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Missbrauchs-Skandal Oxfam gelobt Besserung

Die Hilfsorganisation will eine interne Kommission einsetzen, um Missbrauchsfälle aufzuklären und Ausbeutung zu verhindern.

Oxfam
Oxfam plant eine unabhängige Untersuchungskommission einzusetzen. Foto: rtr

Sexpartys von Oxfam-Mitarbeitern mit Prostituierten, Nothilfe gegen sexuelle Gefälligkeiten: Nach dem Bekanntwerden von Übergriffen bei Oxfam hat die Hilfsorganisation einen umfassenden Aktionsplan beschlossen. „Wir müssen unsere Lektion aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und alles dafür tun sicherzustellen, dass solche Fälle von Ausbeutung und sexuellem Fehlverhalten nie wieder passieren“, sagte die Geschäftsführerin von Oxfam Deutschland, Marion Lieser, bei einer Vorstellung des Aktionsplans am Freitag in Berlin. Oxfam plant unter anderem, eine unabhängige Untersuchungskommission einzusetzen, die sexuelle Gewalt und Ausbeutung innerhalb der Organisation untersucht.

Mehr Geld soll helfen

„Sie soll die gesamte Oxfam-Organisationskultur auf den Prüfstand stellen und bewerten“, sagte Lieser. Dazu würden der Kommission, bestehend aus Frauenrechtsexpertinnen, interne Unterlagen zur Verfügung gestellt. Die Organisation gab außerdem an, zusätzliches Geld und Kapazitäten bereitzustellen, um gegen Belästigung, Ausbeutung und Missbrauch vorzugehen. Das Jahresbudget dafür soll demnach auf mehr als eine Million US-Dollar steigen, eine Verdreifachung der aktuellen Summe. Die Anzahl der Mitarbeiter in diesem Bereich soll sich verdoppeln. Oxfam plant darüber hinaus eine globale Datenbank von autorisierten Referenzgebern, damit Mitarbeiter keine falschen oder nicht überprüfbaren Empfehlungen ausstellen können.

Konkret richten sich die Vorwürfe gegen den britischen Ableger des internationalen Verbunds. In Haiti hatten Mitarbeiter von Oxfam Großbritannien Sexpartys mit Prostituierten veranstaltet. Im Tschad soll sich bereits 2006 Ähnliches ereignet haben. Hinzu kamen Berichte, nach denen Nothilfe teils nur gegen sexuelle Gefälligkeiten geleistet worden sei. Anderorts sollen Oxfam-Mitarbeiterinnen von Kollegen belästigt worden sein.

Marion Lieser nannte die Vorkommnisse „unentschuldbar“ und „beschämend“: „Statt diese Menschen zu schützen, haben Oxfam-Mitarbeiter sie ausgenutzt. Das schockiert mich, das macht mich betroffen, das macht mich wütend. Nicht nur als Geschäftsführerin von Oxfam Deutschland, sondern auch als Frau.“ Die Vorfälle widersprächen allem, wofür Oxfam stehe. Es seien bereits 2011 Konsequenzen aus den Vorkommnissen in Haiti gezogen worden, sagte Lieser. Die Organisation entließ damals vier Mitarbeiter, zwei weitere kamen dem durch eine eigene Kündigung zuvor.

Oxfam richtete eine Untersuchungskommission und Hotlines für Whistleblower ein. Die Kündigungen machten die Verantwortlichen damals auch publik – allerdings ohne die Sexpartys zu erwähnen. Dem Verband wurde daher Vertuschung vorgeworfen.

Nicht transparent genug

Oxfam hätte damals noch transparenter agieren müssen, sagte Lieser. Man werde um das verloren gegangene Vertrauen der Menschen kämpfen. „Wenn aus diesen schlimmen Vorfälle irgendetwas Positives entstehen kann, dann genau das: dass in unserer Organisation kein Stein auf dem anderen bleibt und wir dafür sorgen, dass solch ein Verhalten bei uns keinen Platz hat.“

Oxfam sei dabei auf einem guten Weg – und eine der wenigen Organisationen, die Fälle sexuellen Missbrauchs mittlerweile in ihren Jahresberichten öffentlich mache. Auch andere Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen hatten zuletzt Fälle sexuellen Missbrauchs eingeräumt.

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