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Missbrauchsfall an Berliner Grundschule DNA-Analyse soll weiterhelfen

Im Fall des Kindesmissbrauchs an einer Grundschule in Berlin-Wedding warten die Ermittler weiter auf das Ergebnis einer DNA-Analyse. Der Mann, der einer Achtjährigen am 1. März auf der Schultoilette aufgelauert haben soll, kam am Samstag in Untersuchungshaft.

30.03.2012 14:17
M. Klesmann, L. Schnedelbach und C. Bartlau
Der Mann wurde laut Polizei am Freitag durch ein Spezialeinsatzkommando (SEK) im Stadtteil Wedding in seiner Wohnung in der Kameruner Straße gestellt. Foto: dapd

Nach dem Missbrauchsfall an einer Grundschule in Wedding ist ein 30 Jahre alter Mann am Samstag wegen dringenden Tatverdachts in Untersuchungshaft gekommen. Er sollte noch am Samstagabend in die Haftanstalt nach Moabit gebracht werden, wie ein Polizeisprecher sagte. In den ersten Vernehmungen habe der Mann geschwiegen und nichts zugegeben. Ihm wird vorgeworfen, am 1.?März in der Toilette der Humboldthain-Grundschule ein achtjähriges Mädchen sexuell missbraucht haben.

Am Freitagnachmittag wurden DNA-Spuren des Mannes mit den Spuren abgeglichen, die am Opfer gefunden worden waren. Wann der Abgleich der DNA des 30 Jahre alten Verdächtigen mit den Spuren am Körper des missbrauchten Mädchens vorliegt, konnte ein Polizeisprecher am Sonntag aber nicht sagen. Die erforderlichen kriminaltechnischen Untersuchungen seien sehr zeitaufwendig, sagte ein Sprecher dem Blatt.

Nach Informationen dieser Zeitung handelt es sich bei dem tatverdächtigen um einen 30 Jahre alten Deutschen aus Wedding. Konstantinos?M. ist der Polizei als Straftäter bekannt. Allerdings nicht wegen Vergewaltigung und Missbrauchs. Gegen ihn sei wegen exhibitionistischer Handlungen ermittelt worden. Das Verfahren gegen den damals noch nicht Volljährigen sei aber eingestellt worden, sagte ein Sprecher der Polizei. In der zentralen Datenbank des Bundeskriminalamtes als Sexualstraftäter sei er nicht registriert.

Die Ermittler des Landeskriminalamtes waren auf den Mann aufmerksam geworden, als sie die Handydaten einer Mobilfunkzelle, die sich in der Nähe der Schule befindet, vom Tattag auswerteten. Der Tatverdacht erhärtete sich, als die Fahnder danach die Listen ehemaliger Schüler der Weddinger Grundschule überprüften.

Konstantinos M. hatte von 1988 bis 1994 diese Schule besucht und kannte deshalb auch die Namen der Lehrer. Zeugen hatten nämlich der Polizei gesagt, dass sie am Tattag einen Mann auf dem Schulhof bemerkt hatten. Als sie ihn ansprachen, erfuhren sie, dass er auf einen Lehrer warte. Weil der Name des Pädagogen den Zeugen bekannt war, wurden sie nicht stutzig.

Ein Richter unterschrieb am Freitagmorgen den Haftbefehl. Kurz darauf wurde Konstantinos M. in seiner Wohnung in der Kameruner Straße verhaftet. Weil er einen hüfthohen als gefährlich geltenden Dobermann besitzt, hatten die Fahnder das Spezialeinsatzkommando (SEK) um Hilfe gebeten.

Die Beamten überwältigten den ahnungslosen Mann gegen 13.30 Uhr. Mieter des Hauses berichteten von einer Polterei und Geschrei in der Wohnung. Weil sie an eine Schlägerei dachten, riefen sie die Polizei. Konstantinos M. wohnt seit fünf Jahren in der Kameruner Straße, sagte ein Ladenbesitzer, der ihm regelmäßig Zigaretten verkaufte.

An der Schule reagierten Lehrer, Eltern und Schüler erleichtert. „Es ist gut, dass jetzt erst einmal Osterferien sind“, sagte die Schulsekretärin. Einige Lehrer und Schulpsychologen waren allerdings irritiert, dass die Staatsanwaltschaft den Fall am Donnerstag öffentlich gemacht hat, obwohl sich die Ermittlung des Tatverdächtigen bereits andeutete.

Das junge Missbrauchsopfer sei dadurch massiv belastet worden. „Jeder an der Schule weiß nun, wer das Opfer war“, hieß es. Die Achtjährige war nach dem Übergriff eine Woche nicht zur Schule gegangen, sie wurde seitdem von Schulpsychologen betreut. Als der Fall öffentlich wurde und sich TV-Kamerateams vor der Schule postierten, blieb sie auf Anraten der Behörden wieder zu Hause.

Das Schultor bleibt zu

Die verschärften Sicherheitspläne, die die Schule nach der Tat auf der Schultoilette, eingeführt hat, sollen auch weiter gelten: Eltern sollen ihre Kinder bereits am Schuleingang verabschieden, damit künftig schulfremde Personen auf dem Schulgelände besser identifiziert werden können. Haben Eltern einen Gesprächstermin bei einem Lehrer, müssen sie sich im Sekretariat anmelden.

Wie an vielen Schulen ist das Sekretariat aus Spargründen auch hier nicht ständig besetzt, dienstags und freitags ist es geschlossen. Das große Schultor wird nun in der Regel zwischen 8 und 15.45 Uhr geschlossen. Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) ermutigte Schulen, bei möglichen Sicherheitslücken das Gespräch mit dem zuständigen Bezirksamt zu suchen. (mit dpa)

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