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Momentum Freunde Europas

Die neue Partei Momentum bereitet sich auf den Wahlkampf vor.

13.09.2017 10:38
Olivia Kortas
Fekete-Györ
Momentum-Chef Fekete-Györ mit einer Box Unterschriften für ein Olympia-Referendum. Foto: rtr

Eigentlich hatten sie Pussy Riot eingeladen. Doch weil die regierungskritische Punk-rockband aus Russland nicht konnte, spielt man nun ungarischen Folk-Pop. Etwa 200 Menschen stehen in Grüppchen unter der Freiheitsstatue in Budapest. Die meisten sind jung, englische Wortfetzen schwirren durch die Luft. Über ihren Köpfen lodern Fackeln, wehen Europa- und Ungarn-Flaggen. Unter ihnen leuchtet Budapest, wo Wladimir Putin vor wenigen Stunden Ministerpräsident Viktor Orbán besuchte. „Europa! Europa!“, fordern die Menschen.

Mit dem Ruf nach Europa startet Ungarns neue Partei Momentum ihren Wahlkampf. Vor wenigen Wochen kündigte die Regierungspartei Fidesz mit Blick auf die kommenden Kampagnen an, es werde ein heißer Herbst. Momentum nimmt das wörtlich und organisiert einen Fackelmarsch. Im Frühjahr 2018 wählen die Ungarn ihr Parlament. Bis dahin will Momentum die müden Wähler für Politik begeistern.

Die meisten Ungarn wissen noch nicht, wen sie im April wählen sollen. Die Opposition ist zersplittert. Am linksliberalen Rand sammeln sich kleine Parteien, die das Vertrauen der Menschen verloren haben. Viktor Orbán und seine rechtspopulistische Fidesz regieren seit 2010 und halten eine stabile Wählerschaft von zwei Millionen Menschen. Die einzige große Oppositionspartei ist Jobbik, in der Vergangenheit polarisierte sie mit rechtsextremen Aussagen.

Jetzt betritt Momentum die politische Bühne und Westeuropa atmet auf. „Jede Woche bekomme ich eine Anfrage von deutschen Medien“, sagt der Gründer und Vorsitzende András Fekete-Györ und lächelt. Aufmerksamkeit erhielten Fekete-Györ und seine jungen, proeuropäischen Mitstreiter im Frühjahr 2018. Ihre Kampagne ließ Viktor Orbáns Traum von Olympischen Spielen 2024 in Budapest platzen. Knapp 270.000 Menschen gaben ihre Unterschrift ab. Aus Angst vor einer Niederlage beim Referendum zog die Regierung ihre Olympia-Pläne zurück.

Momentum nutzte die Euphorie der Kampagne und konstituierte sich im März als politische Partei. Heute zählt sie 1200 Mitglieder, weitere 600 haben bereits einen Beitrittsantrag gestellt. Laut Umfragen unterstützen zwei bis vier Prozent der Wähler die Partei. „Es ist schön zu sehen, dass so viele etwas ändern wollen in Ungarn“, sagt die 22-jährige Csenge Kormos, die am Fackelmarsch teilgenommen hat. Bei den letzten Wahlen stimmte sie aus Protest für die Arbeiterpartei. Im April will sie ihr Kreuz bei Momentum setzen.

Dennoch misstrauen die Ungarn politischen Parteien und beäugen auch Momentum skeptisch. Statt Inhalten verspricht die Partei vorerst ein Gefühl. Ein Programm veröffentlicht Momentum erst im Oktober, bis dahin lauschen die Menschen den Aussagen der Parteimitglieder. „Ich weiß nicht, ob ich liberal bin oder konservativ“, sagt der Vorsitzende Fekete-Györ. Er bezeichnet sich als Patriot, findet starke EU-Außengrenzen gut, aber auch die Eurozone und die Ehe für alle. „Die Ungarn sind alleine und ängstlich“, sagt Fekete-Györ, „sie brauchen Gemeinschaft. Die können wir bieten.“

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