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Muslime in Deutschland Sag, wie hast du’s mit dem Islam?

Eine EKD-Studie weist eine breite Basis für religiöse Vielfalt in Deutschland aus.

Blick in Al-Nour-Moschee
Für 69 Prozent der Deutschen gehören Muslime hierzulande zum Alltagsleben. Foto: dpa

Für 69 Prozent der Deutschen gehören Muslime hierzulande zum Alltagsleben. Das hat eine Studie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ergeben. Das Sozialwissenschaftliche Institut der EKD hatte rund 2000 Bundesbürger nach ihrer Meinung zu Muslimen und dem Islam befragt.

„Kontakt macht eine Menge aus“, sagte die Leiterin der Telefonbefragung, Petra-Angela Ahrens, bei der Vorstellung der Ergebnisse am Montag in Berlin. „Bei persönlichem Kontakt zu Muslimen wird auch die Einstellung zu ihnen und zu ihrer Religion positiver.“ Das Verhältnis zum Islam als Ganzes bleibt aber ambivalent: Nur ein Drittel bejaht, dass der Islam zu Deutschland gehört. Bei den Befragten, die im Kontakt mit Muslimen stehen, sind es 42 Prozent.

Gehört der Islam denn nun zu Deutschland? „Die Frage ist in der Form zu pauschal gestellt“, kommentiert der Berliner Landesbischof Markus Dröge. Denn sie setze voraus, dass der Islam „ein einheitlicher Block“ sei. Demgegenüber forderte Dröge eine klarere Differenzierung: „Wenn ich darunter eine Glaubenshaltung verstehe, die sich in unsere gesellschaftlichen Werte einpasst mit den Menschen, die diese religiöse Haltung vertreten, gehört er dazu.“

Ungute Polarisierungen

Zugleich beklagte Dröge einen Vertrauensverlust in der Zusammenarbeit mit Ditib-Moscheen in Deutschland, deren Imame in der Regel die staatliche türkische Religionsbehörde Diyanet entsendet. Der zuletzt stärker gewordene Einfluss aus der Türkei auf hiesige Einrichtungen habe die Gespräche zwischen EKD und Ditib belastet. „Trotzdem versuchen wir natürlich, eine gewisse Gesprächsebene aufrechtzuerhalten. Aber das ist schon sehr zurückgenommen“, sagte Dröge.

In einem entsprechenden Positionspapier zum christlich-islamischen Dialog, das gemeinsam mit den Ergebnissen der Telefonbefragung vorgestellt wurde, kritisiert die EKD diese „strukturelle Nähe deutscher Islamverbände zu ausländischen Regierungen“. Diese habe ungute Polarisierungen in Politik und Gesellschaft provoziert, aber auch Formen der Verbindung von Religion und Nation oder von Religion und Ethnie, die „nicht hilfreich für das Zusammenleben in einer pluralen Gesellschaft“ seien.

EKD beklagt „massive Anfeindung“ von Muslimen

Gleichzeitig bekräftigte die evangelische Kirche in dem Dokument aber ihr Ja zu einer religiösen Vielfalt in Deutschland ausdrücklich auch im Blick auf Musliminnen und Muslime und ihre Religion, dem Islam. Daher verurteilt sie in dem Papier, dass es derzeit eine verbreitete Ablehnung der Religion des Islam bis hin zu „massiver Anfeindung und Bedrohung muslimischer Menschen“ gebe. Dröge verwies auf den „Spitzensatz“ der Erklärung: „Die gewaltsame Bekämpfung oder Verdrängung anderer Bekenntnisse und Glaubensanhänger darf in einer offenen und pluralen Gesellschaft keinen Platz haben.“

Einen Rückhalt hat dieses Credo auch in der vorgestellten Umfrage: Demnach wünschten sich etwa 73 Prozent der Befragten, dass sich Christen solidarisch zeigen, wenn muslimische Einrichtungen angegriffen werden.

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