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Nahost-Konflikt Im Reich der Siedler

Maale Adumim präsentiert sich gern als heile Welt, doch der Siedlungsbau schreitet voran. Am Mittwoch trifft sich Israels Premier Netanjahu mit US-Präsident Trump.

Israel
Großzügiges Gelände: Blick über Maale Adumim Foto: A. Haslhamoun / EPA

Vor ein paar Stunden saßen Neta und Oren noch im Flieger, auf dem Rückflug von einem längeren Kanada-Urlaub. „Toll war es“, erzählen die beiden Israelis, aber nichts gehe über das Gefühl, wieder daheim zu sein. Neta stammt zwar eigentlich aus Tel Aviv, aber Oren zuliebe zieht sie jetzt her, nach Maale Adumim, einen der größten Siedlungsblöcke im Westjordanland. Die zwei sind jung, schwer verliebt und ziemlich aufgekratzt, auch wenn der Nachtflug dunkle Ringe unter Netas Augen hinterlassen hat. Und so hocken sie im Aroma-Cafe der Shoppingmall von Maale Adumim und versuchen, mit Hilfe von Sandwiches und frischen Säften ihren Jetlag zu vertreiben.

„Endlich angekommen“, seufzt Neta und streckt ihre Arme wie auf einer Siegertreppe hoch. „Dieser Ort inmitten der Wüstenberge hat etwas Magisches“, schwärmt sie und zählt die Ruhe auf, die gute Luft, die netten Leute, den freien Blick über die Landschaft. Nicht zu vergessen, dass man in zwanzig Autominuten in Jerusalem sei und trotzdem die Großstadt-Hektik außen vor bleibe.

Eine ganz normale Vorstadt ist Maale Adumim allerdings nicht. Die Palästinenser in den Nachbardörfern nennen die Siedlung „das Krokodil“. Ziemlich gefräßig ist sie tatsächlich, ihr Appetit auf immer mehr Land schier unersättlich. Ihre Einwohnerzahl entspricht einer Kleinstadt, aber von der Fläche ist Maale Adumim so groß wie Tel Aviv. Hinzu kommt die sogenannte E-1-Zone, die israelische Planer auf dem Reißbrett bereits als Bauland ausgewiesen haben, um eine territoriale Kontinuität zwischen Maale Adumim und Jerusalem zu schaffen. Wegen internationaler Proteste, auch aus den USA, liegt das Vorhaben seit Jahren auf Eis. Sollte es realisiert werden, wäre das arabische Ost-Jerusalem nahezu vollständig vom Westjordanland abgeschnitten. Die Gründung eines lebensfähigen Staates Palästina müsste man dann wohl endgültig abschreiben.

Wie fast alle 37 000 Einwohner in Maale Adumim finden Neta und Oren nichts dabei, in einer israelischen Siedlung im besetzten Gebiet zu wohnen. Er ist hier geboren, und das junge Paar hat beschlossen, dass Maale Adumim das Zentrum ihres gemeinsamen Lebens werden soll. „Keine Frage“, erklärt Neta kategorisch, „für mich ist das hier ein Teil Israels.“ Ob das den Palästinensern nun passe oder nicht. „Dies ist unser Land.“

Die Stadtverwaltung setzt darauf, dass Maale Adumim bald schon ganz offiziell dem israelischen Kernland zugeschlagen wird. Sie befindet sich in einem imposanten Gebäude gleich neben der Mall. Im modernen Aufzug geht es hoch in die Chefetage, zum Termin beim Vize-Bürgermeister Guy Ifrach. Er ist ein schlaksiger Kerl von 34 Jahren und glühender Verfechter der Forderung, Maale Adumim umgehend israelischer Souveränität zu unterstellen. Die Regierung Benjamin Netanjahu müsse nur die historische Chance nutzen.

