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Neonazis in den USA Hakenkreuze bleiben diesmal weg

Ein Jahr nach der Bluttat von Charlottesville planen US-amerikanische Rechtsextreme erneut einen Aufmarsch - diesmal vor das Weiße Haus. Ihr Ziel: „Die Rettung“ der weißen Rasse.

Cahrlottesville
Vor einem Jahr demonstrierten Neonazis an der Seite ultrarechter Trump-Unterstützer in Charlottesville. Foto: imago

Waffen sind dieses Mal unerwünscht. „Bringen Sie keine Gewehre, Pfefferspray und Messer mit“, mahnen die Organisatoren. Auch Hakenkreuz-Fahnen sollten zu Hause bleiben. Hingegen sind 1,20 Meter mal 1,20 Meter große Südstaaten-Flaggen erwünscht. „Seien Sie sich immer Ihrer Umgebung bewusst. Reden Sie nicht mit den Medien!“, heißt es im Demonstrations-Aufruf. Vor allem solle man Unterschlupf bei vertrauenswürdigen Freunden suchen: „Lassen Sie Fremde nicht wissen, wo Sie wohnen.“

Die Ankündigung des Protestmarsches „Vereinigt die Rechte!“ für nächsten Sonntag in der amerikanischen Hauptstadt Washington liest sich wie der Ratgeber für eine Expedition ins Feindesland. So kommt es den Vertretern der „weißen Bürgerrechtsbewegung“ offenbar auch vor. „Es geht uns nicht um Hass gegen irgendjemand“, behauptet Jason Kessler. Vielmehr wollten die Protestler ihre Unterstützung „für eine Rasse, die zur Minderheit wird“, zum Ausdruck bringen. Kessler gehörte zu den Organisatoren des gewalttätigen Neonazi-Aufmarsches im Universitätsstädtchen Charlottesville am 12. August 2017. Zum Jahrestag bereitet er nun ein spektakuläres Revival in direkter Nachbarschaft des Weißen Hauses vor.

Polizei erwog Sonderzüge

Rund 400 Teilnehmer hat Kessler für die Kundgebung im Lafayette Park angemeldet, der nördlich an den US-Regierungssitz grenzt. Wie viele Rechtsextreme, Neonazis und Ku-Klux-Klan-Anhänger tatsächlich kommen, weiß niemand. Doch die örtlichen Behörden haben den Marsch genehmigt, und die städtischen Verkehrsbetriebe erwogen sogar ernsthaft, die Teilnehmer aus Sicherheitsgründen in Sonderzügen der Metro zu transportieren. Erst nach einem Aufstand der Transportarbeitergewerkschaft gegen die „beispiellose Sonderbehandlung für eine Hass-Gruppe“ wurde der Plan fallengelassen. Um Krawalle zu verhindern, hat die Polizei eine Gegendemonstration nur mehrere Blocks entfernt genehmigt.

Dennoch ist die Stimmung angespannt. Vielen Amerikanern sind die Schock-Bilder von Charlottesville noch sehr präsent, wo ein schwer bewaffneter Mob mit einem Fackelmarsch samt antisemitischer Parolen stundenlang eine Stadt tyrannisierte und ein rechtsextremer Amokläufer mit seinem Auto eine 32-jährige Gegendemonstrantin tötete. Damals vermied Präsident Donald Trump eine klare Verurteilung der Neonazis, sprach von „Gewalt von vielen Seiten“ und erklärte schließlich, es habe „auf beiden Seiten sehr anständige Leute“ gegeben.

Aufhänger des rechten Protestes war damals die von der Stadt geplante Entfernung eines Denkmals für den Südstaaten-General Robert Lee gewesen, der einst an der Spitze des konföderierten Heeres für die Beibehaltung der Sklaverei kämpfte. Nach den blutigen Krawallen wurde die Reiterstatue zunächst mit einer Plane verhüllt. Wegen eines anhaltenden Rechtsstreits darf sie jedoch nicht abgebaut werden. Im Februar hat ein Gericht auch die Entfernung der Plane angeordnet.

Nicht nur das idyllische Universitätsstädtchen Charlottesville, das aus Furcht vor erneuten blutigen Auseinandersetzungen am nächsten Wochenende alle Parks und zentrale Teile der Innenstadt absperren will, ist seither tief gespalten. Der Riss geht durch die ganze amerikanische Gesellschaft. Zwar sind bekannte Vertreter der rechten Alt-Right-Bewegung zeitweise etwas abgetaucht, und die Bewegung wirkt zersplitterter als zuvor.

Zugleich gibt Trump rassistischen Ressentiments jedoch ständig neue Nahrung. So stellte er kurz vor dem Jahrestag bei Twitter die Intelligenz zweier Afro-Amerikaner – eines Basketball-Superstars und eines CNN-Moderators – offen infrage: „LeBron James wurde gerade vom dümmsten Mann im Fernsehen, Don Lemon, interviewt. Er ließ LeBron schlau aussehen, was nicht einfach ist“, pöbelte der Präsident.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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