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Mord-Komplott in den USA "US-Anschlag wahnsinnig dilettantisch geplant"

Der vereitelte Anschlag auf den saudischen Botschafter in den USA wirft Fragen auf, sagt der Nahostexperte Volker Perthes im Interview. Er zweifelt, ob tatsächlich höchste Kreise der iranischen Führung hinter dem Komplott stecken.

13.10.2011 21:40
Gerichtszeichnung: Manssor Arbabsiar, der das Komplott geplant haben soll. Foto: rtr

Die Auswirkungen werden stark davon abhängen, wie stark US-Präsident Barack Obama tatsächlich davon überzeugt ist, dass die iranische Führung diesen Akt in Auftrag gegeben hat.

Halten Sie eine Beteiligung der Führung Irans für möglich?

Grundsätzlich halte ich es für möglich, aber nicht für sehr wahrscheinlich. Wenn es die Revolutionären Garden gewesen sein sollten, geht dies nur mit Erlaubnis des höchsten Führers Ayatollah Khamenei. Der Iran hätte sich damit bewusst zu einer Eskalation mit den USA entschieden, die er in den vergangenen 30 Jahren der schlechten Beziehungen beider Länder bewusst vermieden hat. Einen direkten Anschlag in den USA hat es bislang nicht gegeben, das wäre tatsächlich eine ganz, ganz neue Qualität. Da müsste man schon fragen, was sich die Iraner davon versprechen sollten.

Wenn sie den Saudis eine Lektion hätten erteilen wollen, hätten sie dies sehr viel leichter an anderer Stelle im Nahen und Mittleren Osten bewerkstelligen können, wo sie über viel bessere Ressourcen verfügen. Dafür braucht man nicht nach Washington gehen. Und man müsste fragen, wenn tatsächlich hohe iranische Stellen beteiligt gewesen wären, weshalb der Anschlag so wahnsinnig dilettantisch geplant worden ist. Weshalb sie auf einen vorbestraften Gebrauchtwagenhändler in den USA und die mexikanische Drogenmafia zurückgreifen und hohe Summen überweisen sollten, erschließt sich mir nicht ganz.

Eine Beteiligung der Führung erscheint Ihnen unplausibel?

Völlig ausschließen möchte ich sie nicht. Iran hat eine Geschichte von Terrorismus und in der Vergangenheit auch Attentate im Ausland verübt. Ich erinnere nur an den Anschlag auf das jüdische Gemeindezentrum in Buenos Aires vor einigen Jahren.

Wie werden die USA reagieren, sollte Teheran tatsächlich der Drahtzieher sein?

Wenn wirklich die Revolutionären Garden hinter den Anschlagsplänen steckten, müssen die USA reagieren. Sie würden in einem ersten Schritt, wie sie es bereits angekündigt haben, den ökonomischen Druck auf Iran weiter erhöhen. Sie würden dabei auch Nachbarstaaten wie Dubai und die Türkei drängen, sich stärker an Sanktionen gegen Teheran zu beteiligen. Ich würde zudem verdeckte militärische Aktionen nicht ausschließen, die sich gegen die Kuds richtet, eine Spezialeinheit innerhalb der Revolutionären Garden. Einen offenen Militärschlag gegen Iran befürchte ich im Augenblick aber eher nicht.

Wer könnte denn sonst hinter dem Komplott stecken?

Darüber lässt sich trefflich spekulieren. Der Möglichkeiten gibt es viele.

Das Interview führte Steffen Hebestreit

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