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Missbrauch in der Kirche Weihwasser nach der Vergewaltigung

Geschützt vom kirchlichen Schweigekartell: Jahrzehntelang hat die katholische Kirche in den USA den massenhaften Kindesmissbrauch durch Priester vertuscht.

Missbrauch
Opfer und Familienangehörige während der Pressekonferenz im Pennsylvania Capitol. Foto: dpa

Ein Priester missbrauchte einen siebenjährigen Jungen und nötigte ihn nachher, die angebliche Sünde bei ihm zu beichten. Ein anderer Geistlicher vergewaltigte ein Mädchen, dem gerade die Mandeln herausgenommen worden waren, beim Krankenhausbesuch. Ein dritter Gottesmann wusch den Mund eines neunjährigen Jungen, den er zum Oralsex gezwungen hatte, anschließend mit Weihwasser aus.

Es sind grauenhafte, kaum erträgliche Geschichten, die der Generalstaatsanwalt von Pennsylvania nach der zweijährigen Durchsicht von 500.000 Dokumenten der katholischen Kirche rekonstruiert hat. Mehr als 300 katholische Priester in diesem Bundesstaat sollen sich in den vergangenen 70 Jahren an Tausenden Kindern vergangen haben. Ein fast 900 Seiten dicker Bericht belegt, dass die Taten von den Kirchenoberen systematisch vertuscht, die Opfer zum Schweigen überredet und die Behörden zur Nachsichtigkeit gedrängt wurden.

Vergewaltigungen als „unangemessene Kontakte“ verniedlicht

„Priester haben kleine Jungen und Mädchen vergewaltigt und die Männer Gottes, die für sie verantwortlich gewesen wären, haben nicht nur nichts getan – sie haben alles versteckt“, heißt es in dem Bericht: „Die Kirche hat ihre Institution geschützt – koste es, was es wolle.“ Man habe die bislang größte Untersuchung über Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche der USA abgeschlossen, sagte Generalstaatsanwalt Josh Shapiro. Die Vorwürfe der Vertuschung reichen bis in höchste Kirchenkreise der USA und betreffen auch den derzeitigen Erzbischof von Washington, Donald Wuerl, der früher Bischof von Pittsburgh in Pennsylvania gewesen ist.

Mehr als 15 Jahre nachdem die Geschehnisse um den Priester John Geoghan den Missbrauch durch Geistliche erstmals an die Öffentlichkeit gebracht hatten, ist der Skandal damit für die katholische Kirche in den USA zum alles überlagernden Thema geworden. Nach den ersten Vorfällen im Jahr 2002 waren zwar allerlei Kommissionen eingesetzt und Mechanismen beschlossen worden, die Kinder und Jugendliche vor künftigen Übergriffen schützen sollten. Doch nun zeigt sich, dass damals nur die Spitze des Eisbergs bekannt war und die Selbstreinigungsoffensive zumindest unzulänglich war.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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