Lade Inhalte...

Nachruf auf Ulrich Wegener Pflichtbewusster Gegner des Terrors

Ulrich Wegener befreite mit der damals neuen GSG 9 die Geiseln der „Landshut“ und wurde zum Helden – ein Nachruf.

Ulrich Wegener
Der damalige Kommandeur Ulrich Wegener (links) mit der kleinsten taktischen Einheit der GSG 9, aufgenommen 1979. Foto: dpa

Es gibt in der jüngeren deutschen Geschichte niemanden, mit dessen Namen sich der altmodische Begriff „Held“ so verbindet wie mit Ulrich Wegener, er ist der Held von Mogadischu. Unter dem Kommando Wegeners stürmte die Spezialeinheit „GSG 9“ des damaligen Bundesgrenzschutzes am 18. Oktober 1977 die von arabischen Terroristen in die somalische Hauptstadt entführte Lufthansa-Maschine „Landshut“ und befreite alle 86 Geiseln. Wegener, der die GSG 9 aufgebaut hatte und ihr Kommandeur war, beteiligte sich selbst an der Aktion.

Sieben Minuten nach dem Eindringen der Truppe in die Maschine waren die Geiseln befreit und drei der vier Terroristen getötet. Es war die erste erfolgreiche Anti-Terror-Aktion der bundesdeutschen Behörden nach Jahren von Schmach und Schande im Kampf mit dem damals neuen Phänomen des politischen Terrorismus. Ausgangspunkt war die Geiselnahme israelischer Sportler während der Olympischen Spiele in München im August 1972 durch die palästinensische Terrorgruppe Schwarzer September.

Der Versuch der völlig überforderten Polizei, die Geiseln zu befreien, endete in einem Desaster. Die Terroristen ermordeten alle elf Israelis, außerdem kamen fünf Geiselnehmer und ein Polizist ums Leben. Als Konsequenz beauftragte der damalige Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) den Grenzschutz-Offizier Wegener mit dem Aufbau einer Spezialtruppe zum Einsatz gegen Terroristen. Alles, was wir heute an Terrorbekämpfung in Deutschland kennen, hat hier seinen Ursprung. Und die GSG 9 bis heute den Ruf einer äußerst schlagkräftigen Elitetruppe.

Die Aktion von Mogadischu wurde in der deutschen Öffentlichkeit nicht nur als Befreiung der Geiseln gefeiert. Sie wurde auch als (vorläufige) Befreiung von der scheinbar hilflosen Bedrohung des Staates durch die Terroristen der Rote Armee Fraktion (RAF) empfunden, die mit arabischen Gesinnungsgenossen kooperierten. Die Nacht von Mogadischu hatte unmittelbare Folgen für die Lage in der Bundesrepublik. Kurz nach der Nachricht vom Scheitern der „Landshut“-Entführung nahmen sich drei führende RAF-Terroristen im Gefängnis Stammheim das Leben, wenig später ermordeten Gesinnungsgenossen den entführten Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer. Damit hatte der „Deutsche Herbst“ seinen Höhepunkt erreicht, aber auch die Erpressbarkeit des Staates.

Der 1929 in Jüterbog geborene Wegener ging 1952 in den Westen und bewarb sich für den Polizeidienst in Baden-Württemberg. 1958 wechselte er zum Bundesgrenzschutz, dem Vorläufer der heutigen Bundespolizei, und machte dort schnell Karriere. Die Führung der GSG 9 gab er 1979 ab und wurde Kommandeur des Grenzschutzkommandos West. Er war einer der führenden polizeilich-militärischen Terrorismusexperten jener Jahre und hat später auch Spezialeinheiten in anderen Ländern aufgebaut.

Den Heldenmythos um seine Person schätzte Wegener nicht besonders. Er sprach lieber von Pflichterfüllung, Kameradschaft und Führung als wesentlichen Eigenschaften erfolgreicher Arbeit. Er ist, wie erst am Mittwoch bekannt wurde, am 28. Dezember im Alter von 88 Jahren gestorben.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum