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Nigeria Wenn der Präsident verschwindet

Nigerias Staatschef wird in einer Londoner Klinik behandelt ? den Bürgern schwant Böses. Von dem 74-jährigen Staatschef fehlt jede Spur.

Nigerias Präsident
Muhammadu Buhari (vorne in hellblau) im Dezember 2016 in Gambia. Foto: SEYLLOU (AFP)

Die Einwohner des bevölkerungsreichsten afrikanischen Staates Nigeria sehen sich einem Déjà-vu-Erlebnis ausgesetzt, nachdem ihr Präsident seit fast einem Monat nicht mehr nach Hause gekommen ist. Muhammadu Buhari begab sich am 19. Januar zur medizinischen Behandlung nach London, von wo er am 5. Februar zurückerwartet wurde. Doch fast 14 Tage später fehlt von dem 74-jährigen Staatschef noch immer jede Spur.

Die Menschen machen sich Sorgen

Jetzt machen sich die 180 Millionen Nigerianer Sorgen, dass ihren Präsidenten dasselbe Schicksal wie seinen Vorvorgänger Umaru Yar’Adua ereilen könnte. Der war im November 2009 mit einem Herzleiden in ein saudi-arabisches Krankenhaus geflogen worden und kehrte erst sechs Monate später wieder zurück. Nur um drei Tage nach seiner Heimkehr in der Hauptstadt Abuja zu sterben. Buhari sei putzmunter und zu Späßen aufgelegt, ließ sein Präsidentenamt wissen. Doch die Nigerianer haben ihr Vertrauen in offizielle Verlautbarungen längst verloren. Kein Wunder, denn auch über die genaue Erkrankung ihres Staatschefs erhielten sie keinerlei Angaben.

Sowohl das spurlose Verschwinden von Präsidenten wie ihr plötzlicher Tod im Amt haben in Afrika Tradition – zuletzt machte die Auszeit des malawischen Präsidenten Peter Mutharika Furore. Der war nach der Vollversammlung der UN im September vergangenen Jahres ebenfalls einen Monat lang in den USA verschollen. Als der 76-Jährige schließlich zurückkehrte, hing sein rechter Arm schlaff an seinem Körper herab: Seinen zur Begrüßung auf den Flughafen gekommenen Minister musste er die linke Hand schütteln. Alle Gerüchte über eine Erkrankung seien frei erfunden, gab der Staatschef indessen bekannt: Und überhaupt habe er „neun Leben“.

Auch die Malawier hatten mit dem Tod eines Präsidenten zuvor schon einschlägige Erfahrungen gemacht. Mutharikas Bruder, Bingu wa Mutharika, war im April 2012 an Herzversagen im Amt verstorben. Um Zeit für die Regelung seiner Nachfolge zu finden, war das Ableben des 78-Jährigen zunächst jedoch verheimlicht worden: Sein Leichnam wurde zu diesem Zweck im Flugzeug nach Johannesburg und wieder zurück verfrachtet. In den vergangenen neun Jahren starben nicht weniger als zehn afrikanische Staatschefs im Amt, was vor allem auf das fortgeschrittene Alter der Präsidenten und ihre lange Amtszeit zurückgeführt wird.

Obwohl der Kontinent mit einem Durchschnittsalter von 19,5 Jahren die jüngste Bevölkerung der Welt aufweist, sind seine „Big Men“ so alt wie nirgendwo anders. Die fünf ältesten Staatschefs des Kontinents haben zusammengenommen fast 400 Jahre auf dem Buckel – angeführt vom simbabwischen Methusalem Robert Mugabe, der in vier Tagen 93 Jahre alt wird.

Die Nigerianer trifft die endlose Krankheitspause ihres Präsidenten besonders hart, weil sich ihr Land derzeit in einer beispiellosen Wirtschaftskrise befindet. Zum ersten Mal seit einem Vierteljahrhundert rutschte der westafrikanische Erdölstaat im vergangenen Jahr in eine Rezession: Die Währung, der Naira, verlor mehr als die Hälfte ihres Werts, dafür schoss der Benzinpreis um 67 Prozent in die Höhe. Für die Krise wird zwar in erster Linie der niedrige Ölpreis verantwortlich gemacht. Doch der unentschlossene Kurs Buharis, der vor knapp zwei Jahren mit großen Erwartungen ins Amt gewählt worden war, hat weite Teile der Bevölkerung bitter enttäuscht. Neue Unruhen im erdölreichen Niger-Delta sorgten außerdem dafür, dass dem Staat im vergangenen Jahr Erdöleinnahmen in Höhe von 100 Milliarden US-Dollar verloren gingen.

Besonders trostlos sieht es im Nordosten Nigerias aus, wo die islamistische Boko-Haram-Sekte in den vergangenen Jahren ihr Unwesen trieb. Bei den Unruhen kamen 100 000 Menschen ums Leben, mehr als 2,1 Millionen mussten aus ihrer Heimat fliehen. Nach Angaben des Welternährungsprogramms sind fast zwei Millionen Nigerianer auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Von der einen Milliarde US-Dollar, die zur Unterstützung der Hungernden nötig seien, soll bislang erst wenig mehr als die Hälfte eingetroffen sein.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Nigeria

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