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Morde an Kurdinnen in Paris Kaltblütig exekutiert

Der Mord an drei kurdischen Aktivistinnen erschüttert Frankreich. Die Identität der Mörder liegt weiterhin im Dunkeln - die große Frage lautet nun, wer die Morde angeordnet hat.

Auch in Marseille gedachten Kurden der drei Ermordeten. Foto: dpa

Der Mord an drei kurdischen Aktivistinnen erschüttert Frankreich. Die Identität der Mörder liegt weiterhin im Dunkeln - die große Frage lautet nun, wer die Morde angeordnet hat.

Worte und Bilder passen nicht zusammen. Die vom Pariser „Informationszentrum über Kurdistan“ verbreiteten Fotos scheinen von Ferienglück zu künden. Fidan Dogan ist da zu sehen, mit dem schwer zu bändigenden, von einem Band zusammengehaltenen Haar. Die 28-jährige Mitarbeiterin des Informationszentrums deutet ein Lächeln an. Vor einer Palme steht sie. Ihre Arbeitskollegin Leyla Söylemez (25) trägt eine tief in die Stirn gezogene Baseball-Kappe und eine vermutlich gut gefüllte Sporttasche. Und auch Sakine Cansiz (55), ebenfalls Mitarbeiterin des Informationszentrums, könnte mit rotem Kraushaar und Freizeitkleidung als Urlauberin durchgehen.

Doch die Ermittler sprechen am Freitag nicht von Ferienfreuden, sondern von Exekutionen. Der am Vortag geäußerte Verdacht, die drei Kurdinnen seien an ihrem Arbeitsplatz von Profi-Killern hingerichtet worden, hat sich erhärtet. Die Täter hätten zehn Kopfschüsse abgegeben, aus nächster Nähe, teilt die Anti-Terror-Einheit der französischen Kriminalpolizei mit.

Die Identität der Mörder liegt weiterhin im Dunkeln. Zwei mögliche Erklärungen werden in Frankreich diskutiert, beide klingen – jede für sich – plausibel. Bereits am Donnerstag hieß es in Paris, rechtsnationalistische türkische Kreise oder der türkische Geheimdienst könnten versucht haben, mit dem Verbrechen die Friedensgespräche zwischen der Regierung in Ankara und der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) zu torpedieren. Genauso gut, sagt am Freitag ein französischer Kurdenexperte, sei es aber möglich, dass die drei Frauen einer blutigen Abrechnung innerhalb der kurdisch-nationalistischen Bewegung zum Opfer gefallen seien. Im Schutz der Anonymität meldet sich der Experte zu Wort – angesichts des in der kurdischen Exilgemeinde wogenden Zorns scheint es ihm wenig ratsam, sie namentlich der Urheberschaft an dem Verbrechen zu verdächtigen.

Täter rührten Geld nicht an

Fest steht, dass die Pariser „Informationsstelle für Kurdistan“ enge Verbindungen zur PKK unterhält. Die wiederum bedient sich zur Finanzierung ihres Kampfes in Frankreich keineswegs ausschließlich legaler Mittel. Nach Auskunft der Justizbehörden sind zurzeit 21 Verfahren wegen mutmaßlicher Erpressung gegen die Organisation anhängig. Rund 150.000 Kurden leben in Frankreich, die meisten in Paris. In den sechziger und siebziger Jahren aus wirtschaftlichen, anschließend dann aus politischen Gründen eingewandert, sind freilich längst nicht alle kurdischen Immigranten PKK-Anhänger – aus Sicht der radikalen Unabhängigkeitsstreiter ein Manko, dem sie mit Hilfe gewaltsam eingetriebener „Revolutionssteuern“ abzuhelfen versuchen.

Ausschließen können die Ermittler bisher nur die anfangs ebenfalls in Betracht gezogene Hypothese, die drei Frauen könnten Opfer eines Raubmordes geworden sein. Handtaschen, Handys und Geld der drei Frauen blieben nach offiziell noch nicht bestätigten Informationen unangetastet am Ort des Verbrechens zurück. Und die verwendete kleinkalibrige 7,65-Millimeter-Munition ist in Kreisen des auf Raubüberfälle spezialisierten organisierten Verbrechens gänzlich unüblich.

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