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Naher Osten Golfstaaten isolieren Katar mit Boykott

Es ist ein Paukenschlag: Die vier wichtigsten Golfstaaten und Ägypten haben ihre Beziehungen zu Katar gekappt. Saudi Arabien begründet die diplomatische Strafaktion mit Verweis auf Terrorfinanzierung durch Katar.

Golfstaaten brechen Beziehungen zu Katar ab
Unter Druck: Katars Emir Scheich Tamim bin Hamad Al Thani. Foto: dpa

In einer einzigartigen diplomatischen Strafaktion haben die vier wichtigsten Golfstaaten und Ägypten am Montag ihre Beziehungen zu Katar gekappt und damit das tiefste Zerwürfnis seit Jahrzehnten ausgelöst.

Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Jemen, Bahrain sowie Ägypten kündigten an, Katars Diplomaten müssten innerhalb von 48 Stunden das Land verlassen. Obendrein wurden alle Flug-, Land- und Seeverbindungen zu der superreichen Halbinsel unterbrochen.

Sämtliche Kataris müssen innerhalb der nächsten zwei Wochen aus Saudi-Arabien, den Emiraten und Bahrain ausreisen. Auch die international nicht anerkannte Regierung in Ost-Libyen, die unter dem Einfluss von Kairo steht, schloss sich diesem spektakulären Boykott an.

Zur Begründung hieß es in Riad und Abu Dhabi, Katar unterstütze militante Islamisten von Al-Kaida und dem „Islamischen Staat“. Man müsse die eigene staatliche Sicherheit vor den „Gefahren des Terrorismus und Extremismus“ schützen.

Die Führung in Doha wies die Anschuldigungen als „ungerechtfertigt“ und „aus der Luft gegriffen“ zurück und warf den anderen Golfstaaten vor, sie wollten Katar unter ihre politische Vormundschaft stellen. Ein Dorn im Auge ist den sunnitischen Monarchen und Emiren vor allem Katars Unterstützung der Muslimbruderschaft sowie die Beziehungen zu Erzfeind Iran, mit dem sich das Emirat sein wichtigstes Gasfeld teilt.

Wenige Tage zuvor hatte der Chef einer saudischen Lobbyorganisation in Washington Katars Herrscher Tamim bin Hamad Al Thani per Twitter gedroht, ihm könne das gleiche Schicksal blühen wie Ägyptens Mohammed Mursi.

Der Muslimbruder-Präsident war im Juli 2013 durch einen Militärputsch des heutigen Staatschefs Abdel Fattah Al-Sisi gestürzt worden und sitzt seitdem in Haft. Aus den Reihen des Golfkooperationsrates verweigerten sich jedoch Oman und Kuwait dem Kalten Krieg gegen Katar, welches 300.000 Einwohner und 11.000 Mann unter Waffen hat.

Nach Erkenntnissen westlicher Staaten gehören nicht nur reiche Bürger und religiöse Stiftungen aus Katar, sondern auch aus Kuwait und Saudi-Arabien zu den Hauptsponsoren radikaler sunnitischer Gruppen in Nahost, unter anderem der „Al-Nusra-Front“ in Syrien.

Folge von Trumps Auftritt?

Praktisch sämtliche arabische Fluggesellschaften am Golf kündigten an, Doha von Dienstag früh an nicht mehr zu bedienen. Umgekehrt stellte die Linie „Qatar Airways“, die den Luftraum der anderen Golfnationen nicht mehr nutzen darf, alle Flüge in die Nachbarstaaten und nach Ägypten ein. Ihre Flugzeuge müssen nun nach dem Start über den iranischen Luftraum ausfliegen. Über seine Landgrenze zu Saudi-Arabien importiert die Halbinsel, die etwa halb so groß ist wie Hessen, etwa 40 Prozent seiner Lebensmittel.

Auch die Baustellen der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 dürften betroffen sein, sollte die Seeblockade länger anhalten. Zahlreiche Bürger in Doha eilten am Montag in die Supermärkte, um sich mit Lebensmitteln einzudecken.

Der außenpolitische Paukenschlag steht offenbar in direktem Zusammenhang zu dem Besuch von Donald Trump in Riad vor zwei Wochen, den die sunnitischen Potentaten obendrein auch als Blanko-Vollmacht für zusätzliche Repression nach innen verstanden. Ägyptens Präsident Sisi setzte gleich danach das umstrittene NGO-Gesetz in Kraft, das auch den Rest der Zivilgesellschaft am Nil strangulieren wird.

Gleichzeitig ließ er zwei Dutzend Websites von regimekritischen Medienorganisationen sperren, darunter Al-Dschasira mit Sitz in Doha. Bahrain verbot die wichtigste Oppositionspartei. Saudi-Arabien verurteilte einen weiteren Bürgerrechtler zu einer langen Haftstrafe, unter anderem wegen seiner Kontakte zu ausländischen Journalisten.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Katar

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