Die israelische Mehrheit von 76 Prozent sei eh dafür, Maale Adumim zu annektieren, wie eine von der Siedlung in Auftrag gegebene Umfrage letztes Jahr ergeben habe, sagt Ifrach. Und Donald Trump werde schon nichts dagegen haben. Schließlich sei sein Boss, Bürgermeister Benny Kaschriel, ganz offizieller Gast bei der Amtseinführung des US-Präsidenten gewesen. „So eine Einladung sagt doch schon was“, meint Ifrach. Selbst wenn Trump gewisse Bedenken gegen den Siedlungsbau in Judäa und Samaria – der von rechten Israelis bevorzugte Name für das Westjordanland – hege, Maale Adumim sei kein Problemfall. Die großen Siedlungsblöcke, in denen drei Viertel der knapp 400 000 Westbank-Siedler leben, sollten im Falle eines Friedensabkommens doch ohnehin an Israel angeschlossen werden. „Das ist israelischer Konsens“, fügt Ifrach hinzu. Wobei er unerwähnt lässt, dass eine einvernehmliche Grenzverschiebung nur machbar wäre, wenn die palästinensische Seite durch Landtausch entschädigt würde.

Aber derartige Kompromissvorschläge haben der Siedlerlobby noch nie gefallen. Bislang ging sie davon aus, dass Trump als ihr wahrer Freund sie mit solchen Ideen verschonen werde. In Anlehnung an dessen Wahlkampagne ließ sich Naftali Bennett, Chef des ultranationalen „Jüdischen Heims“ denn auch den Slogan „Maale Adumim first“ einfallen, um für sein Annexions-Gesetz zu werben. „Bennetts Strategie ist leicht durchschaubar“, bemerkt dazu Lior Amihai von Peace Now, der israelischen Friedensorganisation, die seit Jahren Daten zur Siedler-Expansion sammelt.

Die Forderung, Maale Adumim als erstes zu annektieren, klinge vergleichsweise unverfänglich. „Dort wohnen ja keine Extremisten und Ideologen, sondern nur gewöhnliche Arbeitspendler“, sagt Amihai. „Dennoch streckt sich Maale Adumim wie ein riesiger Finger in palästinensisches Gebiet.“ Und natürlich gäbe seine von Israel einseitig deklarierte Annexion der gesamten, über das Westjordanland verstreuten Siedlern Auftrieb, für sich das gleiche zu verlangen.

Einstweilen stillt der von Netanjahu versprochene Bauboom ihren Appetit. Seitdem Donald Trump ins Weiße Haus eingezogen ist, hat die Regierung in Jerusalem alles in allem 6000 neue Siedlerwohnungen bewilligt – laut Peace Now eine Rekordzahl in derart kurzer Periode. Auch in Maale Adumim überragen wieder die Baukräne die hoch aufgeschossenen Palmen, die dem Häusermeer in der Wüste einen gewissen Oasencharakter verleihen. Vize-Bürgermeister Ifrach hofft, mit Trumps Segen wieder an alte Zeiten anknüpfen zu können, „als wir tausend Apartments pro Jahr fertiggestellt haben“. Wegen der ständigen Einsprüche von Barack Obama habe man ja in den letzten Jahren nur einen Bruchteil der Baupläne verwirklichen können. Die Wohnungspreise in Maale Adumim seien deshalb um fünfzig Prozent gestiegen. Auch wenn es immer noch billiger sei, hier zu leben als in Jerusalem.

Obenauf gibt es schmucke Straßen mit Blumenrabatten auf den Verkehrsinseln, gepflegt von dutzenden palästinensischen Angestellten, die sich die Stadtverwaltung leistet. Auch auf den Baustellen rackern wie in den meisten Siedlungen Palästinenser. „Ohne uns hätten sie gar keine Jobs“, sagt Ifrach und verweist auf weitere 3500 Arbeitsplätze, die die Industriezone von Maale Adumim den arabischen Nachbarn biete. Auf dieser Basis schwebt ihm auch eine Friedenslösung mit den Palästinensern vor, eine Art „Autonomie plus“ nennt er das, nur eben kein eigener Staat. Maale Adumim präsentiert sich gerne als heile Welt, die mit den radikalen Siedlerhochburgen im Westjordanland nichts gemein habe.

Oberflächlich betrachtet, mag das stimmen. Schilo etwa, das gut vierzig Kilometer weiter nördlich liegt, dort, wo die felsigen Westbank-Hügel sich bewalden, ist auf den ersten Blick das Gegenstück zu Maale Adumim. Gegründet wurde Schilo 1979 von der nationalreligiösen Siedlerbewegung Gusch Emunim, dem „Block der Getreuen“, um an biblische Zeiten anzuknüpfen. Denn Schilo, so steht es im Alten Testament, diente bis zur Eroberung Jerusalems durch König David fast 400 Jahre lang als Hauptsitz der Juden. Hier soll die Stiftshütte mit der Bundeslade gestanden haben.

