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Nahostkonflikt Israel bereitet sich auf einen Krieg vor

Premier Benjamin Netanjahu wirft dem Iran Angriffspläne vor: Das Land versuche, seine Kriegsmaschinerie auf syrisches Gebiet zu verlegen, um Israel anzugreifen.

Benjamin Netanjahu
Israels Premier hatte seine Verbündeten wiederholt darauf aufmerksam gemacht, dass der Iran in Syrien Stützpunkte für Raketen aufgebaut habe. Foto: dpa

Israel stellt sich auf eine militärische Auseinandersetzung mit dem Iran ein. Man habe Erkenntnisse, dass der Iran von Stützpunkten in Syrien aus Raketen Richtung Israel abschießen wolle, sagte Israels Premierminister Benjamin Netanjahu am Sonntag zu Beginn einer Kabinettssitzung in Jerusalem. Es gehe um eine „unmittelbare“ Gefahr.

Auch Yaakov Amidror, ehemaliger Sicherheitsberater Netanjahus, teilte am Montag mit, das Risiko eines Angriffs sei sehr hoch, die Vorbereitungen von iranischer Seite liefen auf Hochtouren und stünden kurz vor dem Abschluss. Der Iran versuche, seine Kriegsmaschinerie auf syrisches Gebiet zu verlegen, um Israel anzugreifen. Zu den Zielen zählten Stellungen der israelischen Armee im Norden des Landes. Das werde man nicht zulassen.

Juval Steinitz, Israels Umweltminister, griff den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad direkt an. Sollte Assad iranische Angriffe von Syrien aus zulassen, sei das sein „Ende“, sagte er der israelischen Nachrichtenwebsite ynet. Dann müsse Assad eliminiert werden.

Die Nachricht über einen möglichen Krieg kommt kurz vor der Entscheidung des US-Präsidenten Donald Trump über einen möglichen Ausstieg aus dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran. Trump kündigte die Entscheidung für Dienstag an. Womöglich will der israelische Regierungschef Netanjahu, der gegen die Verlängerung des Atomvertrags ist, Angst schüren vor dem Iran.

Erst vergangene Woche hatte er Dokumente präsentiert, die beweisen sollten, dass sich der Iran nicht an das Abkommen hält. Anders als die USA wollen die anderen Vertragsparteien an der Vereinbarung festhalten. Die Internationale Atomenergiebehörde hat wiederholt bestätigt, dass sich der Iran an das Abkommen hält.

Bereits seit Februar wird spekuliert, dass der Iran von Syrien aus Israel attackieren könnte. Alles begann mit einer Drohne, die der Iran am 10. Februar von einem Stützpunkt in Syrien aus nach Israel schickte und die von Israel zerstört wurde. Die Drohne sei mit Sprengstoff beladen gewesen, berichtete das israelische Militär und sprach von einem „Angriff auf israelisches Hoheitsgebiet“.

Der Journalist und Nahost-Experte Thomas L. Friedman zitierte in der „New York Times“ einen israelischen Ex-General mit den Worten: „Das war das erste Mal, dass der Iran versucht hat, Israel direkt anzugreifen. Damit hat eine neue Zeitrechnung begonnen.“

Am 9. April folgte ein Luftangriff Israels auf den syrischen Luftwaffenstützpunkt, von dem aus die Drohne gestartet war. Dabei wurden sieben Iraner getötet, darunter der Chef der Einheit. Teheran kündigte Vergeltung an: „Das zionistische Gebilde wird früher oder später unsere Antwort zu spüren bekommen und seine Verbrechen bereuen“, sagte ein Sprecher des iranischen Außenministeriums.

Nun könnte es so weit sein: Der Vergeltungsschlag des Iran stehe vor der Tür, verkündet das israelische Militär. In den Medien des Landes ist bereits vom „ersten Nordkrieg“ die Rede. Angst schwingt dabei nicht mit, eher die Hoffnung darauf, eine schnelle Auseinandersetzung werde einen schnellen Erfolg bringen. Der israelischen Bevölkerung wird versichert, sie brauche sich keine Sorgen zu machen. Das Militär habe Hinweise darauf, dass die Angriffe nur militärischen Zielen gelten würden, außerdem verfüge Israel über ein gutes Raketenabwehrsystem, das Alltagsleben sei nicht bedroht.

Israels Premier hatte seine Verbündeten wiederholt darauf aufmerksam gemacht, dass der Iran in Syrien Stützpunkte für Raketen aufgebaut habe. Er hatte zudem beklagt, dass iranische Kuds-Brigaden im Süden Syriens bis auf wenige Kilometer an die entmilitarisierte Zone Israels herangerückt seien – mit Zustimmung Russlands. Israel hatte einen Abstand von 40 Kilometern verlangt, Moskau war darauf nicht eingegangen. Das könnte sich jetzt ändern. Am kommenden Mittwoch will das israelische Militär weitere Erkenntnisse zum geplanten Angriff des Iran präsentieren. Am selben Tag wird Netanjahu den russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau besuchen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Israel

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