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Nato-Generalsekretär Rasmussen in der Kritik Kommando Nervenprobe

Der 58-Jährige Däne muss mit dem Makel leben, dass er als Krisenmanager in einer entscheidenden Phase Nerven zeigte. Vor vier Monaten noch war er der Star der Nato.

Anders Fogh Rasmussen. Foto: REUTERS

Der Mann ist gut gebräunt und drahtig wie immer. Auch hier in London strahlt er und vermittelt Zuversicht. Dabei hat Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen aufreibende Tage und Nächte hinter sich. Einen Sitzungsmarathon, Nachtschichten, durchgearbeitete Wochenenden. Und einen Streit mit wichtigen Verbündeten, der durch gezielte Indiskretionen an die Öffentlichkeit gelangte. Das kostet Kraft. Und in diesem Fall auch ein Stück vom guten Ruf.

Seit fast zwei Wochen läuft die Militäraktion gegen die Gaddafi-Truppen in Libyen. Erst jetzt übernimmt das Bündnis das Kommando vollständig von der Allianz um Frankreich, Großbritannien und die USA. Der Generalsekretär spricht von einem „bedeutenden Schritt, der zeigt, dass die Nato entschlossen handeln kann“.

Notwendig dafür war ein politischer Kraftakt, dessen Ausmaß Rasmussen offenbar zunächst unterschätzte und bei dem er nicht immer eine glückliche Figur machte. Anfang März tönte der Däne, dass sich die Nato auf einen Einsatz in Libyen vorbereite. Als am 19. März die ersten Kampfflugzeuge der Koalition aufstiegen, war die Nato außen vor. Dann begann das Gezerre: Die Amerikaner wollten das Kommando schnellstmöglich auf das Bündnis übertragen. Franzosen, Türken und Deutsche bremsten aus unterschiedlichen Gründen.

Rasmussen gelang es zunächst nicht, die widerstreitenden Positionen zu versöhnen. Einmal vergriff er sich im Nordatlantik-Rat, dem politischen Entscheidungsgremium des Bündnisses, derart im Ton, dass der deutsche und der französische Botschafter den Saal verließen. So etwas kommt selten vor im Kreise der 28 Verbündeten.

Jetzt muss der 58-Jährige mit dem Makel leben, dass er als Krisenmanager in einer entscheidenden Phase Nerven zeigte. Vor vier Monaten noch war er der Star. Beim Nato-Gipfel in Lissabon wurde er gefeiert. Die Staats- und Regierungschefs der Nato verabschiedeten das neue strategische Konzept, das der Allianz Sinn und Richtung für die Zukunft geben soll. Von Rasmussens „Gesellenstück“ war die Rede, er selbst rief eine neue Ära für die Nato aus. Doch kaum kommt die erste große Krise, zeigt das Bündnis, dass es das Streiten nicht verlernt hat.

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