Die 3000 Bewohner, die heute hier leben, fühlen sich jedenfalls als Wahrer einer heiligen Stätte. „Sie ermöglicht uns eine direkte Begegnung mit Gott“, erklärt ein Siedler und tippt mit dem Zeigefinger Richtung Himmel. Er trägt wie viele Männer in Schilo Schläfenlocken, eine Häkelkippa und im Halfter eine Pistole. Auf reines Gottvertrauen verlassen sich die hiesigen Siedler, die ringsum auf den Bergkuppen mehrere Vorposten auf palästinensischem Land errichtet haben, jedenfalls nicht.

Früher wurden die Gusch Emunim-Anhänger von vielen Israelis als Spinner belächelt. Heute lockt ihr Besucherzentrum in Schilo auch Besucherscharen aus dem Kernland an. An diesem Tag, dem jüdischen Neujahrsfest der Bäume, Tu B’Schwat genannt, hat die religiös-zionistische Jugendbewegung Bnei Akiva hunderte Kinder in Bussen angekarrt, um junge Setzlinge zu pflanzen. Warum ausgerechnet hier? „Weil wir damit zugleich an höchst passendem Ort fünfzig Jahre der Befreiung von Judäa und Samaria feiern“, entgegnet ein Begleiter.

Mit von der Partie ist auch Igal Dimoni als Vertreter des Siedlerrates. Mit dem Sechs-Tage-Krieg von 1967 habe Israel dieses Land zurückerobert, sagt er. „Das ist doch ein Wunder. Und wir sorgen dafür, hier für immer zu bleiben.“ Ein Blick auf die Landkarte mit all den Siedlungen reiche, um zu begreifen, dass man das Gerede von einer Zwei-Staaten-Lösung getrost vergessen könne. Die Palästinenser sollten sich mal besser damit abfinden, findet Dimoni. „Mehr als Residenzrechte kriegen sie von uns nicht.“ Viel anders hat sich das auch in Maale Adumim nicht angehört.

So bleibt nach diesen Abstechern ins Reich der Siedler nur eine bittere Erkenntnis: Der Nahostkonflikt wird noch lange andauern.

or ein paar Stunden saßen Neta und Oren noch im Flieger, auf dem Rückflug von einem längeren Kanada-Urlaub. „Toll war es“, erzählen die beiden Israelis, aber nichts gehe über das Gefühl, wieder daheim zu sein. Neta stammt zwar eigentlich aus Tel Aviv, aber Oren zuliebe zieht sie jetzt her, nach Maale Adumim, einen der größten Siedlungsblöcke im Westjordanland. Die zwei sind jung, schwer verliebt und ziemlich aufgekratzt, auch wenn der Nachtflug dunkle Ringe unter Netas Augen hinterlassen hat. Und so hocken sie im Aroma-Cafe der Shoppingmall von Maale Adumim und versuchen, mit Hilfe von Sandwiches und frischen Säften ihren Jetlag zu vertreiben.

„Endlich angekommen“, seufzt Neta und streckt ihre Arme wie auf einer Siegertreppe hoch. „Dieser Ort inmitten der Wüstenberge hat etwas Magisches“, schwärmt sie und zählt die Ruhe auf, die gute Luft, die netten Leute, den freien Blick über die Landschaft. Nicht zu vergessen, dass man in zwanzig Autominuten in Jerusalem sei und trotzdem die Großstadt-Hektik außen vor bleibe.

Eine ganz normale Vorstadt ist Maale Adumim allerdings nicht. Die Palästinenser in den Nachbardörfern nennen die Siedlung „das Krokodil“. Ziemlich gefräßig ist sie tatsächlich, ihr Appetit auf immer mehr Land schier unersättlich. Ihre Einwohnerzahl entspricht einer Kleinstadt, aber von der Fläche ist Maale Adumim so groß wie Tel Aviv. Hinzu kommt die sogenannte E-1-Zone, die israelische Planer auf dem Reißbrett bereits als Bauland ausgewiesen haben, um eine territoriale Kontinuität zwischen Maale Adumim und Jerusalem zu schaffen. Wegen internationaler Proteste, auch aus den USA, liegt das Vorhaben seit Jahren auf Eis. Sollte es realisiert werden, wäre das arabische Ost-Jerusalem nahezu vollständig vom Westjordanland abgeschnitten. Die Gründung eines lebensfähigen Staates Palästina müsste man dann wohl endgültig abschreiben.

