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Nicht ausgelastet Jedes vierte Klinikbett steht leer

Den Krankenhäusern fehlen die Patienten - die Kassen fordern einen Wettbewerb um Qualität und Preis.

Bettenauslastung Foto: FR-Infografik

Nichts ist so teuer im deutschen Gesundheitssystem wie die Krankenhäuser. Mehr als 50 Milliarden Euro geben die Krankenkassen dafür jährlich aus, hinzu kommen noch einmal fast drei Milliarden Euro von den Bundesländern. Umso bedenklicher ist es, wenn die vorgehaltene Infrastruktur nicht ausgelastet wird. Doch genau so ist es: 22,5 Prozent der 503000 deutschen Krankenhausbetten standen im vergangenen Jahr leer, teilte gestern das Statistische Bundesamt mit. Damit wird jedes vierte Bett nicht genutzt.

Der hohe Leerstand liegt auf dem Niveau der vergangenen Jahre. Und das, obwohl die Zahl der stationär behandelten Patienten um 1,6 Prozent auf 17,8 Millionen gestiegen ist. Grund dafür ist, dass die durchschnittliche Verweildauer im Krankenhaus seit 1990 rückläufig ist. Dauerte ein Krankenhausaufenthalt damals im Durchschnitt noch 14,7 Tage, bleiben Patienten jetzt nur noch acht Tage. Damit werden die Betten schneller wieder frei. Und stehen dann leer. Den Krankenhäusern fehlen schlichtweg die Patienten.

Trotzdem ändert sich auch unter starkem finanziellen Druck kaum etwas am Angebot der Kliniken. So wurde zum Beispiel im Jahr 2003 in jedem Bundesland die Umstellung auf einheitliche Preise für Krankenhausleistungen begonnen. Der Prozess hat vielen Krankenhäusern laut Deutscher Krankenhausgesellschaft empfindliche finanzielle Einbußen beschert. Trotzdem hielten sie an medizinischen Leistungen fest, die sich für sie nicht rentierten. In anderen Wirtschaftsbereichen würden solche Anbieter aus dem Markt ausscheiden. Im Gesundheitswesen werden defizitäre Kliniken immer wieder von der Politik gerettet – weil es dem Wähler schlecht verkauft werden kann, wenn Abteilungen schließen.

So gehört zum Beispiel der Gelenkersatz bei Hüftarthrose zum Standardrepertoire fast aller Krankenhäuser in Deutschland. In den Städten des Ruhrgebiets finden sich innerhalb von zehn Minuten Fahrzeit immer mindestens drei bis sechs Kliniken, die diese Leistung anbieten. Manche Häuser führen pro Jahr weniger als ein Dutzend dieser Operationen durch, halten dafür aber den gesamten medizinischen Apparat vor. Bundesweit haben 2006 nur 16 Kliniken mehr als 600 dieser Operationen durchgeführt.

Mehr Wettbewerb gewünscht

Den Krankenkassen ist dies schon lange ein Dorn im Auge. „Auf lange Sicht wünschen wir uns ein Modell, bei dem die Krankenkassen die planbaren Leistungen der Krankenhäuser mitbestimmen, indem sie nur mit qualitativ geeigneten und bedarfsgerechten Krankenhäusern bilaterale Vereinbarungen treffen“, sagt der stellvertretende Barmer-GEK-Chef Rolf-Ulrich Schlenker. Das ist aus zwei Gründen sinnvoll: Zum einen besteht laut verschiedenen Studien eine positive Korrelation zwischen der Zahl der behandelten Fälle und der Qualität, zum anderen könnten günstigere Preise erzielt werden. „Wir brauchen definitiv mehr Wettbewerb in unserem Gesundheitssystem, auch in Krankenhäusern“, sagt auch eine Sprecherin des Krankenkassen-Spitzenverbandes. Für die Versicherten würde das bei planbaren Eingriffen eine längere Anreise bis zur entsprechenden Klinik bedeuten.

Die Krankenhäuser lehnen das ab. Die Krankenhausplanung sei Aufgabe des Staates, argumentieren sie. Stattdessen versuchen sie seit Jahren ihr Leistungsspektrum auszuweiten, um mehr Patienten anzulocken. An der Auslastung macht sich dies bislang nicht bemerkbar. Es wäre also richtig, die teure Infrastruktur zu reduzieren, auch wenn eine hohe Bettenauslastung von 95 Prozent oder mehr nie erreicht wird. Das wäre auch nicht wünschenswert. Die Häuser müssen schließlich groß genug sein, um die Bevölkerung auch bei Pandemien oder Katastrophen versorgen zu können.

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