Lade Inhalte...

Nigeria Zahlreiche Mädchen in Nigeria vermisst

2. UpdateDie Polizei bestreitet eine Entführung. Die Terrorgruppe Boko Haram ist noch lange nicht besiegt.

21.02.2018 19:21
Nigeria
Im Konflikt mit Boko Haram haben mehr als zwei Millionen Menschen ihre Heimat verloren. Foto: imago

Nigerias Regierung hat zugesagt, den Überfall auf ein Mädcheninternat im Nordosten des Landes untersuchen lassen. Präsident Muhammadu Buhari habe den Verteidigungsminister aufgefordert, in die Kleinstadt Dapchi zu reisen, sagte ein Regierungssprecher am Donnerstag in der Hauptstadt Abuja. Dort soll unter anderem geklärt werden, ob und wie viele Schülerinnen von der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram entführt wurden. Politiker und Sicherheitskräfte äußerten sich widersprüchlich.

Zwei Tage nach dem Vorfall in Dapchi äußerten Väter gegenüber Journalisten, einige der Mädchen seien in einem Lastwagen weggebracht worden. Dagegen behauptete der Polizeikommissar des Bundesstaats Yobe, Abdulmaliki Sumonu, es habe keine Entführung gegeben. Er sprach aber davon, dass 111 Mädchen verschwunden seien.

Kurz darauf ließ Gouverneur Ibrahim Gaidam mitteilen, Soldaten hätten einige der Mädchen aus den Händen der Terroristen befreit. Unklar blieb, wie viele Schülerinnen noch vermisst wurden und ob sich einige möglicherweise noch im Umfeld der Schule versteckt hielten. Verschiedene Schätzungen am Donnerstagmittag lauteten auf 30 bis 100 Verschwundene.

Zahlreiche ähnliche Fälle

Die weiterführende Schule für Wissenschaft und Technik wird derzeit von 926 Mädchen besucht. Am Montagabend hatten bewaffnete Angreifer das Internat überfallen. Sie zogen erst nach Stunden ab. Vielen Schülerinnen und Lehrern gelang die Flucht. Die Tat erinnert an die Entführung von mehr als 270 Schülerinnen aus dem Ort Chibok im April 2014. Bis heute befinden sich bis zu 112 Opfer in den Händen der Islamisten. Es ist nicht klar, wie viele der mittlerweile jungen Frauen in der Geiselhaft gestorben sind. 2015 verlor Buharis Vorgänger Goodluck Jonathan bei einer Wahl sein Präsidentenamt auch deshalb, weil er nach der Entführung mehr als drei Wochen geschwiegen hatte.

Weltweite Aufmerksamkeit erhielt die Entführung in Chibok auch durch die Twitter-Kampagne #BringBackOurGirls um die Ex-Bildungsministerin Oby Ezekwesili. Ihr wurde mitunter vorgeworfen, sich ausschließlich für die Chibok-Mädchen zu interessieren. Die Aufklärung des Falls gilt auch als Gradmesser dafür, ob die Terrorgruppe besiegt werden kann. Tatsächlich gab es in den vergangenen Jahren zahlreiche weitere Entführungen mit Tausenden Opfern. Anfangs oft ignoriert, wurde das ganze Ausmaß erst ab dem Frühjahr 2015 deutlich, als es der Armee gelang, von den Terroristen besetzte Regionen zu befreien.

Mit dem neuerlichen Überfall wird nun aber etwas anderes deutlich: Die Terrorgruppe Boko Haram (Westliche Bildung ist Sünde) hat weiter genügend Unterstützung und Ausrüstung, um Anschläge zu verüben. Erst Ende vergangener Woche überfielen Islamisten im Städtchen Konduga im Bundesstaat Borno einen Fischmarkt, etwa 20 Menschen starben.
Über andere Überfälle auf Dörfer, bei denen oft Lebensmittel, Waffen, Munition und Fahrzeuge gestohlen werden, wird in den Medien längst nicht mehr berichtet. (kna/epd/dpa)

Zur Startseite

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen