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Neuer Job als Vorstandschef Bilfinger baut auf Koch

Eine Überraschung ist das nicht mehr. Aber dafür ist es jetzt offiziell: Roland Koch geht zu Bilfinger Berger. Der Jurist wechselt damit die Seiten. Doch als die Nachricht bekannt wird, stürzt der Aktienkurs seines neuen Arbeitgebers rapide ab.

Der hessische Ex-Ministerpräsident Roland Koch wechselt 2011 zur Baufirma Bilfinger Berger. Foto: dpag

Ende August war es angeblich noch „Unfug“. Am Freitag stellte sich heraus, dass es stimmt: Roland Koch, 52, CDU-Politiker und ehemaliger Ministerpräsident von Hessen, wird Vorstandsvorsitzender des internationalen Baukonzerns Bilfinger Berger. Am 1. Juli 2011 tritt er die Nachfolge von Herbert Bodner an, der nach zwölf Jahren ausscheidet.

Kochs Vertrag läuft bis 2016. Er wird nach Angaben des Unternehmens etwa so viel verdienen wie der Vorgänger, der auf rund 1,5 Millionen Euro pro Jahr kam. Schon vier Monate, bevor er den Chefsessel erklimmt, wird Koch Mitglied des Unternehmens-Vorstands. Im Aufsichtsrat von Bilfinger Berger stimmten nach Angaben des Vorsitzenden Bernhard Walter am Freitag alle Mitglieder für Koch. Walter sagte, man habe Gespräche mit vielen Bewerbern geführt, aber Koch sei „der beste Kandidat“ gewesen. Auch Koch berichtete, dass er bis zuletzt noch mit anderen möglichen Arbeitgebern gesprochen habe.

Für beide Seiten ist es ein großer Schritt. Das Bau-Unternehmern hatte nach Walters Angaben in den vergangenen Jahren so gut wie alle Vorstandsposten an Leute aus dem eigenen Haus vergeben. Auch Kochs Vorgänger, der Bauingenieur Bodner, hatte vor seinem Sprung an die Spitze jahrelang bei Bilfinger gearbeitet.

Der Jurist Koch wechselt die Seiten nach einem Leben in der Politik: 23 Jahre saß er im Landtag, elfeinhalb Jahre war er Ministerpräsident. Sein letztes politisches Amt gibt er Mitte November beim CDU-Bundesparteitag ab. Dann tritt Koch nicht wieder als stellvertretender CDU-Vorsitzender an. Auch in seinem neuen Job wird er freilich in der breiten Öffentlichkeit stehen. In Köln baut Bilfinger und Berger die neue U-Bahn. Dabei stürzte das Kölner Stadtarchiv ein. Dabei waren 2009 zwei Menschen ums Leben gekommen. Die genauen Umstände sind noch nicht geklärt. Koch verteidigte seinen künftigen Arbeitgeber, der sich „mit großer Sensibilität“ mit diesem Thema befasst habe. Bodner war anfangs vorgeworfen worden, er betreibe die Aufklärung zu zögerlich.

Den Kontakt zwischen Koch und der Baufirma habe „ein gemeinsamer Bekannter“ hergestellt, berichteten die Beteiligten am Freitag, ohne dessen Namen zu nennen. Der Politiker weigerte sich nach eigenen Angaben jedoch, Gespräche aufzunehmen, solange er noch im Amt war. Als die Nachricht über Kochs angeblichen Wechsel zu Bilfinger Berger dann im August in der Bild-Zeitung stand, widersprachen beide Seiten. Tatsächlich, so erzählte Walter, habe man „das erste konkrete Gespräch“ erst am 18. September geführt.

Große Skepsis bei Opposition

Sechs Monate Wartezeit hat sich der CDU-Politiker selbst auferlegt, ehe er aus der Wiesbadener Staatskanzlei in die Mannheimer Konzernzentrale wechselt. Das halte er für angemessen und nicht jene drei Jahre, die von der Transparency International beim Wechsel von der Politik in die Wirtschaft gefordert werden. SPD, Grüne und Linke teilen die Position von Transparency. Sie verurteilten am Freitag Kochs raschen Seitenwechsel.

Der CDU-Politiker befand hingegen, es gebe in Deutschland „eher eine bedauernswert geringe Tendenz zum Wechsel zwischen Wirtschaft und Politik“. Darunter litten beide Seiten. Seinen Umstieg könne er jedenfalls „sehr gut verantworten“, zumal er als Ministerpräsident niemals Aufträge an Bilfinger Berger vergeben habe. Auch beim Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport, dessen Aufsichtsratschef Koch bis 2003 war, sei er nach seiner Erinnerung nie mit Aufträgen an das Bau-Unternehmen befasst gewesen.

Die hessische Opposition befürchtet hingegen die Verquickung von Interessen, weil sich Koch für den Ausbau des Frankfurter Flughafens eingesetzt hatte. Am Bau der neuen Landebahn ist Bilfinger Berger mit einem 80-Millionen-Euro-Auftrag beteiligt. Auf Anfrage der FR teilte die Landesregierung mit, dass der Konzern auch etliche andere Aufträge des Landes Hessen erhalten hat, so beim Bau des Justizzentrums in Wiesbaden oder bei Bauten für die Darmstädter Hochschule.

Mit mindestens genau so großer Skepsis beobachtet die Opposition in Wiesbaden die Karriere der früheren Sozial- und Umweltministerin Silke Lautenschläger (CDU), die gleichzeitig mit Koch aus dem Amt geschieden war. Sie geht zum Jahreswechsel in den Vorstand der Deutschen Krankenversicherung (DKV).

Koch bezieht, ehe er seine neue Tätigkeit aufnimmt, noch Übergangsgeld. Außerdem stellt ihm das Land ein Büro, einen Fahrer, eine Schreibkraft und einen Mitarbeiter. So werde er „angemessen unterstützt“, bekundete die neue Landesregierung jetzt in der Antwort auf eine Anfrage der Linken. In einigen Monaten wird Koch diese Unterstützung nicht mehr benötigen.

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