Wie fast alle 37 000 Einwohner in Maale Adumim finden Neta und Oren nichts dabei, in einer israelischen Siedlung im besetzten Gebiet zu wohnen. Er ist hier geboren, und das junge Paar hat beschlossen, dass Maale Adumim das Zentrum ihres gemeinsamen Lebens werden soll. „Keine Frage“, erklärt Neta kategorisch, „für mich ist das hier ein Teil Israels.“ Ob das den Palästinensern nun passe oder nicht. „Dies ist unser Land.“

Die Stadtverwaltung setzt darauf, dass Maale Adumim bald schon ganz offiziell dem israelischen Kernland zugeschlagen wird. Sie befindet sich in einem imposanten Gebäude gleich neben der Mall. Im modernen Aufzug geht es hoch in die Chefetage, zum Termin beim Vize-Bürgermeister Guy Ifrach. Er ist ein schlaksiger Kerl von 34 Jahren und glühender Verfechter der Forderung, Maale Adumim umgehend israelischer Souveränität zu unterstellen. Die Regierung Benjamin Netanjahu müsse nur die historische Chance nutzen.

Die israelische Mehrheit von 76 Prozent sei eh dafür, Maale Adumim zu annektieren, wie eine von der Siedlung in Auftrag gegebene Umfrage letztes Jahr ergeben habe, sagt Ifrach. Und Donald Trump werde schon nichts dagegen haben. Schließlich sei sein Boss, Bürgermeister Benny Kaschriel, ganz offizieller Gast bei der Amtseinführung des US-Präsidenten gewesen. „So eine Einladung sagt doch schon was“, meint Ifrach. Selbst wenn Trump gewisse Bedenken gegen den Siedlungsbau in Judäa und Samaria – der von rechten Israelis bevorzugte Name für das Westjordanland – hege, Maale Adumim sei kein Problemfall. Die großen Siedlungsblöcke, in denen drei Viertel der knapp 400 000 Westbank-Siedler leben, sollten im Falle eines Friedensabkommens doch ohnehin an Israel angeschlossen werden. „Das ist israelischer Konsens“, fügt Ifrach hinzu. Wobei er unerwähnt lässt, dass eine einvernehmliche Grenzverschiebung nur machbar wäre, wenn die palästinensische Seite durch Landtausch entschädigt würde.

Aber derartige Kompromissvorschläge haben der Siedlerlobby noch nie gefallen. Bislang ging sie davon aus, dass Trump als ihr wahrer Freund sie mit solchen Ideen verschonen werde. In Anlehnung an dessen Wahlkampagne ließ sich Naftali Bennett, Chef des ultranationalen „Jüdischen Heims“ denn auch den Slogan „Maale Adumim first“ einfallen, um für sein Annexions-Gesetz zu werben. „Bennetts Strategie ist leicht durchschaubar“, bemerkt dazu Lior Amihai von Peace Now, der israelischen Friedensorganisation, die seit Jahren Daten zur Siedler-Expansion sammelt.

Die Forderung, Maale Adumim als erstes zu annektieren, klinge vergleichsweise unverfänglich. „Dort wohnen ja keine Extremisten und Ideologen, sondern nur gewöhnliche Arbeitspendler“, sagt Amihai. „Dennoch streckt sich Maale Adumim wie ein riesiger Finger in palästinensisches Gebiet.“ Und natürlich gäbe seine von Israel einseitig deklarierte Annexion der gesamten, über das Westjordanland verstreuten Siedlern Auftrieb, für sich das gleiche zu verlangen.

