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Neuer ÖDP-Chef Weltverbesserer und Hassfigur

Sebastian Frankenberger, Initiator des bayerischen Nichtraucherschutz-Volksbegehrens, ist jetzt Chef der der nach eigenen Angaben 6500 Mitglieder starken Partei ÖDP.

14.11.2010 19:07
Iris Hilberth
Sebastian Frankenberger aus Passau wurde am Samstag zum Bundesvorsitzenden der ÖDP gewählt. Foto: dpa

An der Tür einer Kneipe im Münchner Glockenbachviertel hängt das Foto eines jungen Mannes mit dunklen langen Haaren. „Ich muss draußen bleiben“ steht auf dem Plakat. Das Gesicht kennt inzwischen fast jeder, nicht nur in Bayern. Sebastian Frankenberger, der Typ von der ÖDP und seit Samstag auch Bundeschef seiner Partei, hatte im Sommer im Freistaat als Initiator des Nichtraucherschutz-Volksbegehrens das bundesweit strikteste Rauchverbot durchgesetzt.

Ein Selbstdarsteller und Weltverbesserer, der Bayern in Raucher und Nichtraucher gespalten hat. Der 29-Jährige quittiert solche Lokalverweise meist mit einem breiten Lächeln. In seiner Heimatstadt Passau hat Frankenberger bei fast allen Wirten Hausverbot.

Und das scheint noch vergleichsweise harmlos zu den Morddrohungen, die Frankenberger eine zeitlang nach dem erfolgreichen Volksentscheid erhielt. Und auch weniger nervig als die vielen unerwünschte Pakete, die wohl rachsüchtige Raucher ihm per Nachnahme zuschicken ließen, bisweilen 15 Stück am Tag, von Gesundheitsschuhen über Kuhdung bis hin zu Hanfpalmen.

Frankenberger, der einst sein Lehramtsstudium für Mathematik und Physik und später auch sein Theologiestudium abbrach, der sein Geld als Fremdenführer in barocken Kostümen in Passau, Linz und Salzburg sowie als Notfallseelsorger verdient, scheint trotz solcher Angriffe auf seine Person relativ gelassen zu bleiben. Er weiß, dass er umstritten ist, liebt es, zu polarisieren und hat Spaß daran, anzuecken. Denn er sagt: „Provokante Aktionen, die im Gedächtnis bleiben, gehören eben zu einem Politiker dazu.“ Seine politische Karriere begann er in der CSU, wechselte 2004 aber zur Rettung eines Naturschutzgebietes in die Ökologisch-Demokratische Partei. Für sie sitzt er im Passauer Stadtrat und war bis vor kurzem stellvertretender Geschäftsführer des Landesverbands und stellvertretender Leiter der Passauer Geschäftsstelle. Die beiden Ämter hat er aufgegeben, um für die Bundesvorsitz zu kandidieren. Freilich hätte das am Wochenende in Regensburg schief gehen können.

Aber anders als bei seinen nicht ganz ernst gemeinten Ambitionen auf den Oberbürgermeistersessel in Passau im Jahr 2020, die er mit seinem Autokennzeichen „PA-O 2020“ zum Ausdruck bringt, hatte er sich gute Chancen auf den Chefposten bei der ÖDP ausgerechnet.

„Ich habe mich natürlich auf den Sieg vorbereitet“, sagte er nach seiner Wahl, bei der er sich gegen die thüringische Landesvorsitzende Susann Mai und den bisherigen Vorstands-Beisitzer Helmut Knauer durchsetzte.

Als Vorsitzender der nach eigenen Angaben 6500 Mitglieder starken Partei will Frankenberger auch auf Bundesebene Volksentscheide einführen und den Sprung in den bayerischen Landtag schaffen. In Zukunft, so betonte er, wolle er möglichst „omnipräsent“ sein. In manchen Kneipenvierteln ist er das heute schon.

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