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Mutmaßliche 9/11-Drahtzieher Angeklagter rastet im Gericht aus

Der Prozess gegen die mutmaßlichen Drahtzieher der Terroranschläge vom 11. September 2001 geht weiter: Der frühere Al-Kaida-Chefplaner Chalid Scheich Mohammed sowie vier weitere Angeklagte erscheinen vor dem Militärgericht in Guantanamo. Gleich zu Beginn kommt es zum Eklat.

05.05.2012 16:05
Die Gerichtszeichnung zeigt die mutmaßlichen Hauptdrahtzieher der Terroranschläge vom 11. September 2001. Foto: Janet Hamlin

Der Prozess gegen die mutmaßlichen Drahtzieher der Terroranschläge vom 11. September 2001 geht weiter: Der frühere Al-Kaida-Chefplaner Chalid Scheich Mohammed sowie vier weitere Angeklagte erscheinen vor dem Militärgericht in Guantanamo. Gleich zu Beginn kommt es zum Eklat.

Mehr als zehn Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ist vor einem Militärgericht in Guantanamo der Prozess gegen den mutmaßlichen Drahtzieher Khalid Sheikh Mohammed und vier Mitangeklagte wieder aufgenommen worden. In dem Tribunal im US-Gefangenenlager auf Kuba sollte am Samstag die Anklage gegen die fünf mutmaßlichen Al-Kaida-Mitglieder verlesen werden. Sie werden verdächtigt, die Anschläge geplant und vorbereitet zu haben.

Neben dem aus Kuwait stammenden Khalid Scheikh Mohammed, der als Chefplaner des Al-Kaida-Anführers Osama bin Ladens galt, müssen sich der Saudiaraber Mustafa Ahmad Al-Hawsawi, der Pakistaner Ali abd Al-Aziz Ali sowie die Jemeniten Ramzi Binalshibh und Walid bin Attash für eine Verwicklung in die Anschläge verantworten. Ihnen droht die Todesstrafe. Es war das erste Mal seit mehr als drei Jahren, dass die Angeklagten in der Öffentlichkeit zu sehen waren.

Die in weiße Gefängnisuniformen gekleideten Angeklagten saßen in einiger Entfernung voneinander, wie ein AFP-Reporter aus dem Gerichtssaal berichtete. Mohammed trug einen langen Bart. Sein Anwalt sagte, sein Mandant werde aus Ablehnung des Gerichts wahrscheinlich jede Aussage verweigern. Der Anwalt von Attash bat, dass seinem Mandaten wegen „Schmerzen“ die Handschellen abgenommen werden. Dem wurde stattgegeben.

Binalshibh unterbrach die Verhandlung, als er plötzlich aufstand und zu beten begann. Später wandte sich der Jemenit ans Publikum und sagte, dass es angesichts ihrer Behandlung möglich sei, dass die Zuschauer sie nicht wieder sehen würden. „Ihr werdet uns töten und anschließend sagen, wir hätten uns das Leben genommen“, sagte Binalshibh zum Richter James Pohl.

Der Jemenit war der erste der Angeklagten, der sich selbst vor Gericht äußerte. Er schrie später, der getötete libysche Machthaber Muammar Gaddafi werde in Guantanamo festgehalten.

Obama hatte Prozess zwischenzeitlich gestoppt

Bei den Anschlägen mit gekaperten Passagierflugzeugen auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington starben fast 3000 Menschen. Die fünf Männer waren zwischen 2002 und 2003 festgenommen und anschließend in geheimen CIA-Gefängnissen und in Guantanamo inhaftiert worden. Mohammed gestand in Haft seine Beteiligung an den Anschlägen von 11. September, doch seine Aussagen wurden vermutlich unter Folter erzwungen.

Das Verfahren gegen die Männer hatte unter US-Präsident George W. Bush begonnen. Dessen Nachfolger Barack Obama stoppte es wegen rechtsstaatlicher Bedenken gegen die Militärprozesse in Guantanamo, scheiterte jedoch mit seinem Vorhaben, den Angeklagten vor einem Bundesgericht in Manhattan den Prozess machen zu lassen. Vor gut einem Jahr erlaubte Obama dann neue Militärprozesse in Guantanamo. Bis zum Beginn der Hauptverhandlung könnten aber noch Monate vergehen. (rtr/afp)

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