „Abteilung 5“ gekürt werden. Er beerbt seinen Noch-Chef Uwe Corsepius, der im Juni in Brüssel einen Top-Posten im EU-Ministerrat übernehmen wird.

Ein Blick auf die Vita des 50-Jährigen lässt zwei Rückschlüsse zu. Der unfreundliche: Merkel holt sich einen Fachidioten in ihr Kernteam. Der treffende: Die Regierungschefin des größten EU-Mitgliedslandes umgibt sich mit einem der Versiertesten in Sachen Europa, den sie bekommen kann.

Der promovierte Historiker hat sich die letzten 18 seiner insgesamt 23 Dienstjahre ununterbrochen mit EU-Themen beschäftigt. Nach seinem Eintritt ins Auswärtige Amt 1987 führte ihn die erste Station nach Wien zu den Abrüstungsverhandlungen. Seit 1993 weist seine Laufbahn nur noch Brüssel, Bonn, erneut Brüssel und dann Berlin aus: zweimal in der Ständigen Vertretung Deutschlands bei der EU, zwischendurch in der Zentrale. 2006 holte Merkel den Parteilosen ins Kanzleramt.

Sprecher von Valéry Giscard d’Estaing

Meyer-Landrut, der mit einer Französin verheiratet und nicht nur in Paris bestens vernetzt ist, hat die EU-Vertragsreform von Amsterdam 1997 mitgestaltet. Er war Sprecher von Valéry Giscard d’Estaing, als dieser 2002 den europäischen Verfassungskonvent leitete. Als Merkel im Jahr 2007 dafür gefeiert wurde, dass sie dem Reformabkommen von Lissabon zum Durchbruch verhalf, hatte sie dies nicht zuletzt ihrem Vertragsexperten zu verdanken.

Demnächst wird der Langstreckenläufer und Vater von vier erwachsenen Kindern für seine Chefin noch wichtiger werden und regelmäßiger ins Tagesgeschäft eingreifen: Euro-Rettung, Wirtschaftsregierung, Erweiterung, Agrarreform – die Liste ist lang.

Seinen Onkel kennt er. Schon Andreas Meyer-Landrut machte Karriere im Außenamt und brachte es bis zum Staatssekretär.

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