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Missbrauch in der Kirche Weihwasser nach der Vergewaltigung

Geschützt vom kirchlichen Schweigekartell: Jahrzehntelang hat die katholische Kirche in den USA den massenhaften Kindesmissbrauch durch Priester vertuscht.

Missbrauch
Opfer und Familienangehörige während der Pressekonferenz im Pennsylvania Capitol. Foto: dpa

Erst vor wenigen Wochen hatte der emeritierte Washingtoner Erzbischof Theodore McCarrick unter dem Druck neuer Enthüllungen seinen Verzicht auf die Kardinalswürde erklärt. Er soll sich 1971 in der Sakristei der St. Patrick’s Cathedral von New York mehrfach an einem 16 Jahre alten Ministranten vergangen haben, dem er das Messgewand anzupassen vorgab. Doch das ist nur der bekannteste Fall. Insgesamt zwei Jahrzehnte lang missbrauchte der joviale Kirchenführer offenbar minder- und volljährige Männer. Papst Franziskus hat den heute 88-jährigen Priester unter Hausarrest gestellt. Von einem Strafgericht kann er nicht mehr belangt werden, weil die Taten verjährt sind.

McCarrick wurde wie viele andere Vergewaltiger im Talar von einem kirchlichen Schweigekartell geschützt. Priester, die sich an Kindern oder Jugendlichen vergangen hatten, wurden nach Erkenntnissen des Generalstaatsanwalts einfach versetzt. Vorgesetzte, die sie – wie Wuerl – schützten, blieben im Amt. „Die Kirchenoberen folgten geradezu einem Lehrbuch für die Vertuschung“, heißt es in dem Bericht. Vergewaltigungen wurden in den kirchlichen Unterlagen als „unangemessene Kontakte“ verniedlicht, selbst belastete Priester mit der Untersuchung von Kollegen betraut und die Versetzung von Triebtätern gegenüber der Gemeinde mit „gesundheitlichen Problemen“ begründet. In mindestens einem Fall organisierte ein Priester auch eine Abtreibung für ein von ihm vergewaltigtes Mädchen.

Obwohl diese Vorwürfe bereits unfassbar klingen, geben sie wahrscheinlich kein vollständiges Bild über das Ausmaß der kirchlichen Verbrechen. Rund 1000 Opfer wurden identifiziert. Wahrscheinlich gebe es jedoch Tausende mehr, sagte Shapiro. Er glaube, dass viele von ihnen nicht gewagt hätten, über ihre schrecklichen Erlebnisse zu sprechen. Auch seien viele wahrscheinlich schon gestorben.

Der lange Zeitraum bis zur Aufdeckung der Taten durch die jahrzehntelange Vertuschung hilft nun auch den Priestern vor Gericht. Bislang wurden nur zwei Geistliche angeklagt. Der ganz überwiegende Teil der Fälle kann strafrechtlich nicht mehr verfolgt werden, da er verjährt ist. Doch dagegen formiert sich Widerstand: In Pennsylvania kämpft eine Opferinitiative dafür, die Verjährungsregelung während eines bestimmten Zeitfensters außer Kraft zu setzen. Die katholische Kirche lehnt das entschieden ab.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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