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Nahost-Konflikt Tod und Trauer

70 Jahre nach der Staatsgründung Israels kommt die Region nicht zur Ruhe. Die USA eröffnen ihre Botschaft in Jerusalem, Palästinenser protestieren mit Gewalt, die israelische Armee schlägt massiv zurück.

Relative of a Palestinian, who was killed during a protest at the Israel-Gaza border, mourns during his funeral in Khan Younis in the southern Gaza Strip
Palestinensische Frauen trauern im Gaza-Streifen an der Grenze Israel um einen getöteten Angehörigen. Foto: rtr

Für viele Israelis war es ein Grund zum Jubeln, für die Palästinenser eine ungeheure Provokation: Mit 800 Gästen ist am Montag die Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem groß gefeiert worden. „Israel ist eine souveräne Nation mit dem Recht, seine Hauptstadt selbst zu bestimmen“, sagte US-Präsident Donald Trump in einer Videobotschaft. „Wir haben in der Vergangenheit das Offensichtliche nicht anerkannt.“ Israels Premier Benjamin Netanjahu sprach von einem „glorreichen Tag“. Sein Land habe „keine besseren Freunde auf der Welt“ als die USA.

Zu „Tagen des Zorns“ hatten dagegen Palästinenserorganisationen aufgerufen – aus Anlass des Jahrestags der Staatsgründung Israels am 14. Mai 1948 und auch im Gedenken an Flucht und Vertreibung. Deshalb begehen sie an diesem Dienstag den sogenannten Nakba-Tag, den Tag der Katastrophe.

Dass es blutige Tage des Zorns werden sollten, wurde schon am Montagmorgen Stunden vor Beginn der Feierlichkeiten in Jerusalem deutlich. Zehntausende Palästinenser folgten dem Aufruf zu Protesten im Gazastreifen und im Westjordanland. Und sie lieferten sich gewaltsame Auseinandersetzungen mit der israelischen Armee.

So viele Tote wie seit dem Gazakrieg 2014 nicht mehr

Bis zum Abend wurden nach palästinensischen Angaben mehr als 50 Tote und etwa 2400 Verletzte gezählt. Es wurde befürchtet, dass die Zahlen noch steigen würden. Der palästinensische Gesundheitsminister Dschawad Awad warf Israel ein „Massaker an unbewaffneten Demonstranten“ vor. Seit dem Gazakrieg im Jahr 2014 hat es nicht mehr so viele Tote an einem Tag gegeben.

Israel beschuldigte dagegen die islamistische Hamas, sie missbrauche die Proteste zu Anschlagsversuchen an der Grenze. Die Armee berichtete, Demonstranten hätten Brandbomben auf Soldaten geworfen.

Die Frage, welchen Status der Ostteil Jerusalems haben soll, ist einer der großen Streitpunkte im Nahostkonflikt. Israel hat Ost-Jerusalem im Sechstagekrieg 1967 erobert, die palästinensische Seite will Ost-Jerusalem zur Hauptstadt eines unabhängigen Palästina machen.

Die internationale Gemeinschaft beharrt darauf, dass der Streit nur in Verhandlungen beigelegt werden könne. Die Bundesregierung hatte Trumps Alleingang kritisiert und hält an dieser Position fest. Es könne in dem Konflikt nur eine einvernehmliche Verhandlungslösung geben, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts am Montag. „Wir rufen alle dazu auf, das Recht auf friedliche Meinungsäußerung nicht zu missbrauchen“, sagte sie. Gleichzeitig müsse Israel das Prinzip der Verhältnismäßigkeit wahren.

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