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Nadija Sawtschenko „Die Rückkehr in die Ukraine erzwingen“

Mark Fejgin, einer der Verteidiger der ukrainischen Pilotin Nadija Sawtschenko, hofft auf ihre Freilassung. Diese will in den trockenen Hungerstreik treten und so ihre Rückkehr in die Ukraine erzwingen - tot oder lebendig.

Solidarität mit Nadija vor Moskaus Botschaft in Kiew. Foto: REUTERS

Herr Fejgin für wie wahrscheinlich halten Sie es, dass Nadija Sawtschenko jetzt ihre Drohung wahr macht, ihren Hungerstreik verschärft und keine Flüssigkeit mehr zu sich nimmt?
Sie hat es auf jeden Fall angekündigt. Sie will nicht direkt nach Prozessende damit beginnen, sondern zehn Tage später, wenn das Urteil rechtskräftig wird. Nadeschda hofft, mit einem trockenen Hungerstreik am ehesten ihre Rückkehr in die Ukraine erzwingen zu können. Tot oder lebendig, wie sie sagt.

Welche Aussichten hat sie, lebendig frei zu kommen?
Rein technisch ist das durch eine Begnadigung möglich. Allerdings will Nadeschda auf keinen Fall ein Begnadigungsgesuch stellen. Aber die Heimkehr kann auch durch eine formale Anfrage der Ukraine an Russland umgesetzt werden: Danach müsste Russland dem Ersuchen nachkommen, Sawtschenko ihre Strafe als ukrainische Staatsbürgerin in ihrem Heimatland verbüßen zu lassen. Beide Seiten haben eine entsprechende GUS-Konvention unterzeichnet.

Sie haben wiederholt die Hoffnung geäußert, dass Nadija Sawtschenko wirklich bald in die Ukraine zurückkehren kann.
Ich bin sicher, dass sie ihre Strafe nicht in Russland absitzen wird. Dafür spricht alles, was um diesen Prozess herum passiert. Zum einen wächst der internationale Druck auf Russland, zum anderen ist auch im Kreml jedem klar, dass Nadeschda Sawtschenko völlig unschuldig ist. Das hat die Verhandlung eindeutig bewiesen. Man kann sie einfach nicht für 20 Jahre in ein russisches Straflager sperren. Die Nebenwirkungen und die Folgekosten eines solchen Urteils wären viel größer als jeder Nutzen für den Staat. Russland droht ein weiterer Gesichtsverlust und neue Sanktionen.

Aber in der Ukraine, auch in russischen Oppositionskreisen, wird darüber spekuliert, der Kreml könnte Sawtschenko als Geisel benutzen. Um im Austausch gegen sie eine Anerkennung der Krim-Annexion zu erreichen.
Das ist völlig ausgeschlossen. Niemand in der Ukraine oder gar im Westen würde sich auf einen solch schrägen Tauschhandel einlassen. Viel wahrscheinlicher ist ein Austausch gegen russische Soldaten, die von den Ukrainern gefangen genommen wurden. Etwa gegen die beiden Kader des Militärgeheimdienstes GRU, Jewgeni Jerofejew und Alexander Aleksandrow, die jetzt in Kiew vor Gericht stehen. Und die in derselben Gegend in Gefangenschaft gerieten wie Nadeschda, bei der Stadt Tschastje. Nur dass Russland sie nicht als seine Soldaten anerkennt. Während Nadeschda Sawtschenko in der Ukraine als Heldin gefeiert wird.

Interview: Stefan Scholl

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