Lade Inhalte...

Nach der Wahl in Nigeria Nigerianer hoffen auf Goodluck

Der Erdrutschsieg des Interimspräsidenten Jonathan lässt das aufs Erdöl schauende Ausland aufatmen. Vielleicht kommt das verfrüht. Die Muslime im Norden glauben nicht an eine faire Wahl. Radikale Kräfte im Süden denken an eine Trennung.

Mehr als 90 Prozent der Stimmen soll der alte und neue Präsident Goodluck Jonathan in den südlichen Landesteilen geholt haben. Foto: REUTERS

Der Erdrutschsieg des Interimspräsidenten Jonathan lässt das aufs Erdöl schauende Ausland aufatmen. Vielleicht kommt das verfrüht. Die Muslime im Norden glauben nicht an eine faire Wahl. Radikale Kräfte im Süden denken an eine Trennung.

Nigeria, der mit mehr als 150 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichste Staat Afrikas, hat einen neuen Präsidenten. Es ist der 53-jährige Goodluck Jonathan, der bereits seit gut einem Jahr die Geschicke des Landes lenkt: Allerdings war er lediglich als Vizepräsident in das Amt seines verstorbenen Vorgängers Umaru Yar’Adua nachgerückt und nicht vom Volk bestätigt worden.

Bei den Wahlen am Samstag gelang dem promovierten Zoologen nun ein überraschender Triumph: Lange vor der offiziellen Bekanntgabe stand fest, dass der Kandidat fast doppelt so viele Stimmen wie sein stärkster Herausforderer, der ehemalige Militärmachthaber Muhammadu Buhari, erhielt. Ein zweiter Wahlgang wird nicht nötig sein, was auch im Ausland mit Erleichterung aufgenommen wurde: Nigeria ist mit einer Tagesproduktion von weit über zwei Millionen Fass Erdöl einer der größten afrikanischen Produzenten.

Obwohl der Urnengang als die fairste und am wenigsten von Gewalt geprägte Abstimmung Nigerias seit Jahrzehnten bezeichnet wurde, gab es in mehreren Städten im Norden des Landes Unruhen. Dabei sollen mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen sein. Vor allem in Kano sollen sich Anhänger Buharis Straßenschlachten mit den Sicherheitskräften geliefert haben: Hunderte zogen bewaffnet durch die Straßen. Bei ihrem Versuch, die Proteste einzudämmen, hätten Soldaten auch scharfe Munition eingesetzt, heißt es.

Angespannt war die Lage auch in Zaria im nördlichen Bundesstaat Kaduna: Dort sollen die Häuser mehrerer Politiker der regierenden Demokratischen Partei des Volkes (PDP) angezündet worden sein.

Das Wahlergebnis macht die tiefe Kluft zwischen dem Süden und Norden des Landes deutlich. Während Jonathan in sämtlichen südlichen der 36 Bundesstaaten Resultate von fast hundert Prozent der Stimmen erzielte, gingen alle nördlichen Staaten an Buhari, wenn auch mit einem wesentlich geringeren Vorsprung. Jonathan, der erste aus dem erdölreichen Delta stammende Präsident in der Geschichte Nigerias, erhielt in seiner Heimat Bayelsa 99,6 Prozent der Stimmen, auch in den anderen Deltastaaten sollen zwischen 95 und 98 Prozent der Wahlberechtigten für ihn votiert haben. „Was im Süden des Landes stattfand, kann man wohl kaum als Wahl bezeichnen“, sagte Ex-Minister Nasir el-Rufai, ein politischer Verbündeter Buharis. Ob Buharis Partei, der „Kongress für Progressiven Wandel“ (CPC), gerichtliche Schritte gegen die Abstimmung einlegt, soll erst später entschieden werden.

Beobachter wie David Zounmenou vom Institut für Sicherheitsstudien in Pretoria bezweifeln solche Resultate: „Alles was über 95 Prozent liegt, kann nicht mit rechten Dingen zugehen“, sagt er. Tatsächlich aber sei Jonathan im Süden äußerst populär: Ihm wird die Befriedung des hochexplosiven Niger-Deltas mit einer Amnestie für militante Oppositionelle zugutegehalten.

Die Spannungen zwischen dem muslimischen Norden und dem christlichen Süden sind so alt wie der Staat selbst. In der Epoche der Militärdiktaturen in den 80er und 90er Jahren wurde das Land meist von aus dem Norden stammenden Generälen regiert: Offiziere, die den Ethnien der Hausa und Fulani zugehören, waren im Militär stets überrepräsentiert.

Nach Auffassung Zounmenous befürchten die Anhänger Buharis jetzt, dass der Einfluss des ökonomisch unbedeutenden Nordens zurückgedrängt wird: Radikale Kräfte im Süden schneiden gelegentlich bereits das Thema Sezession an. Zwar stehe Nigeria noch nicht vor einer neuen Gefährdung seiner Einheit, sagt Zounmenou: „Doch Jonathan muss jetzt geschickt vorgehen, um die Gemüter nicht noch weiter zu erregen.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen