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Niedersächsischer Wahlsieger Stephan Weil wird wichtig in der SPD

Nach drei verlorenen Landtagswahlen und der historischen Niederlage im Bund haucht der niedersächsische Wahlsieger Stephan Weil den Sozialdemokraten ein neues Selbstwertgefühl ein. Sein Wort wird jetzt mehr gelten.

Stephan Weil
Gemeinsamer Auftritt: Parteivorsitzender Martin Schulz und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil. Foto: dpa

Er freue sich, sagt der niedersächsische Wahlsieger Stephan Weil, „dass wir ein ganz klein wenig gute Laune aus der norddeutschen Tiefebene hierher nach Berlin gebracht haben“. Mit denselben Worten habe er bereits im Jahr 2013 nach der Landtagswahl seinen Blumenstrauß im Willy-Brandt-Haus entgegengenommen. Weil, der in seiner Karriere mit norddeutschem Understatement bislang gut gefahren ist, will signalisieren: alles normal hier, ein Wahlsieg wie schon vor vier Jahren. Dabei ist diesmal natürlich alles anders. Weil hat für die SPD gegen den Bundestrend in zwei Monaten zwölf Prozentpunkte aufgeholt.

Nach drei verlorenen Landtagswahlen und der historischen Wahlniederlage im Bund haucht er damit den Sozialdemokraten ein neues Selbstwertgefühl ein. Sein Wort wird jetzt mehr gelten in der SPD. Viele horchen auf, als Weil sagt, die Niedersachsen-Wahl zeige, „wenn wir es richtigmachen, können wir auch gewinnen“. Weil wird hinterher auf Nachfrage sagen, das sei keine Spitze gegen den Kanzlerkandidaten Schulz gewesen.

Schulz darf das erste Mal als Parteichef einen Wahlsieger im Willy-Brandt-Haus begrüßen. Dabei wird er von Journalisten natürlich gefragt, was er von Weil lernen könne. Schulz sagt: „Wir haben es mit einer Landtagswahl zu tun gehabt, die unter spezifisch niedersächsischen Bedingungen zur Wiederwahl eines hoch erfolgreichen Ministerpräsidenten geführt hat.“

Der Parteichef betont, auch die Geschlossenheit der Bundes-SPD habe Weil bei seinem Wahlerfolg geholfen. Es klingt wie eine Bitte, sich doch weiterhin hinter ihm als Vorsitzendem zu versammeln. Schulz profitiert als Parteichef bislang davon, dass mögliche Konkurrenten den Machtkampf aus individuellen Gründen vermeiden. Andrea Nahles reicht erst mal der Fraktionsvorsitz. Manuela Schwesig kann problemlos zwei Jahre warten. Der Hamburger Olaf Scholz ist nach den G20-Ausschreitungen nicht in der stärksten Position.

Hat Schulz wirklich die Kreativität und Autorität für den Neuanfang in der SPD? Daran zweifeln einige. Doch es gibt niemanden, der laut rufen möchte: „Der Kaiser ist ja nackt.“

Es gehört zur eigenartigen Dramaturgie dieses Tages, dass Parteichef Schulz und Wahlsieger Weil nach ihrem gemeinsamen Auftritt am Morgen noch getrennte Pressekonferenzen in Berlin geben: Weil mittags in der Bundespressekonferenz und Schulz nachmittags im Willy-Brandt-Haus. Möchte Weil stellvertretender Parteivorsitzender werden? „Nein, das will ich nicht“, antwortet er erst. Auf Nachfrage hin stellt sich jedoch heraus, dass er in der Frage das Wort „stellvertretender“ überhört hat. Er wollte nur verneinen, er strebe an, Schulz als Parteichef abzulösen. Am Posten als Parteivize hat Weil aber offensichtlich Interesse.

Weil sagt, Schulz sei als Vorsitzender wichtig, um die Mitglieder emotional mitzunehmen. Gleichzeitig erklärt er: Gerechtigkeit – also das große Wahlkampfthema des Martin Schulz – sei von großer Bedeutung als Thema für die Partei. Die SPD müsse es aber „mit einem ausgeprägten Zukunftsprofil verbinden“.

Schulz wiederum wird nach der Vorstandssitzung auf seiner Pressekonferenz gefragt, ob er jetzt ein Parteivorsitzender sei, der von anderen an der Hand geführt werde. Er widerspricht: „Ich kann noch alleine gehen.“ Gleichzeitig verspricht er den Mitgliedern einen „neuen Stil“. Auf parteiinternen Dialogveranstaltungen will er mit ihnen über die Wahlniederlage diskutieren. Schulz kündigt an: „Ich komme nicht mit einem Zehn-Punkte-Plan um die Ecke, sondern ich höre unseren Mitgliedern erst mal zu.“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Landtagswahl Niedersachsen

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