Einstweilen stillt der von Netanjahu versprochene Bauboom ihren Appetit. Seitdem Donald Trump ins Weiße Haus eingezogen ist, hat die Regierung in Jerusalem alles in allem 6000 neue Siedlerwohnungen bewilligt – laut Peace Now eine Rekordzahl in derart kurzer Periode. Auch in Maale Adumim überragen wieder die Baukräne die hoch aufgeschossenen Palmen, die dem Häusermeer in der Wüste einen gewissen Oasencharakter verleihen. Vize-Bürgermeister Ifrach hofft, mit Trumps Segen wieder an alte Zeiten anknüpfen zu können, „als wir tausend Apartments pro Jahr fertiggestellt haben“. Wegen der ständigen Einsprüche von Barack Obama habe man ja in den letzten Jahren nur einen Bruchteil der Baupläne verwirklichen können. Die Wohnungspreise in Maale Adumim seien deshalb um fünfzig Prozent gestiegen. Auch wenn es immer noch billiger sei, hier zu leben als in Jerusalem.

Obenauf gibt es schmucke Straßen mit Blumenrabatten auf den Verkehrsinseln, gepflegt von dutzenden palästinensischen Angestellten, die sich die Stadtverwaltung leistet. Auch auf den Baustellen rackern wie in den meisten Siedlungen Palästinenser. „Ohne uns hätten sie gar keine Jobs“, sagt Ifrach und verweist auf weitere 3500 Arbeitsplätze, die die Industriezone von Maale Adumim den arabischen Nachbarn biete. Auf dieser Basis schwebt ihm auch eine Friedenslösung mit den Palästinensern vor, eine Art „Autonomie plus“ nennt er das, nur eben kein eigener Staat. Maale Adumim präsentiert sich gerne als heile Welt, die mit den radikalen Siedlerhochburgen im Westjordanland nichts gemein habe.

Oberflächlich betrachtet, mag das stimmen. Schilo etwa, das gut vierzig Kilometer weiter nördlich liegt, dort, wo die felsigen Westbank-Hügel sich bewalden, ist auf den ersten Blick das Gegenstück zu Maale Adumim. Gegründet wurde Schilo 1979 von der nationalreligiösen Siedlerbewegung Gusch Emunim, dem „Block der Getreuen“, um an biblische Zeiten anzuknüpfen. Denn Schilo, so steht es im Alten Testament, diente bis zur Eroberung Jerusalems durch König David fast 400 Jahre lang als Hauptsitz der Juden. Hier soll die Stiftshütte mit der Bundeslade gestanden haben.

Die 3000 Bewohner, die heute hier leben, fühlen sich jedenfalls als Wahrer einer heiligen Stätte. „Sie ermöglicht uns eine direkte Begegnung mit Gott“, erklärt ein Siedler und tippt mit dem Zeigefinger Richtung Himmel. Er trägt wie viele Männer in Schilo Schläfenlocken, eine Häkelkippa und im Halfter eine Pistole. Auf reines Gottvertrauen verlassen sich die hiesigen Siedler, die ringsum auf den Bergkuppen mehrere Vorposten auf palästinensischem Land errichtet haben, jedenfalls nicht.

Früher wurden die Gusch Emunim-Anhänger von vielen Israelis als Spinner belächelt. Heute lockt ihr Besucherzentrum in Schilo auch Besucherscharen aus dem Kernland an. An diesem Tag, dem jüdischen Neujahrsfest der Bäume, Tu B’Schwat genannt, hat die religiös-zionistische Jugendbewegung Bnei Akiva hunderte Kinder in Bussen angekarrt, um junge Setzlinge zu pflanzen. Warum ausgerechnet hier? „Weil wir damit zugleich an höchst passendem Ort fünfzig Jahre der Befreiung von Judäa und Samaria feiern“, entgegnet ein Begleiter.

Mit von der Partie ist auch Igal Dimoni als Vertreter des Siedlerrates. Mit dem Sechs-Tage-Krieg von 1967 habe Israel dieses Land zurückerobert, sagt er. „Das ist doch ein Wunder. Und wir sorgen dafür, hier für immer zu bleiben.“ Ein Blick auf die Landkarte mit all den Siedlungen reiche, um zu begreifen, dass man das Gerede von einer Zwei-Staaten-Lösung getrost vergessen könne. Die Palästinenser sollten sich mal besser damit abfinden, findet Dimoni. „Mehr als Residenzrechte kriegen sie von uns nicht.“ Viel anders hat sich das auch in Maale Adumim nicht angehört.

So bleibt nach diesen Abstechern ins Reich der Siedler nur eine bittere Erkenntnis: Der Nahostkonflikt wird noch lange andauern.

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