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Myanmar Aung San Suu Kyi drückt sich vor den UN

Die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi will doch nicht vor den UN sprechen. Das Rote Kreuz warnt derweil, den Rohingyas drohe eine „Katastrophe“.

Aung San Suu Kyi
Myanmars Regierungschefin Aung San Suu Kyi. Foto: dpa

Die Ikone des Widerstands wandelt sich zur Drückebergerin. Die Regierung von Myanmar ließ am Mittwoch verkünden, dass Außenministerin Aung San Suu Kyi, de facto Regierungschefin, nicht wie ursprünglich geplant in der zweiten Septemberhälfte vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York sprechen will.

„Aung San Suu Kyi fürchtet sich nie vor Kritik, sie hat andere Verpflichtungen“, versuchte ein Sprecher ihrer Partei „Nationale Liga für Demokratie“ den Verdacht zu zerstreuen, sie wolle sich den Vorwürfen wegen der Massenvertreibung von mittlerweile 370 000 Rohingyas aus dem Norden des Rakhine-Staats seit dem 25. August nicht stellen. In einer Fernsehansprache werde sich Suu Kyi am Dienstag für „nationale Versöhnung und Frieden“ aussprechen, hieß es.

Rohingyas werden an der Rückkehr gehindert 

Die UN hatten die Flucht von einem Drittel der bislang auf 1,1 Millionen geschätzten Rohingya in Myanmar als „Textbuchbeispiel für ethnische Säuberung“ katalogisiert und die Aktionen der Streitkräfte Myanmars in die Nähe von Kriegsverbrechen gerückt. Der Grund: Berichte, wonach die Militärs Fluchtwege mit Minen blockieren, um Rohingyas an der Rückkehr zu hindern.

Nach einem Angriff der islamistischen „Harakah al-Yaqin“ (Bewegung des Glaubens) am 25. August holten die Generälen zum großen Gegenschlag in der Region aus. „Wir räumen die Reste eines Problems auf, das seit 1942 brodelt“, beschrieb Armeechef Senior General Min Aung Hlaing seine Sicht der Vertreibung in der vergangenen Woche.

Hunderte Tote seit August

Fast 100 Menschen starben bei den Attacken am 25. August. Laut offiziellen Angaben aus Myanmar kamen bei Zusammenstößen seither weitere 300 Menschen ums Leben. Aber die Zahl der Opfer ist weitaus größer. „Die Fliehenden kommenden in kleinen Booten durch das Delta des Grenzflusses Nah oder über Küstengewässer“, sagte ein Vertreter von Bangladeschs Polizei in der Grenzstadt Cox Basar, „sie können hohen Wellen nicht widerstehen.“ Hunderte solcher Boote erreichten laut den UN seit Mittwoch vergangener Woche die Dörfer Shamlapur and Shah Porir Dwip – zahlreiche kenterten vorher. Bangladeschs Behörden zählten bislang rund 100 Opfer, die bei der Flucht ertranken.

Sie kamen aus dem Land, das von der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi geführt und international vertreten wird. Doch in der Rohingya-Frage scheinen sich die Vorstellungen von Menschenrechten der von den Militärs lange mit Hausarrest gequälten früheren Ikone der Hoffnung und die der westlichen Staaten zu trennen. Stattdessen schlug sich nun Chinas Regierung, die es während der vergangenen Jahrzehnte immer mit den Militärs gehalten hatte, auf ihre Seite. „Wir unterstützen Stabilität in Myanmar“, hieß es lakonisch.

Im Rakhine-Staat besteht diese Stabilität aus Dörfern, die in Flammen aufgehen. Die Streitkräfte und die Polizei setzen Banden buddhistischer Bewohner ein, um die Häuser der muslimischen Rohingyas abzufackeln. Die Polizei in Bangladesch, die tote Flüchtlinge aus dem Naf-Fluss und dem Meer holt, berichtet: „Viele der Ertrunkenen sind Kinder und weisen Schusswunden auf.“

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