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Mutmaßlicher Waffenhändler Szenen wie im Italowestern

Der in Marburg gefasste mutmaßliche Waffenhändler des Amokschützen von München hatte offenbar noch weitere Waffen in seinem Besitz. Seine vermeintliche Komplizin wurde dagegen wieder freigelassen.

Mutmaßlicher Händler der Münchner Amokwaffe festgenommen
Das Zollfahndungsamt Frankfurt präsentiert am 17.08.2016 am Rande einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main (Hessen) eine Metallkiste mit Schusswaffen, die am Vorabend in Köln sichergestellt wurde. Ermittler haben am Dienstag in Marburg einen Mann und seine Freundin festgenommen, die dem Amokschützen von München die Waffe verkauft haben sollen. Foto: Arne Dedert/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Foto: Arne Dedert (dpa)

Am Tag nach der Festnahme eines Waffenhändlers aus Marburg haben die Ermittler verstörende Details verraten. Mitarbeiter der Generalstaatsanwaltschaft und des Zollfahndungsamts Frankfurt berichteten vom Katz-und-Maus-Spiel im Dark-net, Waffenverstecken an Autobahnausfahrten und heimlichen Übergaben von Gewehren in Gitarrenkoffern.

Am vergangenen Dienstag um 14.15 Uhr war einer Spezialeinheit des Zollkriminalamts Köln die Festnahme eines 31-Jährigen gelungen, der nach bisherigen Erkenntnissen seinen Lebensunterhalt maßgeblich mit Waffenverkäufen finanziert. Herangekommen waren die Ermittler an den Arbeitslosen über zwei seiner Kunden. Einen 62-jährigen Familienvater aus Nordrhein-Westfalen und einen 17-jährigen Schüler aus Nordhessen. Beide hatten bei dem 31-Jährigen über das Darknet Waffen gekauft. Ermittler der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) in Gießen hatten die beiden aufgespürt und enttarnt.

Die Wohnung des Buchhalters aus dem Regierungsbezirk Arnsberg war am 27. Juli durchsucht worden. Der 62-Jährige hatte mit dem mutmaßlichen Waffenhändler bei einem Treffen Anfang Juni in Marburg Waffen und die dazugehörige Munition im großen Stil getauscht. Kurioser aber lief den Ermittlern zufolge das Waffengeschäft mit dem Schüler aus Nordhessen. Der 17-Jährige hatte ein Repetiergewehr und 157 Patronen zum Preis von 1150 Euro erstanden.

Die Waffe erhielt der Schüler in einem Gitarrenkoffer, er selbst hatte einen leeren Gitarrenkoffer mitgebracht. „Das ist nicht aus einem Italowestern, das soll sich wirklich so abgespielt haben“, betonte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, Alexander Badle.

Noch mehr aber staunten die Ermittler bei einer Hausdurchsuchung in Nordhessen. Im Jugendzimmer des 17-Jährigen im elterlichen Wohnhaus fanden die Beamten in der Nacht zum dritten August vier Revolver, vier Gewehre, eine Pistole, mehr als 300 Schuss Munition sowie fünf Kilogramm Schwarzpulver. Erkenntnisse, dass der Schüler sein Waffenarsenal auch nutzen wollte, haben die Ermittler bislang nicht. Der Schüler habe ein „normales soziales Umfeld“, auch wenn dies „keine jugendtypische Verfehlung sei“, so Badle.

Um an den Waffenhändler zu kommen, stellten die Ermittler ihm eine Falle. Sie nutzen im Darknet die Rolle des 62-Jährigen und verabredeten ein Waffengeschäft. Dabei prahlte der 31-Jährige damit, er habe auch den Attentäter von München mit einer Pistole der Marke Glock und 350 Patronen versorgt. Die Übergabe an diesen soll am 20. Mai in Marburg erfolgt sein. In der Nähe des Marburger Busbahnhofs ging dann auch vorgestern der vermeintliche Deal über die Bühne.

Neben der Festnahme des 31-Jährigen, der die vereinbarten Waffen in seinem Auto deponiert hatte, ging den Ermittlern auch dessen gleichaltrige Freundin ins Netz. Sie soll dem 17-Jährigen den Gitarrenkoffer übergeben haben, wurde aber im Gegensatz zu ihrem Freund wieder auf freien Fuß gelassen.

Der 31-Jährige zeigte sich geständig und verriet den Ermittlern ein Waffenversteck. Die Beamten hoben daraufhin noch in der Nacht in einem Waldstück an der Autobahnausfahrt Köln/Bonn-Flughafen eine Kiste aus, in der sich zahlreiche Schusswaffen befanden. Erkenntnisse darüber, woher der Arbeitslose die Waffen bekommen hat, gaben die Ermittler noch nicht preis. Sie behielten auch für sich, wie sie den Waffenkäufern auf die Schliche gekommen waren. „Wir spielen dort im Darknet Hase und Igel“, sagte Badle. Die Ermittler hoffen, dass der Clou vom Dienstag auf viele potenzielle Käufer im Darknet eine abschreckende Wirkung hat.

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