Lade Inhalte...

Nadja Sawtschenko Kampfpilotin des Mordes schuldig gesprochen

Die ukrainische Kampfpilotin Nadja Sawtschenko ist wegen Mordes an zwei russischen Journalisten angeklagt. Das russische Gericht hält sie für schuldig im Sinne der Anklage.

21.03.2016 09:54
Schuldig im sinne der Anklage: die ukrainische Kampfpilotin Nadja Sawtschenko. Foto: dpa

In einem international scharf kritisierten Mordprozess hält ein russisches Gericht die ukrainische Militärpilotin Nadija Sawtschenko Berichten zufolge für schuldig. „Sawtschenkos Schuld wird durch Beweise und Zeugenaussagen belegt, die während der Verhandlung untersucht wurden“, zitierte die Staatsagentur Ria Nowosti Richter Leonid Stepanenko am Montag. Das Strafmaß wird für diesen Dienstag erwartet. Die Anklage hat 23 Jahre Lagerhaft beantragt.

Die auf insgesamt zwei Tage angesetzte Urteilsverkündung in der südrussischen Kleinstadt Donezk nahe der Grenze zur Ukraine (nicht die ostukrainische Metropole) sorgte am Montag für Verwirrung. Während Richter Stepanenko über mehrere Stunden das Urteil verlas, versicherte Sawtschenkos Anwalt Nikolai Polosow der ukrainischen Agentur Unian zufolge, der endgültige Schuldspruch stehe noch aus. Beobachtern zufolge ging der genaue Wortlaut im monotonen Verlesen durch den Richter unter. Die Agentur Tass bestätigte der Deutschen Presse-Agentur hingegen, dass der Richter einen Schuldspruch verkündet habe.

„Aus Hass und Feindschaft“

Sawtschenko wird vorgeworfen, 2014 im Kriegsgebiet Ostukraine maßgeblich am Tod von zwei russischen Journalisten beteiligt gewesen zu sein. Sie soll deren Standort weitergemeldet haben. Die Reporter wurden dann durch Mörserbeschuss getötet. Die 34-Jährige habe „aus Motiven des Hasses und der Feindschaft“ gehandelt, zitierte die Agentur Interfax Stepanenko.

„Das Urteil interessiert sie nicht und hat nichts mit Rechtsprechung zu tun“, sagte ihr Anwalt Polosow. Sawtschenko wolle zusätzlich zu ihrem Hungerstreik auch die Wasseraufnahme wieder verweigern, sobald das Urteil in zehn Tagen in Kraft tritt. „Ich habe versucht, sie umzustimmen, aber bislang ohne Erfolg“, fügte Polosow an.

Schon vor dem Urteil hatte Sawtschenko angekündigt, dass sie es nicht anfechten werde. Russland ist in ihren Augen ein „Dritte-Welt-Land“, ein „totalitäres Regime“ mit einem „Despoten an der Spitze“.

Die ukrainische Regierung kündigte an, Druck auf Moskau für einen Gefangenenaustausch zu machen. In der lokalen Presse wird bereits seit Monaten über einen Austausch Sawtschenkos gegen russische Staatsbürger spekuliert, die in der Ukraine bei Kämpfen gefangengenommen wurden. Sowohl Kiew als auch Moskau haben signalisiert, dass sie dies nicht ausschließen. Präsident Petro Poroschenko stellte sogar Begnadigungen in Aussicht, sollten sie erforderlich sein.

Kremlsprecher Dmitri Peskow lehnte eine Stellungnahme vor der Bekanntgabe des Strafmaßes ab. „Die Verkündung des Urteils ist, so hoffe ich, der Beginn des Verhandlungsprozesses über ihr weiteres Schicksal“, sagte der Chef des Menschenrechtsrates beim russischen Präsidenten, Michail Fedotow.

Allerdings sind zwei immer wieder in diesem Zusammenhang genannte mutmaßliche russische Soldaten, die in der Ukraine gefangen sind, bisher nicht verurteilt. Zuletzt verzögerte sich ihr Prozess, da einer ihrer Anwälte Anfang März spurlos verschwand.

Steinmeier engagiert sich

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier kündigte an, er wolle den Fall bei seinem heute beginnenden Besuch in Moskau am Mittwoch ansprechen. Die Vertretung der Europäischen Union in Moskau verlangte die sofortige Freilassung Sawtschenkos.

Eine ukrainische Abgeordnete beklagte am Montag, ihr sei die Einreise nach Russland und damit die Teilnahme am Prozess untersagt worden. Der russische Geheimdienst habe ihr die Einreise verboten, sagte Irina Geraschtschenko, die regelmäßig an den Friedensgesprächen für die Ostukraine beteiligt ist.

Die Ukraine hatte entschieden, mehrere Vertreter zur Urteilsverkündung zu entsenden. Nach Geraschtschenkos Angaben wurde ihr die Einreise verweigert, weil sie „eine Gefahr die territoriale Integrität, die russische Verteidigungsfähigkeit und die öffentliche Gesundheit“ sei. (afp/dpa)

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen